Gestern wurden das vorgehzogene Ende der Legislaturperiode verkündet und heute hört man vereinzelt Stimmen a la “ich wurde nicht gefragt”, wobei immer eine Überschätzung der eigenen Wichtigkeit mitschwingt. Garantiert nicht gefragt wurden viele treue Wahlkämpfer, die ihre freie Zeit für die Wahlen in NRW geopfert haben.
Die SPD hat es in NRW mal wieder nicht geschafft, ihre Stammwähler zu mobilisieren. Hier hat die SPD seit Jahren ein Problem, die Wahlkämpfe greifen einfach nicht. Die Wahlkampf-Organisatoren werden hier ein Stück weit von der Regierung im Stich gelassen, aber müssen sich auch fragen lassen, warum so viele Stammwähler zuhause bleiben.
Nun sind die Wahlkämpfe in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gerade vorbei und die Parteien sind schon wieder mitten im Wahlkampf. Die vielen haupt- und ehrenamtlichen Wahlkämpfer in NRW werden alles andere als begeistert sein, dass die Partei sie nun wieder in die Pflicht ruft. Bei uns zuhause waren die Wahltermine immer die Eckpfeiler der Jahresplanung, meine Mutter leitete das örtliche Kreisbüro, mein Vater war Kreistags- und Landtagsabgeordneter. Da bedeuteten Neuwahlen mehr als nur das vorgezogene Kreuzchenmachen, sondern eine ziemliche Änderung im real existierenden Tagesablauf für ein paar Monate. Ich fand die Wahlkampfzeit immer spannend, meine Eltern hatten in Superwahljahren mit Urlaubssperren, Parteitagen, Veranstaltungen, etlichen Infoständen sowie der Verteilung der “Zeitung am Sonntag” oft Motiviationsprobleme.
Wie sollen nun also in NRW die zuhause gebliebenen Stammwähler mobilisiert werden, wenn die Mobilisierer von einem Wahlkampf in den nächsten stürzen? Ich habe da so meine Zweifel, dass das klappen wird. Da werden Müntefering und seine Leute jetzt alle Hände voll zu tun haben, die Wahlkämpfer wieder flott zu bekommen.
Abgesehen davon stellt sich mir mal wieder die Frage, inwiefern die gängige Wahlkampfpraxis überhaupt noch zeitgemäß ist. Die Leute bleiben stehen, fragen nach Feuerzeugen oder Kugelschreibern und bekommen stattdessen das Wahlprogramm. Wer liest so etwas? Setzt sich irgendjemand zuhause an den Küchentisch, vergleicht munter alle Programme und fällt dann die Entscheidung? Daran mag ich nicht glauben.
Die Stimmung an der Basis wird entscheidend sein für den Bundestagswahlkampf. Eine Kapitalismusdebatte alleine wird nicht die nötige Motivation bringen.
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