Paprika, Puszta, Balaton und Blog

Ich war Mitte der 80er zweimal in Ungarn zum Urlaub, damals für Westdeutsche ein eher seltsames Urlaubsziel. Wir haben in Balatonlelle gewohnt, bei einer Familie, die mein Stiefvater schon seit den späten 60ern von etlichen Urlaubsreisen kannte. Die Familie von Josef zog den ganzen Sommer über in die Garage, damit das Haus vermietet werden konnte, was damals durchaus üblich war. Wir bezahlten natürlich einen Teil der Übernachtung in harten D-Mark und waren daher natürlich sehr gern gesehen.

Für mich bedeute der Urlaub in Ungarn nicht nur Sommer, Sonne und leckeres Essen, sondern auch ein Aufeinandertreffen mit Jugendlichen aus der DDR. Mangels Verwandschaft im Osten hatte ich sonst keinerlei Kontakte. Einige Gespräche waren geprägt vom gegenseitigen Unverständnis, was wusste ich denn schon von Blauhemden der FdJ und so, aber manchmal kamen gute Geheimtipps dabei raus. So erfuhr ich z.B. wo man im Ort unterm anstatt der üblichen Pepsi Cola Plörre auch eine kalte Coca Cola bekommen konnte, wenn auch nur quasi als Bückware. Der Urlaub war aber auch geprägt von dem leidigen Problem, das ich übrigens später nie wieder haben sollte, dass ich einfach mein Taschengeld nicht ausgeben konnte. Die beiden Eisdielen am Ort hatten ewig lange Schlangen vor der Theke und die Kühlung des Eises war so etwas von schlecht, dass ich mit meinen 8 Kugeln doch sehr kämpfen musste, sollte nicht alles in der Hand schmilzen. Ansonsten konnte ich nur Cola und Palatschinken kaufen. Kino war OpenAir mit ungarischen Untertiteln, kostete aber auch kaum etwas. Man konnte aber immer an den späten Lachern hören, wer nicht schnell lesen konnte, das wirkte sehr charmant.

Ausserdem habe ich sicherlich einen grossen Beitrag zum Vordringen westlicher Kultur geleistet, indem ich beim zweiten Urlaub täglich mit meinem Skateboard durch die Gegend gerollert bin, natürlich verwegend aussehend mit offen Schuhen und Baseballcap rückwärts auf dem Kopf. Aber davon steht natürlich in den Annalen des Ortes wiedermal nix.

Unser Gastgeber Josef schliesslich nahm uns dann mal mit auf seinen Weinberg, wo wir einen herrlichen Blick auf den Balaton hatten und am Lagerfeuer Spiesse mit Zwiebeln und Speck grillten, dazu gab es Weissbrot mit Schmalz oder Salami, frische Paprika und hauseigenen Riesling. Seitdem ist der Riesling mein Lieblingswein, bei jedem Schluck kommen die Erinnerungen an diesen perfekten Tag in der Sonne auf dem Weinberg zurück.

Ungar ist für mich Gastfreundschaft pur, Sommer, Sonne, gutes Essen und guter Wein. Ich muss da dringend mal wieder hin.

Wieso ich das alles schreibe? Ich habe eben gerade Ungarnblog.de entdeckt.

Eine Antwort auf „Paprika, Puszta, Balaton und Blog“

  1. Hi Nico, der Artikel über Ungarn hat mit gut gefallen. Das mit dem Taschengeld kann ich gut nachvolziehen. Gruß Guido

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