Engel & Völkers: Seltsames Geschäftsgebahren

Nico —  22.03.2005

Engel & VölkersEngel & Völkers ist ein bundesweit agierender Immobilienmakler mit hohem Anspruch:

Wir wollen zu den besten und innovativsten Dienstleistungs-Unternehmen der Immobilienbranche gehören. Bei der Vermittlung von hochwertigen Wohn- und Gewerbeimmobilien gehören wir bereits zu den führenden Universalmaklern in Deutschland.

Die Realität allerdings sieht anders aus. Sven Jan berichtet über seine Erfahrungen mit Engel & Völkers, nachdem eine entsprechende Immobilie gefunden wurde:

Leider war die Wohnung vermietet und die Mieterin machte nicht den Eindruck, dass sie die Wohnung aufgeben wolle. Sie habe ein Vorkaufsrecht. Dies hatte sie – allerdings nicht notariell. Ergo juristisch irrelevant – höchstens schuldrechtlich von Bedeutung. Nach der Besichtigung redete dann noch ein höchst dubioser (angeblich freier) Mitarbeiter und ein weiterer Subalterner auf mich ein und versprachen mir das blaue vom Himmel – unter anderem sie würden mir helfen, die Frau kurzfristig herauszubekommen. Sehr dubios und wer das dt. Mietrecht kennt, mehr als unseriös. Um diese Lage und den Kaufpreis zu klären, traf man sich mit dem Eigentümer. Dieser gab mehrere Versprechen & Zusagen ab und man hielt dies auch in einem Memo fest. Wieder wurde eine Reservierung unterzeichnet – von beiden Seiten. Schließlich wurde bereits ein Notartermin vorgeschlagen. Doch plötzlich kam es zu Verzögerungen durch den Verkäufer. Die Finanzierung stand und kostete mich auch Geld, zumal ich einen freien Finanzmakler eingeschaltet hatte, der die Finanzierung zu besonders günstigen Konditionen besorgt hat. Erst nach wiederholter Nachfrage stellte sich heraus, dass der Eigentümer nun doch plötzlich an die Mieterin verkauft hatte und dies zu einem Preis weit unter dem von mir gebotenen. Interessant – offensichtlich wollte der Verkäufer nicht zu einen Zusagen stehen.

Wir halten also fest: Mieter kann man irgendwie rausbekommen, Zusagen werden nicht eingehalten und am Ende bleibt der Interessent auf den Kosten sitzen. Ich dachte immer, nur als Mieter wird man vom Makler geschröpft, aber als möglicher Käufer scheint es nicht anders zu sein. Engel & Völkers sollte darauf achten, dass das schöne Wachstum nicht zu Lasten der Qualität der Beratung geht.

4 responses to Engel & Völkers: Seltsames Geschäftsgebahren

  1. Wenn er sich im Mietrecht auskennt, weiß er sicher auch ein bisschen über Zivilrecht und hat Lust sich den Vertrauensschaden zurückzuholen.
    Solch vollmundige Versprecher haben es wirklich nicht verdient, dass man für sie noch die Zeche zahlt…

  2. Schade, daß der Eintrag so alt ist.
    Ich würde mich gerne mit jemanden über das Geschäftsgebaren von Engel Völkers austauschen.
    Wir verkaufen aktuell eine Immoblie über Sie im Europäischen Ausland. Aufgrund der am Anfang unbekannten Gesetzgebung und möglicher sprachlicher Probleme wendeten wir uns an eine Vertretung von EuV vor Ort.
    Leider war die Beratung und vor allen die Kenntnis über Rechtslagen sehr dürftig, wie sich aufgrund von notwendigen Recherchen immer wieder herausstellte. Nun kommt aber der Gipfel, auf einmal behauptet diese Agentur wir hätten Sie mit falschen Quadratmeter Angaben versorgt, woraufhin der Kunde vom Kauf zurücktreten will oder einen Preisnachlass verlangt.
    Obwohl man noch heute ein Exposee ziehen kann mit den korrekten Qm Angaben. Mit denen Sie ja wohl den Kunden versorgt haben?!
    Leider können wir aktuell den Verkauf nicht abbrechen, da ein Optionsvertrag vorliegt, an den der Käufer auch gebunden ist. Sicher versucht der Käufer ein Haar in der Suppe zu finden, da er anscheinend nicht mehr kaufen kann oder will. Aber warum schlägt sich Engel und Völkers auf diese Seite? Wenn wir die Verkäufer die Provision bezahlen?

