Versackende Aufträge bei der Telekom

Das Interview in der FAS mit dem Internet-Fabrikanten (was auch immer das sein mag) Ralph Dommermuth von United Internet ist recht lesenswert. Ich hatte ja immer gedacht, nur der Endkunde sei der Telekom egal, aber scheinbar ist dies bei Großabnehmern auch nicht anders.

Leider versacken viele unserer DSL-Aufträge im EDV-System der Telekom.

Das heißt?

Zum Beispiel: Auf 10000 unserer Bestellaufträge für DSL-Anschlüsse an die Telekom gibt es zur Zeit überhaupt keine Reaktion, und das oft schon seit Monaten. Oder wir bekommen unrichtige Fehlermeldungen. Und, und, und. Das summiert sich auf rund 50000 Kunden auf der Warteliste. Das Schlimme ist, wir bekommen die Schuld daran. Und nicht die Telekom. Zumal die Telekom selbst ja unter eigener Marke T-DSL zügig liefert.

Es gibt also keinen allgemeinen Engpaß?

Nein. Ich nenne Ihnen noch ein Beispiel. Wir konnten Anfang dieses Monats zehn Tage lang gar keine DSL-Anschlüsse bereitstellen, weil Telekom uns keine „Splitter“ lieferte. Das sind kleine billige, aber notwendige Plastikteile, die Sie in die Telefonbuchse stecken. Wir bekamen ein E-Mail von einem Sachbearbeiter mit der Aufforderung, wir sollten bis auf weiteres keine Aufträge mehr hereingeben, weil die Splitter fehlten. Das ist vergleichbar mit einem Zulieferer, der einem Autobauer per E-Mail nahelegt, keine Autos mehr zu produzieren, weil keine Zündkerzen verfügbar sind.

Ich glaube, das würde mich ziemlich nerven…

[via: Telekommunikation: „Das Internet ist die Zukunft des Telefons“ – FAZ.NET – Wirtschaft]

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4 Antworten auf „Versackende Aufträge bei der Telekom“

  1. Ja, das Problem für den Endkunden ist natürlich, dass er nicht differenzieren kann, woher jetzt die Probleme bei seinem Anschluss kommen.
    Bei meinem Umzug zu Arcor war es auch so, dass das zunächst nicht funktionierte und man es auf die Telekom schob. Zunächst vermutete ich natürlich, dass Arcor einfach nur fein raus sein wollte. Als dann jedoch der Techniker von der Telekom hier ankam und nach dem Umtecken der Leitung plötzlich alles funktionierte, war klar, dass Arcor eben nicht die T vorgeschoben hatte, sondern absolut die Wahrheit gesprochen hatte, aber woher soll der Endkunde auch wissen, dass nicht nur er als Endkunde, sondern auch alle anderen Anbietr noch immer unter der Monopolstellun der Telekom leiden? Und interessiert das den Endkunden überhaupt?
    Übrigens war das Problem beim Anschluss von QSC exakt das Gleiche. Man kann sehr schnell den Eindruck gewinnen, dass die T mit voller Absicht den Kunden der Konkurrenz eine niedrigere Priorität zuordnet. Nur, ob man es beweisen und damit rechtlich gegen sie vorgehen kann, das steht auf einem anderen Blatt, leider.

  2. Das Problem ist in dem Fall meines Wissens nach nicht die Schnittstelle, die von der T-Com zur Einlieferung der Resale DSL Aufträge genutzt wird, sondern die interne Anbindung dieser Schnittstelle an die Alt- und Bestandssysteme der T-Com. Ich hab selbst ein Projekt mit der Schnittstelle gehabt, das ist eine Webservice-basierende Schnittstelle, die zwar leicht komisch definiert ist, aber prinzipiell kann die funktionieren. Im Test mit dem Testsystem, das eben nicht an die Echtdaten geht, funktioniert das auch gut und schnell. Da bekommt man auch innerhalb von wenigen Sekunden Rückmeldungen. Im Produktivsystem sieht das aber wohl ganz anders aus, ist ja auch in der aktuellen c’t ein Artikel zu. Lustigerweise hat das Produktivsystem der T-Com da auch Arbeitszeiten – d.h. man darf nach 22 Uhr keine Aufträge mehr dareinkippen, die können sonst verloren gehen. Und auch keine am Wochenende. Naja, vielleicht ist die Software da ja in der Gewerkschaft oder so. :-)

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