Schafft doch endlich die Wehrpflicht ab!

Nico —  8.11.2004

Es wird mal wieder die Abschaffung der Wehrpflicht diskutiert und die Grünen fordern Kurz- statt Wehrdienst. Ich verstehe nicht, wieso Deutschland immer noch meint, an der Wehrpflicht festhalten zu müssen. Von Wehrgerechtigkeit redet schon lange keiner mehr, die Vaterlandsverteidigung rückt auch immer mehr in den Hintergrund und als Argumente für die Wehrpflicht gibt es nur noch das Hochhalten des Ideals des Staatsbürgers in Uniform und hinter vorgehaltener Hand die Sorge um den Zusammenbruch des Pflegesystems, wenn die Zivis nicht mehr sein sollten. Eine typisch deutsche Diskussion.

Schafft doch die Wehrpflicht endlich ab, baut eine moderne Berufsarmee auf und stattet diese mit den erforderlichen Mitteln aus. Es ist Unfug, zu glauben, nur durch die Präsenz von Wehrpflichtigen kann man verhindern, dass sich die Bundeswehr von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verabschiedet. Es gibt andere Länder, wo trotz Berufsarmee Putschversuche unterbleiben, warum sollte dies nicht auch bei uns der Fall sein?

Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass ich in den 12 Monaten Wehrpflicht (so war das damals) irgend etwas Sinnvolles gelernt habe, wenn ich mal vom Schuhputzen absehe, was ich allerdings zu selten praktiziere, als dass es mir wirklich Vorteile im Leben bringen würde. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, mit meinen Vorgesetzten über die freiheitlich-demokratische Grundordnung diskutiert zu haben, weil diese in der Regel nur ihre Befehle verkünden wollten. Eine Diskussion fand aber auch dort nicht statt, schliesslich muss ein Befehl erst einmal ausgeführt werden.

Die Wehrpflicht war eine nette Idee, damals nach dem Krieg, als wir nix hatten, aber eine Wiederbewaffnung wollten, aber jetzt ist sie schlichtweg nicht mehr zeitgemäß. Schafft die Wehrpflicht ab!

8 responses to Schafft doch endlich die Wehrpflicht ab!

  1. nee, click auf das bildchen, dann siehst du, was das für ein schrank ist. mein schrank sah spitzenmässig aus. alle hemden waren super gefaltet, hatten eine pappe drin und wurden nie benutzt. dahinter habe ich dann alles andere geknüllt. so ähnlich mache ich das heute noch…

  2. Nein, da geht´s nicht darum, ob sich das Heer von der Demokratie verabschiedet oder nicht, sondern ob, die Politik Berufsheere leichtfertig in Kriege schicken kann (wie in den USA) oder nicht. Gehen Soldaten aus der normalen Bevölkerung drauf, ist der Krieg viel schwerer aufrechtzuerhalten.

  3. wieso, die wehrpflichtigen werden doch eh nicht mitgeschickt, sondern nur zeitsoldaten?

  4. Wie jetzt, nur Berufsheere werden leichtfertig in den Krieg geschickt? Sorry, das halte ich fuer vollkommenen Bloedsinn.

    Meines Wissens bestand die Wehrmacht zum weitaus groessten Teil aus Wehrpflichtigen, vom Volkssturm (meinen damals 14jaehrigen Vater hatten sie sich auch gekrallt. Haben wir uns nie gross drueber unterhalten, mal sehen dass ich das bald nachhole. Die Generation kommt langsam ins Alter wo das bald nicht mehr geht) mal ganz abgesehen. Die wurden bis zum „Endsieg“ zum Weiterkaempfen getrieben.

