Eine Imagekampagne für Deutschland wird geplant, mit einem Mediavolumen von 30 mio Euro. Das Ziel der Kampagne soll es sein, “die Stimmung im Land zu drehen und für ein innovationsfreudigeres Klima zu sorgen”. Daran beteiligt sind etliche Unternehmen und noch bevor die Kampagne startet, springen die Kritiker reflexmässig los, um ja als erster dagegen zu sein. Ihr, nicht ich! lautet dann auch eine Kampagne, die Johnny gestartet hat und viele springen auf den Zug auf.
Die Kritik macht sich an dem Slogan fest und es wird in harter Abgrenzung gezeigt, welche aktuellen oder historischen Auswüchse bundesdeutscher Politik man nicht teilt.
Ich hingegen kenne auch noch keine Details der Kampagne, finde sie aber erst einmal gut.
So, sacken lassen, nun kommen die Facetten der Begründung.
Zuerst einmal ist es eine wunderbare Idee der Bundesregierung, lauter Medien-Unternehmen eine kostenlose Kampagne finanzieren zu lassen, die für eine bessere Stimmung im Lande sorgen soll. Das passt natürlich ganz hervorragend für den Start ins Wahljahr 2006. Kritiker könnten meinen, dies sei eine sehr offensichtliche Wahlwerbung für die Regierung, aber die Opposition wird Probleme haben, etwas an einer Initiative für Deutschland zu kritisieren.
Ich habe in der Vergangenheit immer bemängelt, dass die Regierung nicht in der Lage ist, ihre Politik angemessen zu verkaufen. Sie hat enorme Defizite in der Vermittlung von Politik und schafft es nicht, die Wähler mitzunehmen auf ihren Weg. Hartz IV ist bei vielen unpopulär, aber das liegt eben auch an der Vermittlung. Als 1995/96 Bill Clinton in den USA die Sozialgesetzgebung extrem verändert hatte, da waren die Proteste auch gross, letztendlich konnte Clinton aber viele Wähler für eine gemeinsame Idee begeistern, nämlich einen ausgeglichenen Haushalt zu schaffen (den Bush dann innerhalb weniger Jahre ruiniert hat…). In Deutschland fehlt momentan die gemeinsame Vision, ein Ziel, auf das alle hinarbeiten wollen. Die SPD hat dies einmal Agenda 2010 genannt, aber das war nicht plakativ genug, um grosse Teile der Bevölkerung zu begeistern.
Erinnert sich noch jemand an Cool Britannia? Das war der Versuch Blairs, eine gemeinsame Marschroute für das Land zu finden, ein Aufbruch aus den Thatcher-Jahren, der vor allem durch Bilder und Emotionen klappen sollte. Dazu ein lesenwerter Artikel in der Telepolis von 1998, der auch fragt, wann Deutschland etwas ähnliches starten wird.
Ich finde es wichtig, dass etwas für die Stimmung im Lande getan wird, weil ich glaube, dass in Deutschland viel Potential in der aktuellen miesen Stimmung verkümmert. Ich glaube auch, dass derartige Kampagnen etwas bringen können, auch wenn sie natürlich das Bild überzeichnen und kaum jemand die Regierung kritiklos gut findet.
Präsident Reagan hat in seinem zweiten Wahlkampf eine wunderbare TV-Kampagne gehabt mit dem Slogan “It’s Morning again in America” und die Kampagne sah etwas aus wie die olle Knoppers-Werbung, aber sie transportierte eben ein wunderbar positives Bild der Lage der Nation: die Sonne scheint, alle gehen zur Arbeit, Kinder lachen und alles ist gut. Reagan hat es geschafft, die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich zu bekommen, über die Qualität seiner Politik hat das allerdings noch nichts zu sagen. Wohl aber über seinen hervorragenden Wahlkampfstab.
Die Menschen brauchen wieder mehr Zuversicht in ihre Zukunft. Die Aufgabe der Politik ist es, die Rahmenbedingungen zu setzen und diese Zuversicht zu vermitteln. Nur dann steigt die Geburtenrate, zieht der Konsum an, werden Ideen finanziert und neue Jobs entstehen. Mal ganz platt verkürzt dargestellt. Wenn die rot-grüne Bundesregierung auch über 2006 hinaus regieren will, dann wird es verdammt noch mal Zeit, die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich zu bekommen und für ein gemeinsames grosses Ziel zu begeistern. Ich bin mir sicher, dass trotz aller Kritik die Politik der jetzigen Regierung immer noch besser ist als die einer möglichen schwarzgelben Regierung. Daher begrüsse ich es, dass endlich einmal versucht wird, die Merkelschen Mundwinkel von den Gesichtern der Leute zu vertreiben. Klar, Image ist nichts, Politik ist wenig mehr, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.
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