Von einem der auszog, das Amtsdeutsch lesbar zu machen

Nico —  16.11.2004

Der Pinneberger Bundestagsabgeordnete Ole Schröder von der CDU will gegen das unverständliche Amtsdeutsch angehen, berichtet das Abendblatt:

Der Antrag sieht vor, ein Bundesministerium als Pilotprojekt auszuwählen und dort ein besser verständliches Deutsch durchzusetzen. Die Beamten sollen Kurse besuchen und sämtliche Schriftsätze nach unverständlichen Passagen durchforsten und umschreiben. Die übrigen Ministerien können dann die besten Ideen übernehmen. Darüber hinaus sollen alle anderen Bundesbehörden Initiativen zur Bekämpfung bürokratischer Sprache ergreifen.

Also ich finde es ja prima, wenn die Amtssprache neuerdings auch verständlich werden soll, aber wieso sollen Beamte die bestehenden Texte durchforsten? Das wird doch nix. Ja klar, die Beamten sollen Kurse besuchen, aber irgendwie glaube ich nicht daran, dass die Beamten an sich nur durch einen Kurs auf einmal lesenswerte Prosa produzieren.

3 responses to Von einem der auszog, das Amtsdeutsch lesbar zu machen

  1. Wenn du dir einen großen Spass machen willst, dann kannst du dir das voraussichtliche Ergebnis bereits jetzt ansehen. Gehst du einfach zur Bundesagentur für Arbeit deines Vertrauens und lässt dir einfach ein beliebiges Formular aushändigen. Search and Replace von „Arbeitsamt“ mit „Arbeitsagentur“ macht die Dinger nicht wirklich lesbarer. Aber was red‘ ich, „das Arbeitsagentur“ liest sich im Dschungel der ganzen Paragrafen in den Formblättern genau so gut wie „die Arbeitsamt“.

  2. Das ganze ist nur eine Maßnahme, um noch mehr Beamte einzustellen. Da die alten ja mit dem Umschreiben der Texte beschäftigt sind, können sie ihre normalen Beamtenaufgaben nicht mehr wahrnehmen, und daher müssen neue eingestellt werden. Und um das zu bezahlen werden dann einfach wieder an ein paar anderen Stellen Mittel gekürzt (gerne im Bereich Bildung, Forschung oder im Sozialbereich), oder direkt eine neue Steuer erhoben. Ach nein, heutzutage sagt man ja nicht mehr Steuer, es wird ein Zuschlag erhoben.

  3. Das ist doch alles Humbug. Verständliches Amtsdeutsch wird es erst dann wieder geben, wenn es keine Juristen mehr gibt und keine ewigen An-Alles-Rumnörgler. Diese Ewig-An-Alles-Rumnörgler sind es nämlich, die mit einem Brief der in normaler Sprache geschrieben ist zum Anwalt rennen, und meinen, mit hahnebüchenen Ausreden nicht unter irgendwelche Regeln und Gesetze zu fallen. Das will sich der Beamte aber nicht geben, und schreibt gleich so, dass es der Anwalt versteht, damit er da dann keine Probleme bekommt, weil sich sein, nett geschriebener Brief vielleicht mehrfach deuten läßt. Im Zweifelsfalle dreht einem der Jurist nämlich die Worte im Munde (oder auf dem Briefe) rum.
    Also sollten sich die Amtsdeutschverteufler erstmal an die eigene Nase fassen, rechtssicher!