  3. Seit unserem erfolglosen Versuch, in Bielefeld über E&V ein Objekt in guter Lage zu erwerben,
    haben wir erhebliche Zweifel an der Seriosität dieses Unternehmens.

    Was geschah:

    Das Objekt bestand aus einem Haupthaus und einem laut Exposé frei zu vermietenden
    Nebengebäude im Außenbezirk. Die verantwortliche Maklerin versicherte im Vorfeld, aufgrund eigener Einsicht in alle notwendigen Unterlagen voll über die Genehmigungslage, Baulasten und die Grundbucheintragungen der Liegenschaft aufgeklärt zu sein – alles habe somit seine Richtigkeit.
    Wir führten daraufhin in vollem Vertrauen auf eine korrekte Genehmigungslage mit dem
    Eigentümer erfolgreich eine Preisverhandlung unter der Bedingung „wie gesehen“ durch.
    Unsere eigene Akteneinsicht im Bauamt ergab daraufhin, daß für Haupt- und Nebengebäude vor ca. 15 Jahren eine Nutzungsänderung („Entprivilegierung“) durchgeführt wurde. Die ursprüngliche Nutzung des Nebengebäudes lautete auf „Garage mit Verkaufsraum“. Eine explizite Genehmigung eines Wohnraumes im Nebengebäude wurde jedoch offensichtlich nie erteilt.
    Nach Aussage der Maklerin habe sich das Bauamt andererseits mündlich positiv über die
    Genehmigungslage als Wohnraum geäußert. Jedoch weigerte sich die Maklerin zu diesem Zeitpunkt unter Berufung auf den Eigentümer, eine entsprechende schriftliche Genehmigung des Bauamtes beizubringen. Vielmehr sollten wir in dieser Sache „nicht zu viel Staub aufwirbeln“, das Gebäude sei schließlich seit Jahr und Tag offiziell vermietet. Eine eigene Anfrage im Bauamt ergab andererseits eine gegenteilige Auskunft: der verantwortliche Beamte äußerte, daß gemäß Aktenlage eindeutig keine Genehmigung als Wohnraum vorliege und daß nach seiner Einschätzung nachträglich eine
    solche Genehmigung im Außenbereich wohl kaum zu erlangen sei.
    Nach einem ultimativen Gespräch mit dem lokalen Geschäftsführer von E&V, bot die Maklerin schließlich an, daß der Eigentümer die Genehmigung nun doch beibringen werde. Als Gegenleistung empfahl E&V, da es sich bei der Genehmigung eigentlich nur um eine Formalie handele und alles weitere geklärt sei, nun den Entwurf eines Kaufvertrages unter einem Vorbehalt über die Beibringung der erforderlichen Genehmigung durch den Eigentümer zu erstellen.
    Wir stimmten dem zu und unterschrieben daraufhin ein entsprechendes von E&V erstelltes
    Formular, mit dem der Notar in unserem Namen über E&V mit den entsprechenden Vorarbeiten
    zum Kaufvertrag beauftragt wurde (dieser Auftrag hatte die Konsequenz, daß wir die Kosten des Entwurfes übernehmen würden, sollte der Vertragsschluß nicht zustande kommen).
    Der Notar entdeckte nun (für uns völlig unerwartet) bei seiner nicht trivialen Einsicht der Grundbücher, einige für alle Beteiligten offenbar unbekannte und hoch komplexe Sachverhalte: es tauchten Brunnenrechte, Wegerechte sowie Einschränkungen der Stadt zur langfristige Nutzung des erforderlichen privaten Abwasserkanales auf. Zudem wurden vom Notar verschiedene Verträge beigebracht, mit denen Rechte und Pflichten aus der gemeinsam mit den Nachbarn genutzten
    Infrastruktur mehr oder weniger vorteilhaft im Detail geregelt wurden.
    Vor unserer und der vom Notar betriebenen Recherche hatte E&V nach nun veränderter eigenen Aussage keine Kenntnisse über diese heiklen und erheblich kaufpreismindernden Einschränkungen und Verpflichtungen des Eigentümers der Liegenschaft. Die vor Beginn ihrer eigenen
    Vermittlungstätigkeit vollmundig verkündete Behauptung der Maklerin über ihre eigene positive Prüfung aller baurechtlichen Details, steht dazu in krassem Gegensatz.
    Hinzu kam, daß die Maklerin während des über 4 Monate dauernden Hin und Her um die
    Genehmigung, wesentliche für den Erwerb erforderliche Unterlagen trotz wiederholter und
    schriftlicher Nachfrage nicht beibringen konnte oder wollte:
