50 Jahre Bundeswehr – aber nun reicht es mit der Wehrpflicht

Nico —  7.06.2005

Heute wurde ordentlich gefeiert in Berlin – 50 Jahre Bundeswehr:

Mit einem klaren Bekenntnis zur allgemeinen Wehrpflicht haben Bundeskanzler Gerhard Schröder und Verteidigungsminister Peter Struck die Serie von Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag der Bundeswehr eröffnet. Bei dem Festakt im ehemaligen Zeughaus in Berlin sagte Schröder am Dienstag, die Wehrpflicht sei „auch heute eine bewährte Basis für die Bundeswehr“. Struck nannte das Miteinander von Wehrpflichtigen und Berufssoldaten das Erfolgsgeheimnis der deutschen Streitkräfte. Beide Reden riefen die Wehrpflichtgegner auf den Plan.[stern.de]

Natürlich ruft das immerwährende Wiederholen der mitreissenden Statements vom „Staatsbürger in Uniform“ kritische Stimmen hervor. Mir stellen sich regelmässig die Nackenhaare auf, wenn ich diesen Unsinn über das Zeitgemässe der Wehrpflicht lesen muss. Wehrgerechtigkeit besteht schon lange nicht mehr und als Schütze Arsch ist man alles andere als ein Staatsbürger in Uniform, nämlich ein purer Befehlsempfänger, der in der Grundausbildung jede Menge Unsinn mitmachen muss. Ich finde die Bundeswehr wichtig, aber man sollte nur auf Berufssoldaten zurückgreifen. Meine Grundausbildung war geprägt von viel Leerlauf und idiotisch veranlagtem Führungspersonal, die dafür gesorgt haben, dass ich mir meine Freiräume schaffen musste, um mal ein wenig Ruhe zu haben beim Nichtstun.

Meine größte Errungenschaft in 12 Monate Bundeswehr: Während eines Vormittags bis zum Mittagessen einmal komplett Super Mario Bros. auf dem Gameboy durchgespielt.

Leider wurde ich für diese Verdienste bislang noch nicht ausgezeichnet, aber das kann ja noch kommen.

50 Jahre Bundeswehr sind doch ein schönes Jubiläum, um endlich die Wehrpflicht abzuschaffen und für Wehrgerechtigkeit zu sorgen.

9 responses to 50 Jahre Bundeswehr – aber nun reicht es mit der Wehrpflicht

  1. Bitte konsequenter sein: Endlich Armee privatisieren. Keine Steuergelder dafür verschwenden; Wer eine Armee braucht, möge sie selber finanzieren und nicht meine Steuern dafür mißbrauchen.

  2. Na so ein Blödsinn.
    Wie bitte soll sich eine Armee denn selbst finanzieren? Mit McDonalds-Werbung auf dem Panzer?

  3. Nene, durch den Wiederaufbau nach bombardements.

    Ja, jetzt ist die beste zeit, um die Wehrpflicht abzuschaffen, vor allem angesichts einer bevorstehenden Wahl der Christen, die dann Wehrpflichtige in Krisengebiete schicken werden. Wer Krieg spielen will, kann das tun, in einer Berufsarmee.

  4. super mario bros. oder eher super mario world?
    super mario world spielt sich ja problemlos in 45 minuten durch, das ist ja keine soo grosse leistung ;)

  5. Wirklich wahr! es muss einen Grund haben, dass der Gameboy genau in die Beintasche paßt. Ich hatte etwas mehr Glück bei der Einteilung und war in der Redaktion der Truppenzeitschrift der Marine gelandet. Wir zockten DOOM2 erst per Nullmodem dann per RG58U-Netzwerkkabel…
    Zurück zum Thema:
    Was bitte sind die Erfolge (für ein Erfolgs-geheimnis) der Bundeswehr? Stetiges Wachstum der beim Wehrbeauftragten eingegangenen Beschwerden? 30% der Flugzeuge am Boden weil ohne TÜV? Immer noch zwei Käfer im Dienst und noch etwa 200 als Ersatzteile? Die ältesten Feldfahrzeuge (1Oto GL)? Soldat 2000 zum dritten mal abgesagt, weil kein Geld für Nachtsichtgeräte und Funkgeräte? Helicopter, die nur per Sondergenehmigung in den deutschen Luftraum dürfen?
    Es wird Zeit dass man sich der Realität nicht weiter verschließt und auch nicht mehr Bundeswehr-Lotto spielt. (Es werden derzeit etwa 6 aus 49 gezogen.)

  6. Die Wehrpflicht kann nicht abgeschafft werden, weil sonst das Gesundheitswesen zusammenbricht. Das war schon zu meiner Zivildienstzeit bekannt, und das ist immerhin schon 15 Jährchen her…

  7. Christian 9.06.2005 at 12:59

    Moin Nico,
    Du hast noch eine Eigenschaft vergessen, die Du während der Bundeswehr angeeignet: Deine Fähigkeit freudlich und bestimmt mit Befehlen Deiner Vorgesetzten umzugehen.
    In diesem Sinne.

  8. weiter 50 Jahre: Nico L. erinnert sich an die „Effizienz“ seiner Dienstzeit, die Kritik erschöpft sich dann an der Wehrpflicht. Da konnte ich nicht still zusehen, und forderte im Kommentar (wieder mal)

  9. @Sven: das ist eine Urban Legend. Die Kosten die dadurch entstehen, dass die Heranwachsenden aus dem Kontext ihrer Ausbildung gerissen werden und dass sie im Zeitraum höchster Leistungsfahigkeit nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, überwiegen bei weitem. Von dem Jahr, dass Sie keine Steuern und Sozialbeiträge zahlen mal abgesehen. Im Übrigen sind die Kosten für einen Helfer, der einen normalen Halbtagsjob macht, nicht höher. Betrachtet man die Ausbildungs- und Einarbeitungszeit mit, sind sie niedriger.