Bürokratieabbau

Nico —  29.05.2005

Mir scheint, eines der grundlegenden Themen im Wahlkampf wird Bürokratieabbau sein. Da kann man ohne weiteres dafür sein, es klingt modern und nach schlankem Staat, ist aber vor allem ein weiches Thema, das sich nicht wirklich anhand von Zahlen belegen lässt. Also kann man da viel fordern, die Umsetzung ist dann eine ganz andere Sache.

Das Interessante am Thema Bürokratieabbau ist, dass dort immer Beispiele angeführt werden, die ich kaum nachvollziehen kann, da es in der Regel Spezialfälle sind. Meine paar Erfahrungen mit der Bürokratie hier in Hamburg sind durchaus positiv. Um einen Personalausweis zu beantragen, geht man ins Kundenzentrum, zieht eine Nummer, wartet kurz, und schon geht es los. Heiraten geht auch fix, lediglich das Beantragen eines Kita-Gutscheins ist etwas umständlich.

Irgendwie verhält es sich mit Bürokratieabbau wie mit der Terrorismusbekämpfung: da darf niemand dagegen sein, aber die Erfolge kann der einzelne Bürger selber nicht einschätzen.

Früher gab es im Wahlkampf noch wirkliche Themen, dieses Jahr haben wir den Bürokratieabbau. Ich fordere mehr Sonne für alle.

8 responses to Bürokratieabbau

  1. und rückenwind für alle radfahrer!

  2. Rückenwind für Radfahrer?
    Radfahrer sind bei uns die, die ständig beim Chef auf’m Schoß hocken und sich mit Denunzierungen ihre Sporen verdienen. Also für diese Personengruppe wünsche ich mir wahrlich keinen Rückenwind.
    Ich wünsche mir eine 50%ige Lohnkürzung für alle Manager, bei Verteilung des Gesamtbetrages auf die Belegschaft.

  3. stefanolix 30.05.2005 at 10:39

    Die Aufteilung der Hälfte des Ackermann-Gehalts auf alle Mitarbeiter der Deutschen Bank dürfte (nach Steuern und Abgaben) keinen allzu großen Effekt in der Lohn- oder Gehaltstüte haben :-)

    Den Erfolg eines Bürokratieabbaus kann man selbstverständlich messen: zum Beispiel an der Anzahl der Beschäftigten in einer kommunalen Verwaltung pro hunderttausend Einwohner. Oder an der Anzahl der Beschäftigten der Bundesanstalt (-agentur) für Arbeit, gemessen an der Anzahl der Arbeitslosen.

    Aber auch an der Anzahl der Stunden, die ein Freiberufler oder Unternehmer jedes Jahr aufwenden muss, um seine Pflichten zu erfüllen; ersatzweise an den dafür aufgewendeten Kosten für Steuerberater und ähnliche Dienstleister.

  4. Nico hat schon recht: „Bürokratieabbau“ ist solange ein Selbstläufer solange man nicht ein detailliertes Konzept vorweisen muss.

    Solange ähnlich wie bei der Steuer nur hier und dort ein bißchen Wildwuchs beseitigt wird und kein großer Wurf vorhanden ist, bleibt es ein herumdoktorn an Symptomen.

    Die „gefühlte“ Bürokratie unterscheidet sich massiv zwischen Angestellten und Selbständigen/Freiberuflern. Der eine muss nur alle Dekaden mal einen neuen Perso beantragen, der andere muss zur Einrichtung eines Gewerbebetriebes von Pontius zu Pilatius rennen, ehe das Bauamt ihm Stöcker zwischen die Beine wirft und das Ämter-abrennen nochmal von vorne geht.

    Eben weil Bürokratie bzw. hemmende Regulierungen so unterschiedlich von Angestellten/Arbeitern und Selbständigen/Freiberuflern wahrgenommen werden, halte ich es nicht für ein „massenattraktives“ Thema für die Parteien. Es ist eines der Themen von denen die Parteien sagen: „Ham wa auch im Programm“ um bestimmte Klientel abgrasen zu können, aber es kein Schlüsselthema das über Sieg und Niederlage entscheiden wird…

    … obwohl dort die gleichen Symptome zu sehen sind, wie im Gesundheitswesen, den Steuern, etc.: Überfrachtung mit Regelungen, zuviele nicht mehr zeitgemäße Regelungen, zuviele Ausnahmeregelungen für kleine Gruppen.

  5. @stefanolix: Die Bundesagentur soll mehr Leute einstellen, IMHO. Von 10 Mitarbeitern sind da nur 2 Arbeitsvermittler. Der Rest verwaltet, entweder die anderen beiden oder wenigstens den Geldfluß an die Arbeitslosen. Wobei von den 2 Vermittlern oft einer frustriert ist, weil er lieber verwalten würde.

  6. stefanolix 30.05.2005 at 14:16

    @Martin: Ich höre immer nur „einstellen“. Wie wäre es denn mit BA-internen Versetzungen in andere Bereiche? Und komme mir niemand mit dem Argument, das sei sozial ungerecht. Sozial ungerecht ist der gegenwärtige Zustand.

  7. hmm. Also ich bin hin und wieder mal beim Zoll, weil bestimmte Teile kommen halt aus dem Nicht-EU-Ausland. Wenn Du mal was selbst verzollen musstest, dann weißt Du wie bürokratisch es zugehen kann. Zollnummer, Frachtart – da gibt es viele kleine und gemeine Fallen. Und Abmelden ohne neuen Wohnsitz ist auch lustig.