In Paris hat Jochen seine Thesen zur deutschen Blogosphäre erläutert und wurde entsprechend auf Heise.de gewürdigt. Andere, wie z.B. Jörg Kantel gehen auf die Kritik nicht ein, sondern maulen gleich rum, dass Jochen doch bitte erst einmal länger bloggen solle, vielleicht würden seine Thesen dann besser. Bei Moe entsteht gerade eine kleine Diskussion zu dem Thema.
Wenn man sich einmal Jochens Thesen genauer anschaut und dann einen Blick auf die deutsche Blogosphäre wirft, dann sieht man, wie recht er hat. Nehmen wir doch mal das Blog, das gerne in vielen Medien zitiert wird: der Schockwellenreiter. Keine Kommentare, keine Trackbacks, selten Links zu Fundstellen sondern nur Links zu den Blogs, dazu sind kaum wirkliche Artikel zu finden sondern nur kurz kommentierte Fundstücke aus dem Netz. Impact? Nahe Null. Jetzt stellen wir dem mal DailyKos gegenüber, oder Robert Scoble, oder Instapundit, oder oder oder, dann wird deutlich, was Jochen meinte. Es gibt zwar eine Handvoll viel gelesener Blogs in Deutschland und darunter sind auch etliche, die ich gerne jeden Tag lese, aber es gibt kein einziges Blog, dass täglich wieder eine Diskussion entfacht und als Konversationstool genutzt wird. Kein deutsches Weblog hat eine Masse an Lesern. Ich nehme mich da durchaus nicht aus, auch hier findet selten eine Auseinandersetzung mit meinen Texten statt, sondern eher mit der Darbietung aktueller Döner-Fotos.
Anhand der Auseinandersetzung mit den Thesen von Jochen wird allerdings auch deutlich, was er mit mangelnder Diskussionskultur meinte. Erstmal dagegen sein und mangelnde Erfahrung mit Weblogs vorhalten, anstatt sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Die Blogosphäre, dieses komische Gebilde, von dem niemand genau weiss, was es ist, kommt nicht umhin, sich alle naslang wieder neu zu definieren, weil glücklicherweise immer wieder neue Impulse von innen und aussen dazu kommen. Blogs sind ein Konversationstool für jeden, aber gerade eine massenhafte Nutzung machen sie so interessant. Das hat nichts mit dem “Drängen in Richtung Mainstream” zu tun, sondern mit der Idee, dass viele Blogs auch viele interessante Meinungen und Kommentare hervorbringen werden, die mehr Vielfalt bieten als die derzeitige Medienlandschaft. Ich sehe hier ein enormes kreatives Potential, das über Blogs abgerufen werden kann.
Ich jedenfalls teile Jochens Einschätzung, dass zum einen in Deutschland an einem Grossereignis fehlt, das in den Blogs entsprechend thematisiert wird und dazu führt, dass sich mehr Leute in ihren Blogs mit dem Thema auseinandersetzen, zum anderen aber auch erst Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Bloggen wirklich populär machen werden. Das Schöne an Jochens Thesen ist ja, dass sie überspitzt formuliert wurden, so dass man sich daran reiben kann. Mir jedenfalls würden 5 Päpste auch Spass bringen, Gegenpäpste waren im Mittelalter schliesslich nahezu Normalität.
Mal sehen, wer mir als erster rein kommerzielle Absichten unterstellt.


