St. Petersburg – Anreise

Nico —  6.04.2005

Am Sonntag ging es los zu meiner bislang spannendsten Dienstreise, einmal nach St. Petersburg und zurück. Da die Flieger nur 3x die Woche in Richtung St. Petersburg und zurück abheben, sind wir Sonntag hingeflogen und Mittwoch zurück. Das Einchecken dauerte ewig, obwohl nur ein paar Leute am Schalter standen. Der Einstieg verzögerte sich um knappe 30 Minuten, angeblich um das Flugzeug zu säubern, aber davon war später nichts zu sehen.

Wie es sich gehört sind wir mit der russischen Fluggesellschaft Pulkovo geflogen. So eine Tupolev ist schon interessant, vor allem wenn sie aussieht, als wenn sie seit der Anschaffung vor 30 Jahren nicht mehr sonderlich gewartet wurde, jedenfalls im Innenraum. Die Bestuhlung war klapprig und wirklich kein Sessel, sondern eher ein Klappstuhl mit etwas verwarztem Polster. Auf meinem Platz konnte ich nicht sitzen, es sei denn, ich wollte meine Kniescheiben in den Vordersitz bohren. Umsetzen war kein Problem, es war genug Platz. Gewiefte Flieger wussten auch, wie man ruckzug einfach einen Sitz nach vorne klappen konnte, um so mehr Platz zu haben oder die Füsse ausstrecken zu können. Nach einigem Ruckeln hatte ich aber eher Bedenken, dass ich doof aussehe, wenn ich den Sitz oder die Rückenlehne in der Hand habe, weshalb ich mich dann mit dem Konfort eines ausrangierten DB Regionalexpress zufriedengegeben habe.

Die übliche Vorführung der Sicherheitsvorkehrungen sah eher aus wie eine Präsentation wiederentdeckter rarer Stücke russischer Ingenieurskunst aus den 60er und 70er Jahren. Die Schwimmweste war so angegammelt, dass man damit noch nicht mal im Planschbecken über Wasser bleiben könnte. Aber wenigstens war da eine Trillerpfeife dran.

Der Flug war unspektakulär, abgesehen von dem total ungeniessbaren Essen. Ich bin nicht pingelig, aber eine Plastikbox voller altem Brot oder Brötchen mitsamt ekligen vertrockneten Wurstsorten ist nun nicht wirklich meine Vorstellung eines Snacks. Die durchaus wuchtigen Stewardessen servierten diese Box auch eher nonchalant, in dem die Box einfach kommentarlos auf das Tischchen geknallt wurde. Irritiert waren die Stewardessen allerdings, dass ich nicht mehrere Dosen Bier geordert hatte, sondern mit Wasser zufrieden war.

Spektakulär war die Landung nicht. Aber alle klatschten. Das war pure Erleichterung.

Nach einem kurzen Stop beim Zoll betrat ich dann das erste Mal russischen Boden. Gähnende Leere um Mitternacht. Bis auf ein Taxi und eine Figur, die mich fragte, ob ich ein Taxi bräuchte. Ich bejahte und trat sofort in die Preisverhandlungen ein. Wir einigten uns bei 40 EUR, ein kleiner Achtungserfolg, da 50 gefordert wurden. Dann kam ein anderer Mann aus dem Nichts, zeigte zu seinem Auto und meinte, ich solle dort einsteigen. Ein Mercedes, hinten alles schön mit Fickfolie ausgekleidet. Kein Taxischild. Ich stieg ein. Der Fahrer konnte kein Englisch, ich kein Russisch. Die Unterhaltung beschränkte sich auf nervöse Fragen meinerseits, wo wir denn gerade langfahren würden und die immer gleiche Antwort „Astoria“. Nun gut, dann eben keine Konversation.

Nach einer recht zügigen Fahrt auf einer ca. 4-7 spurigen Strasse ohne Fahrbahnmarkierung hielt der Fahrer an einer Tankstelle an. Misstrauisch wie ich bin, verfolgte ich den angeblichen Tankstopp argwöhnisch über den Aussenspiegel, in der Annahme, dass irgendwelche Jungs aus dem Gebüsch ans Auto pirschen und ich später ohne meine Unterwäsche dastehen würde. Alles halb so wild, wir fuhren weiter und kamen am Hotel an. Natürlich hatte ich nur einen 50 EUR-Schein und der Taxifahrer hatte kein Wechselgeld, welch Überraschung. Naja, ich gebe ja gerne Trinkgeld.

Der Abend wurde dann mit einem kühlen russischen Bierchen in der Hotelbar beendet.

One response to St. Petersburg – Anreise

  1. Hallo!
    Kurze Anmerkung zu den Tupolev-Flugzeugen. Das Flugzeug war mit Sicherheit keine 30 Jahre alt (auch wenn es vielleicht so ausschaute). Alle Pulkovo-Flieger, welche in Deutschland landen, sind meines Wissens alle aus den 90er Jahren.

    Gruß Jörg… seit 4 Tagen zurück aus Russland… mit Pulkovo-Boeing 737 ;-)