Tempo 130 auf Autobahnen!

Nico —  6.06.2004

Diese Meldung muss man erst einmal wirken lassen:

Hamburg (dpa) – Als Reaktion auf hohe Öl- und Benzinpreise ist die Diskussion um ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen voll entflammt. Der Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, Ernst Ulrich von Weizsäcker, hält laut «Bild am Sonntag» eine Begrenzung von 130 km/h für sinnvoll. Ähnlich äußerte sich der CSU-Abgeordnete Josef Göppel. Verkehrsminister Manfred Stolpe bekräftigte dagegen seine Ablehnung eines generellen Tempolimits. Auch der Automobilclub von Deutschland wies die Forderung nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung zurück.[Diskussion um Tempo 130 auf Autobahnen]

Jemand von der CSU fordert Tempo 130? Hut ab, das hätte ich nicht erwartet. Ein sozialdemokratischer Verkehrsminister lehnt Tempo 130 ab? Es wundert mich nicht mehr, aber es betrübt mich. Die SPD hat in den 80ern ein generelles Tempolimit gefordert und ewig viele Studien belegen, dass ein Tempolimit zu weniger Unfällen, besserem Spritverbrauch und entspannterem Fahren für alle führt. Aber das war damals, Stolpe nutzt die momentane Gunst der Stunde nicht, um die Diskussion zu kanalisieren, sondern verweigert sich einfach. Für mich ist das eine absolute Bankrott-Erklärung des Verkehrsministers.

8 responses to Tempo 130 auf Autobahnen!

  1. Vielleicht traut er sich noch nicht? Wenn er das auch fordern würde, dann hätten wir sicherlich nicht nur solch blöde „97 cent davon sind Steuern“-Aufkleber an den Zapfsäulen, sondern auch noch „5 Minuten später zuhause? Die SPD hat schuld.“
    Vielleicht springt er ja noch auf den Zug auf, sobald die Opposition den Weg geebnet hat.

  2. Nico schreibt: Diese Meldung muss man erst einmal wirken lassen:Hamburg (dpa) – Als Reaktion auf hohe Öl- und Benzinpreise ist die Diskussion um ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen voll entflammt. Der Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundesta…

  3. Ich war ja am WE in Brüssel und ich muss sagen, Tempo 120 ist eine tolle Sache. Das Fahren ist einfach entspannter und ich würde es mir in BRD auch wünschen, selbst wenn ich als einer der flotteren Autofahrer deswegen vielleicht mal ein Träne vergießen würde.
    Dass nun die CDU 130 fordert und die SPD dagegen ist finde ich ebenfalls sehr schwach.
    Es wird einfach Zeit, dass Deutschland auch den Weg des Tempolimits geht, selbst wenn Mercedes. Porsche und zb. BMW dann sauer auf den Autokanzler sind.
    Darin sehe ich den eigentlichen Grund für die wehemente Tempolimitverweigerung, die Bosse eben dieser Autohersteller haben sicherlich einen „recht guten Einfluss“ auf Bundesgerd und Co.

  4. Freie Fahrt für freie Bürger

  5. Freie Fahrt fuer freie Buerger? Und warum duerfen die dann in den USA nicht so rasen wie sie wollen? Die faseln doch sonst immer von Freedom und all so’n Zeug…

  6. Ich fände es ja gut, wenn man den Leuten klarmachen könnte, dass es einfach schrecklich sinnlos UND zu allem überfluss unverantwortlich ist, schneller zu fahren. In den letzten zwei Monaten wurde ich mindestens zwei mal auf der Autobahn wirklich ‚angegriffen‘, von den ganzen anderen Rasern nicht zu sprechen.

  7. Generelles Tempolimits bringen m.M. nach nur zu sehr überschätzte Vorteile und andere Studien und Forschungen lässt man bequemlichkeitshalber rechts liegen.

    Bei uns in Holland sind wir schon lange bekannt mit generelle Tempolimits, und bei uns zulande gibt’s noch immer viele Unfälle, werden Tempolimits von 120 weiter runtergezogen zur 80 (!) und streng überwacht, wegen den hohen Umweltbelastung, weil neben der Autobahn ein grosses Flughafen etabliert ist!

    Auf Strecke ohne außergewöhnlichem Gefahr für Unfälle ist es wirklich am besten zu versichten generelles Tempolimits ein zu führen.

    Konzentration ist beim Autofahren doch den wichtigsten Faktor? Bei uns zulande passieren zuviele Unfälle durch Konzentrationsverlust un dannach oft kurzes Einnicken, Sekundenschlaf. Und daß man Rasen ausstossen kann durch Tempolimits, ist nur ein Traum: dafür ist die Psychologie gefragt.

    Jemandem der mit Tempo 180 unterwegs ist, ist doch nicht gleich einen Rowdy? Es ist gut, auf einige Strecken selbst den Limit einschätzen zu können. Mann muss immer Sensibel und Flexibel bleiben, ich denke das deutsche Tempo-Umsicht trägt daran bei.

  8. Interessante Diskussion, die ich nur bedingt unterstützen kann, bei uns in Österreich ist vor kurzem erst die gegenteilige Debatte aufgekommen. Da wünschte sich ein (freiheitlicher) Verkehrsminister Tempo 160 statt 130 auf ausgewählten Autobahnabschnitten. Mit der Idee ist er natürlich gleich wieder abgeblitzt.

    Aber sehen wir uns mal die Realität an: Das fahren in Ö ist keineswegs entspannter, weil an jeder dritten Ecke ein Radar oder die neumodische Section Control lauert. Ich bin unlängst mitten in der Nacht über eine staubtrockene, vierspurige, kaum befahrene Autobahn gefahren und musste bei Linz trotzdem 120 fahren, obwohl 160 mit meinem Auto durchaus möglich wären und die Verkehrslage sie auch durchaus gerechtfertigt hätten.

    Man sitzt also ständig im Auto und hazardiert zwischen 130 und 140, hofft dass die 10% Toleranzgrenze des Radars tatsächlich existiert (einer der bestgepflegtesten Mythen) und die Entspannung ist dahin.

    Das interessante ist ja auch, dass egal bei welchem Tempo (also 120 oder 170) es immer noch Leute gibt, die schneller fahren als man selbst und daher glaube drängeln und auffahren zu müssen. Es ist also eine Illusion zu glauben, dass bei Tempo 120 alle brav hintereinander fahren, die Umwelt schützen und überhaupt alles besser wird.

    Vielleicht hat das ganze aber zumindest einen argumentierbaren Sinn (und da verstehe ich den SPD Minister dann noch weniger): Strafen bringen unglaublich viele zusätzliche Einnahmen für den Staat. Also nur her mit Tempo 120. Ich habe bei Linz meinen Beitrag schon geleistet, blödes Radar.