Google Autolink: Finger weg vom Content!

Nico —  20.02.2005

Ich halte Autolink für bedenklich, auch wenn es nur in Googles Toolbar integriert ist. Die Veränderung von Content geht zu weit.

Wolfgang Sommergut sieht hierin eine überzogene Kritik:

Wenn die Autolink-Funktion Inhalte von Weblogs modifiziert, dann geht es in der Regel ökonomisch um gar nichts. Umso reflexhafter wirken bei derartigen Anlässen die übertriebenen Reaktionen aus der Blogosphere. Das Hochstilisieren eines privaten Online-Journals zu einem unantastbaren Schatzkästlein wirkt im Kontext vernetzten Publizierens geradezu paradox. Dort ist (fast) jedes Weblog ein (mehrfach) redundanter Knoten in einem unüberschaubaren Geflecht. Nichtsdestotrotz werden gerade dort so verstaubte Konzepte wie die Authentizität des Autors und seiner Rede aus der Mottenkiste hervorgeholt.

Es ist mir völlig egal, um welche Inhalte es geht, ob Blog oder Firmen-Website, eine Veränderung des Contents ist unerwünscht. Wir reden hier nicht von einem witzigen Firefox-Plugin, was kaum einer nutzt, sondern ein Feature der Google Toolbar, das Google nutzen wird, um mehr Erlöse zu erzielen.

Ein klein wenig erinnert dieses Verhalten an das Werbenetzwerk Gator, die Werbekunden erlaubt, Popups über die Werbung ihrer Konkurrenten zu legen. Auch dies geht letztendlich zu Lasten der Website, denn hier gehen Einnahmen verloren. Gator wird für dieses Verhalten zu Recht kritisch beäugt.

Wolfgang Sommergut meint in seinem Beitrag, dass der Vergleich von Google Autolink mit Microsofts SmartTags hinke, weil Autolink ein optionales Feature sei und zudem die Zusatz-Features explizit aufgerufen werden müssen. Also alles ganz anders als SmartTags? Steve Rubel berichtet, daß Jeff Reynar, einer der Mit-Entwickler von SmartTags mittlerweile bei Google für Autolink zuständig ist. Da würde es mich wundern, wenn die Konzeption komplett neu wäre, sondern würde ich eher davon ausgehen, dass Google hier explizit auf diese Expertise setzt.

Robert Scoble meint dazu:

I hate SmartTags or things that change your content (or mine) by default in the Web browser. Adding links to my content without my control is not something that I can support. It is anti-Web, in my opinion.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

9 responses to Google Autolink: Finger weg vom Content!

  1. Switching Smart Tags off was easy: <meta name=’MSSmartTagsPreventParsing‘ content=’TRUE‘>…

  2. Demnächst gibt dann das Heimatschutzministerium auch eine tolle Toolbar die die neusten Terror-Warnungen einblendet heraus und zensiert nebenbei noch ein paar kritische Seiten…

  3. Für mich wäre die Grenze dann überschritten, wenn eine zwischengeschaltete Instanz die von mir angeforderten Inhalte (ohne mein Wissen) verändert. Das tut Google nicht, sondern bietet mir ein Tool an, mit ich als Konsument die Inhalte in meinem Browser verändern kann – und zwar nachdem ich sie vollständig und unverfälscht erhalten habe. Wer das für verwerflich hält, muss konsequenterweise auf Popup- und Flash-Blocker verzichten, weil sie ebenfalls Content verändern.

  4. okay, stell dir mal vor, du hast einen online buchladen, quasi „wolfgangs buchladen online“ und jedes mal, wenn dort eine isbn-nummer erscheint, sieht der user die option, dass er mal bei amazon nachgucken kann, was dort das buch kostet.

    hmm. das wäre doch nicht im sinne von „wolfgangs buchladen online“, oder?

    Abgesehen davon wissen wir ja auch gar nicht, was Google noch alles für Autolink-Deals in der Pipeline hat. Wie wäre es mit einer Integration von Froogle, wann immer ein Produktname auftaucht? Da kann man sich noch viele Sachen ausdenken, die alle gut für Google und seine Partner, aber schlecht für die Konkurrenz sind.

    Du betrachtest Autolink nur aus der Sicht des Users, guck dir mal die Sicht des Website-Betreibers an, dessen User auf einmal zusätzliche Link-Optionen bekommen, die so nicht geplant waren.

  5. Ha. Und genau deshalb ist die deutsche Buchpreisbindung doch so eine gute Idee. Weil Wolfgang keine Angst haben muss, dass Amazon ihm die Preise ruinieren könnte. – Ansonsten, Nico, hast Du aber völlig recht.

  6. Wolfgang hat selbstverständlich überwiegend amerikanische Fachliteratur im Programm, für die die Buchpreisbindung nicht gilt.

  7. Ich würde eher sagen: Nachdem er sein SPielzeug nicht bei MS weiterverfolgen durfte, hat er bei Google bessere Chancen gesehen …

  8. naja, das mit dem Gelb ist jawohl was anderes als ein Amazon-Link bei einer ISBN-Nummer, oder?

  9. Naja, ich kann jetzt schon Content in mein Browser filtern, wenn ich sowas will. Ich kann Suchergebnisse highlighten, ich kann das ganze in Swedish-Chef Bork Bork Bork übersetzen, oder ich kann Amazon Links erzeugen.

    Hauptsache, der User entscheidet für sich sowas zu machen, und wir nicht einfach defaultmäßig gemacht.