    Ich weiss nicht wann hier im UK die Wehrpflicht abgeschafft wurde, aber Du solltest mal hier die Zeitungen und Proteste sehen. Da ist nichts mit „Berufsheere leichtfertig in Kriege schicken“. Das mag auch daran liegen dass die Armee hier genereller akzeptiert ist und auch als Teil der normalen Bevoelkerung akzeptiert wird. Klar, es ist der Job eines Soldaten zu kaempfen und sich in Gefahr zu begeben, das heisst aber noch lange nicht dass nicht hinterfragt wird aus welchen Gruenden er (und sie) den Befehl erhalten dies zu tun. Nicht zu vergessen dass auch Soldaten Familie haben. Eltern, Brueder, Schwestern, Onkel, Tanten, Ehefrauen, Ehemaenner, Kinder usw usf.

    Oder sind in Deutschland Berufssoldaten nicht mehr Teil der normalen Bevoelkerung?

  5. Vor kurzem hab ich noch irgendwo gelesen die Grünen hätten im Bundestag gegen die Aussetzung der Wehrpflicht gestimmt,
    was wollen die denn nun?

  6. Also ich kann nico nur zustimmen. Ein Kumpel von mir (nein, eigentlich fast alle, die beim Bund waren), haben nach ihrer dreimonatigen AGA nur im GeZi gesessen, telefoniert und „Pinball“ am PC gezockt.

    Auch wenn ich selbstverständlich nicht das Maß aller Dinge bin, kann ich mal mit Stolz behaupten, dass ich in meiner zehnmonatigen Zivi-Zeit bestimmt mehr für mein Land getan habe, als die…

    Selbsverständlich weiß ich, dass Deutschland eine Armee braucht, doch denke ich, dass eine Berufsarmee vollkommen ausreichen würde. Außerdem könnte die Bundesrepublik viel Geld sparen, wenn sie nicht die Wehrpflichtigen von uns (wo wir ne eigene Kaserne haben) ins dreihundertundpaarzerquetschte Kilometer entfernte Oberviechtach schicken würden, und die von Oberviechtach nach Frankenberg / Sa. holen – sowas ist doch Blödsinn. Ich sehe natürlich ein, dass die Wehrpflichtigen nicht direkt vor ihrer Haustüre ausgebildet werden sollten, aber es würde doch ausreichen, wenn man sie im eigenen Bundesland hin und her schicken würde – aber das geht natürlich nicht, wenn man viele Kasernen dicht macht, aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.

    @Armin, Adalbert Duda:
    Ich denke nicht, dass man eine Berufsarmee leichtfertig verheizen würde, schließlich lebt eine Berufsarmee von Freiwilligen. Und da würden keine mehr kommen, wenn die Bevölkerung (zu der die Berufssoldaten auch gehören) sieht, dass man die ihre Männer und Söhen (und in Ausnahmefällen Frauen und Töchter) leichtfertig in den Tod schickt.

  7. @Matouf:
    Wirf mal einen Blick auf/in die USA. Die GI’s wurden schon mehrfach als „Wegwerfsoldaten“ bezeichnet – trotzdem gibt es (noch) genug Freiwillige. Ist auch kein Wunder, wenn die Army der einzige Arbeitgeber bzw. die einzige Möglichkeit auf Ausbildung ist.

  8. @rtfm:
    Ich will jetzt nicht sagen „Die Amis sind ja auch blöd, die wählen ja auch zweimal hintereinander den G. W. Bush“, aber die sind so *tschuldigung* „dummpatriotisch“, die scheinen gar nicht zu wissen, das DIE das Volk sind, und das die Regierung zu machen hat, was das Volk will und nicht umgekehrt.

    Ich denke außerdem, dass das in Deutschland anders wäre, erstens, weil wir noch „schockiert“ vom WK II sind und deshalb nicht leichtfertig irgendwen in irgendeinen Krieg schicken würden und zweitens, weil in Deutschland gesetzlich festgelegt ist, dass der BUndeswehreinsatz durch das Parlament genehmigt werden muss – und dass unsere Voklsvertreter im allgemeinen nicht die allerschnellsten sind, ist ja bekannt.

    Auch wenn das vielleicht Stereotypen sind, in deutschland wird kein Soldat „verheizt“…

    Natürlich ist das ganze noch ein bisschen komplizierter, wenn man die Arbeitsmarktsituation – gerade in den USA – einbezieht…