Ende einer Kartoffel-Sorte: bald keine Linda mehr

Nico —  22.01.2005

Kartoffelsorte „Linda“ vor dem Aus? – da fragt sich der geneigte Kartoffelesser an sich erst einmal, was das bedeutet und wieso die beliebte Kartoffelsorte vom Markt genommen werden soll. Und, na klar, auch hier geht es um knallharte Geschäftsinteressen, der Verbraucher spielt keine Rolle:

Die Firma Europlant Pflanzenzucht GmbH aus Lüneburg verfügte bisher über den Zulassung samt Sortenschutz für „Linda“. Dieses Patent ist Ende 2004 nach 30 Jahren ausgelaufen. Das bedeutet eigentlich, dass nun jeder die Sorte Linda züchten und das Saatgut verkaufen darf. Allerdings nur dann, wenn die Sorte zugelassen bleibt, und das bestimmt der Inhaber. Europlant hat die Zulassung aber zurückgegeben. Begründung: Wenn jeder Linda anbauen dürfe, habe Europlant keine Kontrolle und keinen Einfluss mehr, so Geschäftsführer Jörg Renatus gegenüber NDR Info. Daraus ergebe sich dann möglicherweise ein Überangebot und ein damit einhergehender Preisverfall.

Also, sonst wird doch gerade von Wirtschaftsseite immer auf die selbstregulierenden Kräfte des Marktes verwiesen, aber bei Kartoffeln scheint dies nicht zu gelten. Europlant will niemand an die Kartoffel ran lassen und nimmt daher lieber die Sorte vom Markt. Unglaublich.

Bleibt zu hoffen, dass Bio-Bauer Karsten Ellenberg mit seiner Initiative zum Erhalt der Kartoffel-Sorte Erfolg hat. Eine Open-Source Kartoffel wäre doch angebracht in diesem Fall.

10 responses to Ende einer Kartoffel-Sorte: bald keine Linda mehr

  1. Meines Erachtens betrifft das aber nicht die Vermehrung und den Anbau für den eigenen Bedarf. Wir werden Linda also weiterhin anbauen und anbieten solange die Sorte nachgefragt wird……

  2. Eh, also bei Saatgut gelten die Regeln des freien Marktes ja nun schon lange nicht mehr. Saatgut ist schon lange ein Geschäft für wenige quasi-Monopolisten. Die alten Traditionen der Bauern (Saatguttausch, etc.) sind schon vor langer, langer Zeit abgeschafft worden.

    Diese Doppelmoral der Wirtschaftskreise ist ja nun aber auch wirklich sprichwörtlich. Immer da wo Regularien der Wirtschaft helfen, werden sie in den Himmel gelobt (Ich sage nur: Privatkopie), und überall, wo sie die „freie Entfaltung“ von Markmechanismen und damit die Wirtschaft behindern, werden sie Verteufelt.

    Schade nur, daß das so wenige mitbekommen, scheinbar – und das Hohelied der freien Marktwirtschaft weiterhin ohne Reflektion der Auswirkungen vor sich hin summen.

  3. traurig,traurig!!!

  4. Fangmann Doris 5.03.2005 at 10:22

    Wir lieben diese Kartoffel seit vielen Jahren und möchten uns ausdrüklich für einen Fortbestand dieser Sorte aussprechen

  5. Zu Joern:
    „Zum Eigenverbrauch“ laesst sich eine Sorte vielleicht 2 – max. 3 Jahre nachbauen, danach benörigt man auf jeden Fall neues Pflanzgut mit „Pflanzkartoffelqualitaeten“. Deshalb die Bemuehungen von C. Ellenberg zur Erhaltungszucht und Zulassung.

    Ich vermehre Pflanzgut verschiedener „freier“ Sorten, daher wurden auch mir schon „Konsequenzen“ von der Firma Europlant angedroht. Europlant möchte „mit Gewalt“ alte, freie Sorten vom Markt draengen. Bei einem Pflanzgut-Marktanteil von 45% hat die Europlant auch reichlich Handhabe, um „unbequemen“ Kartoffelvermehrern das Leben schwer zu machen. Traurig ist auch, dass die Anerkennungsstellen (Kammer) Europlant noch in die Hände spielen, indem sie Anbaudaten von Vermehrern an die Europlant weitergaben.

  6. was für ein heisses thema… rettet die linda……

  7. Leider wird es in den Medien zu wenig bekannt gemacht! Mord- und Totschlag, Gewalt etc. oder ob ein Bohlen ein Buch geschrieben hat – das er sowieso nicht geschrieben hat – ist wesentlich wichtiger! Traurig aber wahr.
    Solche Firmen wie europlant gehören in meinen Augen gesetzlich verboten! Mit Lebensmitteln, also Grundnahrungsmitteln eine Diktatur zu errichten. Lizenzen für Leben zu vergeben ist der reinste Hohn.
    Wie lange wird es noch dauern, bis Lizenzen für „gesund erzeugte“ Kinder vergeben werden?
    Der Verbraucher hat es in den Händen – aber er reagiert nicht, auch deshalb, weil er die Machenschaften, die dahinterstecken, nicht kennt!
    Ich erinnere nur an die armen Hühner oder Schweine oder …
    Sämtliche Forschungen, die anscheinende „Verbesserungen“ bei lebenden Wesen – auch Pflanzen – bringen, verstricken sich immer mehr in hirnidiotische und einseitige Sackgassen und finden das auch noch gut.
    Die Auswirkungen des Wortes „Qualitätsmanagement“ findet bei der Pflegeversicherung und den Pflegekassen im Moment ihren ausnahmslos menschenverachtenden Höhepunkt.

    Eine völlig frustrierte Verbraucherin.

  8. Das Lummaland (Links via Hugo) berichtet über das drohende Ende einer beliebten Kartoffelsorte. Schuld ist nicht etwa der Treibhauseffekt oder veränderter Kundengeschmack, sondern vielmehr das Auslaufen des Sortenschutzes für die Sorte. Der bisherige Inha

  9. Reginhild Lichtenstein-Weis schrieb: »Solche Firmen wie Europlant gehören in meinen Augen gesetzlich verboten!«

    Gewiß, liebe Reginhild, aber sag an, wer soll das tun? Unsere Politiker? Har-har, das ist ein guter Witz!

    Die Wirtschaft hat schon längst die Macht in diesem Staate, denn nicht Politiker, sondern Industriemagnaten schreiben die Gesetze hier. Niemand wird der Firma Europlant und/oder deren Inhaber ein Haar krümmen! Weder ein Herr Schröder noch eine Frau Künast werden sich hier engagieren, und ganz sicher auch kein Herr Stoiber und keine Frau Merkel, und ein Herr Westerwelle schonmal gar nicht.

    Das ist die sogenannte »Globalisierung«, liebe Reginhild, oder genauer gesagt, die totale Amerikaninierung jedweder Wirtschafts- und Sozialordnung bei gleichzeitiger Demontage jedweder Moral. Genau das ist was notwendigerweise herauskommt, wenn Menschen, die das Recht haben einen Colt zu tragen, auch noch bestimmen dürfen wie die Welt zu funktionieren hat! :-(

  10. Ich glaube die Linda wird bleiben. Da fleissige Beamte des Bundeslandwirtschaftsministeriums die Sortenprüfung einer Kartoffel, die schon seit 30 Jahren auf dem Markt ist, vorzunehmen haben, kann es höchsten 3 – 5 Jahre dauern, um die vorhandene Zulassung abzuschreiben.