Feinstaub, Eigenheimzulage und Pendlerpauschale

Nico —  31.03.2005

In den letzten Tagen haben wir wieder etwas neues gelernt. Es gibt eine EU-weite Feinstaub-Richtlinie, und zwar wurde diese bereits 1999 beschlossen. Nun ist es 2005 und auf einmal melden einige Städte, dass die zulässigen Grenzwerte bereits zu häufig überschritten wurden. Andere Städte, wie z.B. Giessen, haben Probleme beim Erfassen der Daten.

Das Thema Feinstaub ist typisch deutsch. Die Autobranche hat sich lange Jahre nicht darum gekümmert und beschwert sich jetzt, dass die zusätzlichen Kosten für die Filter zu einem Problem beim Abverkauf der Diesel-Fahrzeuge führen. Die Lösung sollen steuerliche Entlastungen sein. Die Regierung hat da nicht so viel gegen, weil die Steuern eh Ländersache sind. Der Einzelhandel befürchtet jetzt Arbeitsplatzverluste, wenn die Autos nicht mehr die Innenstädte verstopfen.

Alle sind sie am lamentieren, aber niemand will Schuld sein. Willkommen in Deutschland.

Wir betreiben in Deutschland ein wundervolles Gelder-Umverteilsystem, bei dem wir die Leute finanziell beglücken, die Beton in die Landschaft klatschen, um dann mit ihrem Auto in die Innenstadt zu fahren. Dieses Verfahren nennt sich Eigenheimzulage und Pendlerpauschale. Wenn man in der Stadt wohnt, hat man teure Mieten und keine Parkplätze.

Wenn die Politik so aussieht, dass das Pendeln in die Stadt finanziell begünstigt wird, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn der Individualverkehr zunimmt und die Leute alle fröhlich von ihrem steuerlich geförderten Eigenheim mit der steuerlich geförderten Familienkutsche in die Stadt fahren. Das Feinstaub-Problem gibt es beispielsweise in London nicht, da hier eine City-Maut eingeführt wurde.

Das Problem wird wie folgt gelöst werden: Es wird eine Steuererleichterung für das Umrüsten geben, die Städte werden keinerlei Sanktionen für das Übertreten der Richtlinie befürchten müssen und die EU wird das Gesetz so entschärfen, dass niemand mit ÖPNV fahren oder gar zu Fuß gehen muss. Der deutsche Weg: Augen zu und weiter so.

4 responses to Feinstaub, Eigenheimzulage und Pendlerpauschale

  1. Wir haben auf den Land gebaut, 2 Diesel-Autos (ohne Filter) in Carport, und Arbeitsplätze in der Stadt. Meinst du etwas uns?

    Nein, kann nicht sein, unsere Eigenheimzulage ist seit 2 Jahren abgelaufen…

  2. aber bestimmt ist an der verdösten Filterausrüstung irgendwie doch die rotgrüne Ökosteuer schuld…
    und die Eigenheimzulage führt über fünf Ecken doch zu Ausbildungsplätzen im Maurerhandwerk…also eine Art Bildungsoffensive

  3. Seit München scheint der Begriff "Feinstaub" in aller Munde zu sein.Hey Kinders, wischt einem männlichen Single über die Regale und ihr wisst, was das ist.Nun denn, nachfolgend die ersten Links (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):Tod vom Aller

  4. @Scott anschauliches Beispiel für die nachhaltigen Schäden der EHZ :-)