Dorfpunks

„Hallo, ich bin Rocko Schamoni, hallo die Sonne die scheint!“ – immer wenn ich mein Rocko Schamoni Tape frühmorgens auf dem Weg zur Schule anmachte, verzogen die Mitinsassen das Gesicht und freuten sich auf das Ende der Fahrt. Ich fand das Tape herrlich. Letztens habe ich Rocko Schamonis autobiographisches Buch Dorfpunks gelesen. Erschreckend.

Erschreckend, wie ähnlich wir aufgewachsen sind. Seine Stadt war kleiner, ich war nie Punk, aber vieles kommt mir bekannt vor. Er war weitaus extremer als ich, aber die Langeweile in der Provinz habe ich auch durchlebt. Hamburg als grosser Magnet, dennoch unerreichbar, Lübeck als Metropole. Die Anziehungskraft der örtlichen Disco, das Warten auf die paar Lieder, die man hören wollte. Wir haben ähnliche Musik gehört, obwohl bei mir die Punkphase noch später kam als bei ihm, schliesslich ist er auch ein paar Jahre älter. Aber dieses Expertentum um Musik, das ewige Fahnden nach neuen Platten, das kommt mir sehr bekannt vor. Damals hatten die Plattenläden nur Mainstream, wer etwas anderes haben wollte, musste lange suchen und freute sich dann um so mehr. Wir hatten ja nix, damals.

Dorfpunks ist gut zu lesen und wer in den späten 70ern und den 80ern aufgewachsen ist, kann sich dort durchaus wiederfinden. Einen Spannungsbogen gibt es eher nicht, alles plätschert so daher, ist dabei aber dennoch unterhaltsam. Das erste und letzte mal habe ich Rocko Schamoni live gesehen in Göttingen, irgendwann im Jahr 2000 zusammen mit Wolf. War strange. So wie es sein sollte. Ich müsste mal das alte Tape suchen. Und ein Tapedeck. Dann höre ich erst mal „Tiger in der Nacht“ bis ich auf dem Sofa schlafen muss.

8 Antworten auf „Dorfpunks“

  1. oops. wo war das noch? in dieser Fussgängerzonendisco, wo sich alle Jahre wieder der Name geändert hat?

  2. Rocko Schmoni hat am Donnerstag einige Geschichten aus seinem Buch Dorfpunks zum Besten gegeben. Herr Schamoni verzückt durch eine gewisse Prolligkeit und Authentizität, die ihn unmittelbar sympatisch macht. Die Geschichten, die er vorlas stammen al…

  3. das buch ist klasse, auch wenn es eher eine möchtegern-biographie geworden ist. trockenster humor-wie hätte es auch anders sein können, bei rocko schamoni??

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