Erst denken, dann bloggen

Nico —  25.03.2005

Das ist doch mal wieder eine Pressemeldung ganz nach meinem Geschmack:

Persönliche Bekenntnisse, bissige Behauptungen, überdosierte Kommentare und spekulative Zusammenhänge – die häufige Grenzüberschreitung macht für Autoren wie für Leser die Faszination von Weblogs aus. Aber viele User machen sich über die Folgen ihrer Äußerungen wenig Gedanken, dabei können Weblogs rasch unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen. Im schlimmsten Fall droht der Verlust des Arbeitsplatzes. In ihrer aktuellen Ausgabe (Heft 12/2005) berichtet die IT-Wochenzeitung COMPUTERWOCHE, welche Job-Risiken Weblogger eingehen und welche arbeitsrechtlichen Folgen hierzulande zu erwarten sind.[…]

Wie die COMPUTERWOCHE weiter berichtet, unterschätzen viele Blogger die lange Halbwertszeit von Web-Seiten. Tauchen im Internet etwa Kommentare eines Mitarbeiters über seine ehemalige Firma auf, so hat er seine Chancen als Bewerber auf eine neue Stelle verspielt. Wer sich selbständig gemacht hat, ist vor diesem Risiko ebenfalls nicht gefeit: „Auch als Freiberufler sind Sie mit eindeutigen Aussagenfaktisch verbrannt“, warnt Anwalt Feil. Folglich rät Rössenhövel in der COMPUTERWOCHE: „Erst denken, dann bloggen.“

Da tut die Computerwoche mal eben so, als ob zigmillionen Blogger täglich über ihre Chefs lästern und ihre Jobs gefährden. Es ist ungemein wichtig, erst mal Probleme herbeizureden. Die Computerwoche zeigt mal wieder, wieso sie als das Anzeigenblättchen unter den IT-Zeitschriften gilt.

Demnächst in der Computerwoche: „Gefahr durch Weblogs – Arbeitnehmer lesen durchschnittlich 30 Weblogs täglich. Immer mehr Kündigungen!“

Demnächst auf diesem Blog: „Gefahr durch Computerwoche – immer mehr Unsinn zu lesen! Würgereize als Folge!“

7 responses to Erst denken, dann bloggen

  1. Computerwoche ist auch nicht wirklich interessant. Ich habe die früher in einer Festanstellung auch mal gelesen, und der Teil, den jeder zuerst angesehen hat, waren die Stellenanzeigen. Nicht, weil man wechseln wollte, sondern weil man sich einen Überblick über den Markt verschaffen wollte. Der Rest ist meistens irrelevant.

  2. „Erst denken, dann bloggen.“
    Erst denken, dann reden. Das gilt auch für Nicht-Blogger.

  3. Die Computerwoche ziehlt auf die typischen uninformierten Entscheider in Unternehmen. Sie ist schlecht gemachte Unterhaltung für die Damen und Herren, die ihre begrenzen Vorstellungen von ITeinfach bestätigt haben möchten. Insoweit schreibt die CW einfach ihren Lesern nach dem Mund – damit diese blos nicht überfordert werden.

  4. Als ob jeder Personalchef erst einmal im Internet die Namen aller Bewerber auf diese in Deutschland unglaublich weit verbreiteten Blogs durchcheckt…

  5. Also so oft, wie ich meinen Webserver neu aufsetze, ist die Gefahr sehr gering. Die Halbwertszeit einer Festplattenpartitionierung und damit aller Äußerungen darauf beträgt etwa sechs Wochen. Ich lerne noch und ob mein Blog gelöscht wird oder in China brennt ne Birne durch…
    Ab übernächste Woche wird es etwas ernsthafter dafür muss ich noch a bisserl üben, denn mit Debian-Linux und LAMP bin ich etwa so fit wie jemand drei Monate nach der Fahrprüfung am Auto.
    Ein zweiter Aspekt ist – Es wird zu wenig gesagt und zuviel geklagt.
    Nee! hier muss sich was ändern tun.
    Die dritte Sichtweise: Ich habe schon so viel Mist gebaut hier, im Usenet und auch sonst. Da kommt es auf das bisschen auch nimmer an. Und Last but not least: (damit bin ich zwar HIER falsch) Vergisst das Internet! Leute die beruflich mit dem NEtz zu tun haben verwechseln ständig reales Leben mit den Internet. Es gibt Firmen, die blocken Port80 bis zum Geschäftsführer und die sind dann auch noch gut und das Betriebsklima funktioniert trotzdem. Im wahren Leben schaut der Chef nämlich nur in seinem SAP auf die Kalkulation und hin und wieder auf seine Emails, wenn die nicht sowieso von der Sekretärin auf deren Deskjet500C ausgedruckt und zur Durchsicht vorgelegt werden. Schön zu sehen, dass es noch PC- und Web-Lose Firmen gibt, war das bei der Zwangs-Elster.

  6. Falk (aber ein anderer) 28.03.2005 at 12:45

    Naja, die CW hat schon ihren Sinn. Gerade im Bereich Personalwechsel ist sie nicht schlecht, wenn man binnen 10 Minuten wissen will, was los ist.
    Die anderen „Artikel“ sind halt des lesens nicht wert.

  7. Computerwoche.de hat eine extra RFID-Rubrik eingerichtet.

    NACHTRAG: Laut Profiblogger Nico Lumma sei sie „das Anzeigenblättchen unter den IT-Zeitschriften“. Hm, wenig schmeichelhaft. Doch der Kommentar von „Erwin“ setzt noch einen drauf: Die Comp…