Tag der Ewiggestrigen in Augsburg

Nico —  15.05.2005

Jahr für Jahr stellen sich mir wieder die Nackenhaare auf, wenn beim Sudetentag die Ewiggestrigen dieser Republik wieder ihre nationalistischen Parolen schwingen, natürlich beim gleichzeitig Anmahnen von mehr Völkerverständigung:

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat beim Vertriebenen-Treffen der Sudetendeutschen Landsmannschaft scharfe Angriffe gegen die tschechische Regierung gerichtet. Vor mehreren Tausend Teilnehmern in Augsburg verurteilte der CSU-Chef am Pfingstsonntag das Festhalten Tschechiens an den Vertreibungs-Dekreten von 1945 als unvereinbar mit der europäischen Wertegemeinschaft und einer guten Nachbarschaft beider Staaten. Auch Vertriebenenvertreter übten heftige Kritik an der tschechischen Regierung.

„Die Vertreibung der Sudetendeutschen war und bleibt vor der Geschichte ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ein großes und schweres Unrecht“, sagte Stoiber unter großem Beifall. Wer dies in Abrede stelle, sei für ihn kein Gesprächspartner. In Tschechien existiere „immer noch ein Gesetz, das jene straffrei stellt, die an Deutschen Verbrechen begangen haben“, sagte Stoiber. Es müsse gefragt werden, ob es zu guter Nachbarschaft passe, wenn das tschechische Parlament die Dekrete erst vor drei Jahren ausdrücklich bestätigt habe: „Ich sage hier klar: Nein!“ [kurier.at]

Man muß sich immer wieder vor Augen führen, was für ein Klientel insbesondere die CSU gerne bedient. Bei allem, was den Sudetendeutschen widerfahren ist, sollte man sich stets vor Augen halten, wieso dies alles passiert ist. Die Sudetendeutschen tun gerne so, als wenn das Benes‘-Dekret einfach nur so passiert ist, die Vorgeschichte des Nazi-Terrors und des 2. Weltkrieges wird da gerne ausgeblendet. Die CSU unterstützt diese Geschichtsinterpretation seit Jahrzehnten ohne jegliche Scheu, schließlich geht es ja um Wählerstimmen.

One response to Tag der Ewiggestrigen in Augsburg

  1. sicher darf keinesfalls außer Acht gelassen werden, zu welcher Zeit und unter welchen Umständen die Benes-Dekrete entstanden sind. An ihnen immer noch festzuhalten, kann man in Anbetracht dessen, dass wir mittlerweile Nachbarn innerhalb der EU sind, wohl auch als nicht mehr zeitgemäß bezeichnen.