Stelenhüpfen

Nico —  21.05.2005

Noch vor wenigen Wochen hatte ich keine Ahnung, was ein Stelenfeld sein könnte, und von Stelenhüpfen hatte ich ebenfalls keine Vorstellung. Das Holocaust-Mahnmal ist gerade eröffnet worden und ein riesiges Stelenfeld ist in der Mitte Berlin zu finden.

Jetzt ist Thierse gegen Verbotstafeln am Holocaust-Mahnmal und baut darauf, dass der Respekt vor dem Holocaust-Mahnmal ausreichen wird. Leute springen von Stele zu Stele und führen so dem Mahnmal eine völlig neue Nutzungsmöglichkeit zu. Ist das respektlos? Sicher. Aber irgendwie finde ich es auch faszinierend mit anzusehen, wie mit dem Holocaust-Mahnmal umgegangen wird. Das Mahnmal ist nicht einfach nur ein Ort, der an den Holocaust und die damit verbunden Grauen erinnert und darüber informiert, sondern die ganz besondere Ausstrahlung des Mahnmals scheint auf die Besucher unterschiedliche Wirkungen zu haben. Daraus werden immer wieder Kontroversen entstehen, und das finde ich sehr gut. Ein Mahnmal, an dem alle vorbeigehen und „schlimm, das. Aber wenigstens haben wir ein Mahnmal“ murmeln, hätte ich nicht halb so spannend gefunden wie ein Mahnmal, dass bei den Besuchern die unterschiedlichsten Reaktionen hervorzaubert. Ich halte den Ort nicht geeignet für Stelenhüpfen oder gar ein Picknick, aber die Leichtigkeit einiger im Umgang mit diesem Mahnmal wird unweigerlich dazu führen, das andere die Diskussion gerade darüber suchen und führen. Die verschiedenen Generationen haben sicherlich eine andere Art, mit dem Holocaust umzugehen, und das Mahnmal lädt eben gerade dazu ein.

Ich war noch nicht vor Ort in Berlin, habe das Mahnmal nur unvollständig im Vorbeifahren gesehen und war da schon sehr beeindruckt. Mal sehen, wie das Mahnmal auf mich wirkt, wenn ich da bin.