Blogfieberausbruchsversuche

Siegfried schreibt, es sei Blogfieber ausgebrochen während Hugo E. Martin dies bestreitet und vor allem vermeintlich halbherzige Blogversuche bei Verlagen kritisiert. Aufhänger war Jochen, der in einem Focus-Artikel die Zahl von 200.000 germanischen Blogs genannt hat, „nur 60 000 davon hat der führende Dienst blogstats.de verzeichnet.“ (Ich würde dieses „nur“ durch ein entschiedenes „immerhin“ ersetzen, da Blogstats.de eben nicht beliebig durchs Netz crawlt, sondern nur pingende Blogs mit validem RSS, keinem Passwort-Schutz, dafür aber mindestens 2 Artikeln erfasst, die zudem noch „irgendwie“ als „kommt aus dem deutschsprachigen Raum“ klassifiziert werden können.)

Ausserdem hat Johnny jetzt einen Weblog-Verlag gegründet und reiht sich in eine beachtliche Anzahl von Microcontent-Anbietern im In- und Ausland ein und parallel dazu findet reboot 7 in Kopenhagen statt, was natürlich einiges an Aufmerksamkeit generiert.

Fiebern wir jetzt alle? Werden jetzt alle Blogger reich und berühmt und bekommen lebenslanges Katzenfuttersponsoring?
Mitnichten. Aber Siegfried hat in seinem Artikel einmal den Versuch unternommen, Blogger nach Funktionen einzuordnen. Daraus wird dann: Gastgeber, Kommentator, Netzwerker, Multiplikator, Journalist.

Ich verweise bei meinen „Nico erklärt allen das Bloggen, die nicht bei 3 auf dem Baum sind“-Touren durch die Republik immer gerne auf die noch kleine Größe der Blogosphäre, das nachhaltige Wachstum und die angenehme Vernetzung, die Blogger zu Multiplikatoren macht. Das wird zunehmend öfter verstanden, was sicherlich nicht nur an meinem Einsatz von wilden Keynote-Effekten liegen mag.

Von Blogfieber würde ich nicht sprechen, aber einen guten nachhaltigen Trend sehe ich schon. Das mag manchen nicht reichen, die lieber einen ordentlichen Hype mit Blase und so wollen, damit sie ihre Unternehmungen bald zu Geld machen können. Ich finde es aber wichtig, eine solide Basis zu haben, damit sich etwas Ordentliches entwickelt. Zahlen alleine machen keine lesenswerte Blogosphäre aus, sondern engagierte Schreiberlinge, die auch etwas mitzuteilen haben.

Blogs rücken immer mehr in den Fokus (ein tolles Wortspiel mitsamt Link wäre hier möglich gewesen), das mag für viele den Verlust des unbeirrten Spielens im Sandkasten mit sich bringen, vielen wird es aber die Möglichkeit eröffnen, sich mitzuteilen und gelesen zu werden. Blogs sind ein Konversations-Tool. Daher werden Blogs zunehmend interessanter, sei es für Verlage, Portale oder Werbetreibende.

Blogs werden aber vor allem für immer mehr Leser interessant, und das finde ich bei allem Fieberwahn am spannendsten.

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4 Antworten auf „Blogfieberausbruchsversuche“

  1. Spannend find eich das auch (logo), aber ich befürchte den Verlust des Sandkastens überhaupt nicht. Du und ich sind doch dafür ohnehin viel zu alt, aber nehmen wir deshalb jemandem die Schippe weg? Mitnichten. Wir drücken sie ihnen sogar in die Hand. Du/ihr mit blogg.de, ich/wir mit Sprblck.

  2. Ich merk schon, ich vergess bei meinen Überschriften immer die Zeichensetzung. Ich glaube ich kaufe eine Fragezeichen.

    Sandkasten gehört aber mehr zu Wiki’s

    Das find ich ja das schöne an Blogs, dass man mit ein paar Hinweisen, inzwischen die Leute zum Bloggen bringen kann und die plötzlich merken, dass sie – wie Du oben auch geschrieben hast – plötzlich ein Kommunikationsinstrument in Händen halten, das sie so erstmal gar nicht erwartet hätte. Vorallem, wenn sich rausstellt, dass da tatsächlich Leute sind, die mitlesen und kommentieren.

    Soll auch manchem Journalisten plötzlich so gegangen sein – hab ich mal gehört.

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