Halbgares Geblogge

Nico —  6.06.2005

Fred Wilsons Bagging the Post beschreibt ziemlich genau, was der Charme beim Bloggen ist. Man muss sich nicht hinsetzen und das grosse deutsche Gegenwartsblogstück schreiben, sondern man kann auch einfach mal eine Handvoll Gedanken auf den Bildschirm bringen und dann die Kommentare eintrudeln lassen. Eine Konversation mit dem Leser anfangen, das finde ich wichtig.

Wenn ich bei Firmen sitze und das Thema Blogs vorstelle, dann sage ich immer, dass Blogs Konversations-Tools sind. Oft gucken die anderen Anwesenden dann peinlich berührt zu Boden und denken sich bestimmt Sachen wie „jaja, wie soll das denn gehen, wa?“. Ich finde, dass das sehr gut klappt. Wenn man z.B. einen Blick auf wahlblog.de wirft, dann sieht man momentan noch viel Halbgares. Dafür sieht man aber auch viele Kommentare, was wiederum zeigt, dass sich Leser mit dem Geschriebenen auseinandersetzen. Das ist doch schon mal ein guter Anfang. Es sollte allerdings dazu führen, dass halbgare Artikel irgendwann auch mal überarbeitet und die Ideen neu und etwas stringenter präsentiert werden, quasi als eine Art Zusammenfassung der Diskussion.

Halbgares Geblogge kommt auch dem Ansatz des Marktplatzes der Ideen am nächsten. Einfach mal Ideen auf den Tisch legen und gucken, was passiert. Das macht in meinen Augen den grossen Reiz der Blogs aus. Widerspruch aber auch Zustimmung zu generieren, aber gemeinsam mit dem Leser die Ideen voranzutreiben. In gewisser Weise zeigt man damit natürlich auch ein Stück Blöße, weil eben noch nicht alles zu Ende gedacht ist. Man zeigt aber vor allem Größe, weil man die Leser mitwirken lässt und weiß, dass noch nicht alles komplett durchdacht ist.

Der geneigte Leser mag jetzt selbst entscheiden, ob dieser Eintrag halbgar oder schon gut durch war.

3 responses to Halbgares Geblogge

  1. ich mags halbgar bis blutig. durchgebraten ist langweilig.

  2. Wikifizierung der Artikel ?

  3. Find ich eine ziemlich geniale Beschreibung dessen, was man in Unternehmen mit Blogs anstellen kann.
    Projekte können damit aufgesetzt und diskutiert werden. Das ist doch oftmals das, was die Leutchen machen müssten, damit eine Diskussion entsteht, die man auch ein paar Tag später nochmal aufrollen kann und dann am besten Wikifiziert, wie Wolf schon gemeint hat.
    Hab ich so ähnlich auch den Leutchen erzählt, die was über Wissensmanagement hören wollten. Blogs zum ins Unreine schreiben. Wikis zum Überarbeiten und strukturieren. Und meiner Meinung nach am Besten gleich in einem Tool, sonst muss man wieder A nach B verschieben, kopieren oder sonst wie aufbereiten. Da brauchts auf jeden Fall direkte Verknüpfungen sonst wird das Ganze zu aufwendig.

    my 3 Cent