    1) Die behaupteten zahlreichen hochwertigen Renovierungen wurden nie belegt (es gab zudem
    erhebliche Unterschiede zwischen Realität und Exposé)
    2) Eine Genehmigung des offenen Kamins, der in den amtlichen Plänen nicht und im Exposé
    offenbar nachträglich eingezeichnet war, wurde nie vorgelegt.
    3) Abrechnungen der Heiz- und Nebenkosten der Liegenschaft wurden nie vorgelegt.
    4) Die nach Vorliegen des Vertragsentwurfes erstmals vorgenommene Überprüfung des
    Baulastenverzeichnisses förderte zu diesem späten Zeitpunkt weitere Baulasten zutage.
    5) Wesentliche Änderungen gegenüber der ursprünglich während der Preisverhandlung
    vereinbarten Details traten bei der vertraglichen Festlegung der „wie besehen zu übernehmenden
    Gegenstände“ zutage, ohne daß die Maklerin die Einhaltung ursprünglicher Vereinbarungen bzw.
    Kaufpreisminderungen vermittelt hätte.
    6) Der Auszugstermin wurde entgegen der ursprünglichen Abreden während der
    Preisverhandlungen einseitig durch den Verkäufer um insgesamt 6 Monate ohne jedes Angebot zum Ausgleich verschoben. Auch hier gab es keine zielführende Vermittlung durch die Maklerin.
    Nach dieser Vielzahl der sich gegenüber der ursprünglichen Verhandlung zu unseren Ungunsten veränderten Parametern sahen wir uns gezwungen, unser Kaufpreisangebot um ca. 10 % zu senken sowie die Aufnahme einer Vertragsstrafe für einen verspäteten Auszug zu fordern. Die
    Maklerin erklärte daraufhin die Verhandlung einseitig als gescheitert.
    Die Entwurfkosten des notariellen Kaufvertrages gehen zunächst zu unseren Lasten. E&V zeigt keinerlei Einsicht, daß das Scheitern der Verhandlung (wie unschwer erkennbar) weitgehend auf deren eigenes Unvermögen und / oder die Unlauterkeit des Verkäufers zurückzuführen sind und folglich die Kosten des Vertragsentwurfes zumindest größtenteils die Gegenseite tragen müßte. Besonders bemerkenswert ist der offensichtliche Vorteil für E&V, nun unentgeltlich und ohne eigenes Zutun völlig frei über das vom Notar erarbeitete Wissen zu baurechtlichen Details des
    Objektes verfügen zu können. Wir haben von unabhängigen Dritten über vergleichbare Vorfälle in der Vergangenheit gehört.
    Im direkten Vergleich mit anderen Maklern stellen wir feststellen, daß seriöse Unternehmen
    sämtliche baurechtlichen Details vor dem Beginn des Verkaufsprozesses abschließend klären und somit alle erforderlichen Unterlagen im Verkaufsprozeß stets verfügbar haben. Im Gegensatz dazu hat E&V versucht, uns zumindest grob fahrlässig durch Verschweigen, Verschleiern oder falsche
    Tatsachenbehauptungen zur Zahlung eines weit überhöhten Kaufpreises zu bewegen. Seitens E&V gibt es keine für uns erkennbare Bereitschaft, trotz ihres eigenen hohen Markenanspruches im
    Premiumsegment sowie trotz der Risiken aus der öffentlichen Sichtbarkeit des oben beschriebenen Vorganges, ihre hausgemachten Qualitätsmängel offensiv anzugehen und zu beheben.
    Wir haben lediglich aufgrund der Attraktivität der Immobilie sowie dem globalen Markenauftritt der Firma E&V den Geschäftskontakt bis zum Vertragsentwurf gedeihen lassen. Aus heutiger Sicht hätten wir bereits bei ersten Anzeichen unseriösen Geschäftsgebarens (und von denen gab es schon früh einige) von einer Fortsetzung der Zusammenarbeit absehen müssen, um die nun
    entstandenen Nachteile oder sogar einen teuren Fehlkauf zu vermeiden.

    Leider können wir nach diesen Erfahrungen jedem nur von Geschäftsbeziehungen mit E&V in
    Bielefeld dringend abraten.

  4. Herzlichen Dank für diesen Erfahrungsbericht. Ich hatte auf einem Immobilienportal eine Anzeige von E&V gesehen und ein komisches Gefühl, dass da manches nicht zusammenpasst. Darum gegoogelt und u.a. diesen Bericht hier gefunden und mich entschieden, die Finger vom Objekt zu lassen. Erspart möglicherweise viel Ärger.