3D-Karten für die Massen

Nico —  9.06.2005

Google plant, die grösseren Städte in den USA neu zu Kartographieren. In 3D wohlgemerkt und mittels mit Technik vollgestopfter Trucks, die durch die Strassen fahren sollen.

Wenn man sich jetzt noch überlegt, dass immer mehr Handys in den USA mit GPS ausgestattet sein werden, dann ergeben sich etliche spannende Anwendungen. Location-based Services sind eine Sache, eine andere wären virtuelle Stadtrundfahrten. Klar, GPS-basierte Schnitzeljagden kann man auch machen, ebenso richtig nette „Where in the US is Carmen San Diego?“-Varianten oder von mir aus auch eine Adaption des Brettspiel-Klassikers Scotland Yard.

Was ich aber richtig interessant finde, ist die beginnende Verschmelzung der virtuellen mit der „echten“ Realität. Das Konzept der virtuellen Shopping-Malls, das in den Anfangsjahren des Webs grassierte, kann nun wieder zum Leben erweckt werden. Nur dieses Mal sucht man ein Produkt online, findet Ergebnisse, sortiert nach der Nähe des Shops, guckt sich das Gebäude an, macht quasi einen Schaufensterbummel und führt dann den Einkauf entweder online oder offline durch. Bei Einkäufen im Netz weiss man ja oftmals nicht, was für eine Firma sich am anderen Ende verbirgt. So kann man wenigstens ein Stück weit Gewissheit bekommen und sich wenigstens das Gebäude und die Umgebung angucken. Bei kleineren Einkäufen mag das egal sein, aber beim Autokauf z.B. wird man schon darauf achten, dass man nicht bei irgendeiner Klitsche am falschen Ende der Stadt das vermeintliche Schnäppchen erwirbt. Möglich sind auch Ansätze, dass beim lokalen Händler online bestellt und dann später abgeholt wird, um damit eine gewisse Kundenbindung aufzubauen und den Kunden erst einmal in den Laden zu locken.

Was mich reizen würde, wäre quasi die Rückwärtsauflösung bei der Shopsuche. Mir wird immer nachgesagt, ich würde Geschenke auf den allerletzten Drücker kaufen. Das stimmt auch. Immer wenn ich etwas Interessantes sehe, versuche ich mir das zu merken, scheitere aber oft daran, dass ich nicht mehr weiss, wie der Laden hiess, was einen Anruf ein klein wenig erschwert. Wenn ich allerdings nach einem Stadtbummel noch einmal virtuell die Strassen entlang wandern könnte, dann ist die Möglichkeit doch recht hoch, dass ich mich an den Laden erinnere und dann online den Kauf doch noch durchführe.

Die Suche nach Wohnraum wird auch vereinfacht werden. Momentan sind die Möglichkeiten bei der Suche eher begrenzt, man kann evtl. einen Umkreis angeben, wo man wohnen will und sich eine Umgebungskarte angucken. Wenn man sich allerdings nicht nur die Strasse in 3D, sondern auch das ganze Viertel angucken kann, dann hat man einen unschlagbaren Vorteil gegenüber der Stellenanzeige in der Zeitung. Die Transparenz wird allerdings nicht alle Vermieter erfreuen, denn eine vermeintliche Top-Lage kann sich schnell als heruntergekommene Ecke präsentieren. Man sieht die EInkaufsmöglichkeiten, die öffentlichen Einrichtungen, Schulen, Kindergärten, kann die Wege besser einschätzen als bei einem herkömmlichen Stadtplan. Ein besseres Gefühl für die Umgebung entsteht.

Einen riesigen Markt sehe ich im Reisebereich, allerdings nicht nur für Städtereisen, sondern vor allem für die grossen Urlaubsziele. Wer weiss schon, ob das Top-Hotel mit Blick auf den Sandstrand doch eher ein Abrißkandidat neben der Müllhalde mit Blick auf den Industriehafen ist? Karten helfen sicherlich, auch umfangreiche Hotelbeschreibungen, aber wenn man vor dem Urlaub einmal die Strecken rund um das Hotel virtuell abwandern kann, dann dürfte die Entscheidung beim Reisenden leichter fallen. Für den riesigen Reisemarkt wäre das ein ideales Einsatzgebiet, aber sicherlich erst etwas für die nächsten Schritte in der 3D-Kartographie.

Ich bin gespannt, was in dem Bereich der 3D-Karten noch alles passiert, vor allem, wann in Deutschland eine Firma auf die Idee kommt, ebenfalls den Schritt von 2D zu 3D zu machen.

2 responses to 3D-Karten für die Massen

  1. Ich habe mal etwas Luftbild-Kartographie gelernt (als einzige Fotografenausbild bei den blauen Jungs) – Ein Truck am Boden ist nur dann was wert wenn er die Gebäude aus min. 20° Höhe betrachten kann, sonst wird es eine TrumanShow (da waren nur die Erdgeschosse gebaut, der Rest wurden als Texel einmontiert.

  2. Google plant, die grösseren Städte in den USA neu zu Kartographieren. In 3D wohlgemerkt und mittels mit Technik vollgestopfter Trucks, die durch die Strassen fahren sollen.