Heute morgen, nach der Buchmesse

Nico —  11.10.2004

Don Alphonso schrieb:

So, ihr da draussen, jetzt kriegt ihr mal den Arsch hoch und rennt den Verlegern die Türen ein. Nach dem heutigen Tag ist das viel leichter als vorher. Sie werden euch lieben.

Und ich muss sagen, er hat recht! Gut, es war mir anfangs ein wenig unangenehm, als heute morgen vor meiner Tür eine Reihe von Verlegern lauerten und mich mit Verträgen umgarnten. Ein regelrechtes Handgemenge entstand, als ich versuchte, mir den Weg durch die Menge zu bahnen, stetig „nun lassen Sie mich doch durch, ich muss zur Arbeit!“ deklamiertend. Ich konnte kaum meine Sänfte besteigen, mit Verträgen wedelnde Lektoren warfen sich vor mich, wimmerten, wollten meine Aufmerksamkeit. Schliesslich liess ich mich zur Arbeit bringen, umringt von meinen Anhängern, nicht ohne noch ein markiges „We don’t need no stinking Verleger!“ in Richtung der Lektoren zu brüllen, die wie ein Häuflein Elend am Grünstreifen zwischen Bürgersteig und Strasse kauerten, nicht wissend, wie sie dies im Verlag begreifbar machen sollten. Kurz nach meinem Entschwinden konnte die Polizei auch die Strassensperrung wieder aufheben, damit das normale Leben in unserem Viertel wieder weitergehen konnte.

Nun sitze ich hier im Büro und komme kaum zum Bloggen, weil die Schar der Lektoren unter meinem Fenster versucht, mich mit einer Abwechslung von SingSang, dem einfachen Schrei „Wir drucken doch alles!“ und wüsten Drohungen („Fahr zur Hölle mit deinem Trackback!“) doch noch zum Einlenken zu bewegen. Leider haben wir keine Federn mehr im Haus und auch der Teer ist ausgegangen, so müssen wir in der Zwischenzeit Ladungen mit AOL CDs auf die Meute werfen, da wir ansonsten hier zu nichts mehr kommen. Ich hoffe, die Aufregung legt sich in den nächsten Tagen, nicht dass sich ständig Lektoren in meinen Weg werfen und um Aufmerksamkeit winseln, das ist gerade beim Spaziergehen am Wochenende oder beim Einkaufsbummel auf Dauer etwas lästig.