Aushilfs-Küchenchef bei McDonald’s

Nico —  14.05.2004

Anke berichtet beschwingt über ihre Zeit bei McDonald’s (kauf dir mal Permalinks!) und das weckt auch bei mir Erinnerungen, die sich allerdings nicht ganz mit denen von Anke decken.

1. mir wurde jeglicher Hauch von Kreativität in der Küche genommen, nur wenn keiner guckte, konnte ich mir für die Mittagspause den Burger meiner Träume bauen.
2. das ewige Gefiepe und Getröte der unterschiedlichen Toaster, Grills und Friteusen nervt ungemein.
3. Vorgesetzte, für die das Wort „inkompetent“ noch ein Lob darstellt.
4. Personalplanung, die Schichten konsequent unter dem untersten Limit einteilt, wenn dann noch eine Person ausfiel, kam man mit der Arbeit nicht mehr hinterher.
5. ein McRib kann gerne mal länger als 20 Min in dem Warmhaltedampfbad liegen, dank der Sosse schmeckt das eh niemand.
6. Chicken McNuggets zeichnen sich ebenfalls durch eine lange Lebensdauer im Warmhaltedingens aus, können aber gut im Vorbeigehen genascht werden.
7. Wer mal einen 1-Liter Karamelsossenschlauch mit nach Hause genommen hat und dann eine Woche lang Karamelsosse mit Vanilleeis gegessen hat, der lässt die FInger von McSundae.
8. Wer einen wirklich frischen Burger haben will, der bestellt ihn „mit ohne Gurken“ oder so, dann werden die extra von Hand gemacht.
9. Ein guter Schichtleiter ist, wer wenig Burger für die Tonne produziert, egal ob man damit die Küche in den Wahnsinn treibt und man in einer Tour 2 Hamburger machen muss, anstatt mal 6 auf einen Stück.
10. Am Ende des Tages wird so viel weggeschmissen, dass ich locker damit die Obdachlosen der Göttinger Innenstadt und meinen Mitbewohner versorgen konnte. Nur erlaubt war das nicht.
11. BigMäc-Sauce macht süchtig.
12. Apfeltaschen sind wirklich sauheiss.
13. einige Leute verstehen nicht, warum man Apfeltaschen nicht in derselben Friteuse wie die Fischmacs machen sollte.
14. der normale Franchise-Nehmer an sich strotzt vor sozialer Inkompetenz, hat nur Arschkriecher als Schichtleiter, die für einen Hungerlohn arbeiten, während der Chef sich einen goldenen Arsch verdient.
15. McDonalds-Fortbildungen sind die säkulare Form der Hirnwäsche.
16. „ähem, ich muss erst mal gucken, was Sie auf der Karte haben“ ist der meistgehörte Satz an den Kassen.
17. Vor dem Tresen findet sich der Bodensatz der Gesellschaft wieder, wartend auf das Festmahl.
18. Kindergeburtstage bei McDonald’s sind die Hölle.
19. Kontrollbesuche vom Franchisenehmer oder vom Konzern sind wie die Stubenkontrolle durch den Bataillionschef beim Bund, alle wussten schon vorher Bescheid und freuen sich über die gelungene Inszenierung.
20. Den Eigengeruch nach einer Schicht in der McDonald’s-Küche vermisse ich nicht, die Melange aus Ketchup, Senf, Bratfett, Zwiebeln, Bratfett, Sauren Gurken und BigMäc-Sauce ist nur nach einer Dekontaminationsdusche zu entfernen.
21. Die Fingerkuppen waren hitzebständig, die Buletten konnte man schon mal mit der Hand umdrehen.
22. Bei BurgerKing schmeckt es leckerer, ungeschlagen sind allerdings Wendy’s und Hardee’s.

6 responses to Aushilfs-Küchenchef bei McDonald’s

  1. Zu 19: Genau. „Hey, wenn irgendwann heute ein BMW mit Münchener Kennzeichen und zwei Leuten drin durchs McDrive fährt — das sind die Chefs. Extra freundlich sein, bitte.“

    Zu 20: Stimmt, das habe ich verschämt verschwiegen in meinem Bericht. Die Sneakers, mit denen ich bei McDonald’s gearbeitet habe, konnte ich nur noch wegschmeißen. Der Zwiebelgeruch ging wirklich und in echt überhaupt nicht raus.

    Zu Permalinks: JA DOCH! :-)

  2. Zu 19: Kennzeichen fangen mit M-MD an, 3er sind die Unterchefs, 5er sind die Oberchefs bzw. Oberchefin

  3. Sie durften in Sneakers arbeiten? Das war mir verboten (schwarze Schuhe Pflicht)

  4. Anke erzählt von ihren Erlebnissen als ehemalige RoyalTS-Dekorateurin und lüftet einige Geheimnisse aus der wohlorganisierten Küche: Und ich kann bis heute das Pommes-Piepsen vom Chicken McNuggets-Piepsen unterscheiden. Ich liebe es.

    PS: Da sie immer …

  5. Besonders beliebt waren bei mir die „cleveren“ Kunden, die ihre Getränke grundsätzlich ohne Eiswürfel bestellten („aber OHNE Eis“) und sich dafür selber anerkennend auf die Schulter klopften. Dass das Eis nun aber nur zur Kühlung beigefügt wurde und eben nicht die ausgeschenkte Getränkemenge reduzierte hatten die meisten Damen und Herren mir nie geglaubt und somit bei knallender Hitze lauwarme Cola geschlürft („…mich bescheißt MCDonalds nicht, hehe…“)

  6. Hey,
    dass das Eis kühlt ist nur ein Nebenefekt, der Hauptefekt dabei ist, dass das Eis wie ein Deckel auf einer Flasche wirkt, das die Kohlensäure nicht raus geht aus den Getränk, weil das Getränk ja per Postmixverfahren hergestellt wird bei McDonald’s. Gruß Alexander (McDonald’s Mitarbeiter)