Ich habe mal mit Oskar Lafontaine zusammengesessen und Schnittchen gemampft, bei einem Pressegespräch Mitte der 80er Jahre nach einem Wahlkampf-Auftritt in einem piefigen Hotel in Ratzeburg. Mit meinen 13 Jahren war ich nicht nur an den Schnittchen, sondern auch an der Politik interessiert und “der Oskar” hatte schon etwas mitreissendes. Seit diesem Abend war Lafontaine auf meinem Radar, auch wenn ich sicherlich nicht auf seinem war, und ich war oft beeindruckt, wie sehr er Menschen mitreissen kann mit seinen Reden. Selbst wenn ein “Glück auf!” im Norden immer etwas seltsam wirkt, die Zuhörer waren begeistert. 1990 war Oskar Lafontaine relativ ehrlich was die Einschätzung der Lage in Ostdeutschland anging, was ihm allerdings nicht wirklich viel Wertschätzung entgegenbrachte. Ich war damals verwundert, wie viele Leute doch den Versprechungen Kohls und der Finanzierung aus der Portokasse Glauben schenkten.
Der Mannheimer Parteitag und die Wahl Oskar Lafontaines zum Parteichef fand ich einen guten und richtigen Schritt, weil die Partei nach der Mitgliederbefragung zwar einen Vorsitzenden hatte, aber irgendwie die Luft raus war.
Von da an ging’s bergab.
In meinen Augen hat Oskar Lafontaine Mitte der 90er Jahre seinen Zenith erreicht und ab dann nur noch Gedanken der vergangenen Jahre aufgewärmt und darauf verwiesen, dass er mal Recht gehabt hatte. Sein Auftritt als Finanzminister und der plötzliche Abgang zeigten dann deutlich, wie sehr Lafontaine Probleme mit seinem Ego hat. Oskar Lafontaine hat sich seit den 80er Jahren politisch nicht mehr weiterentwickelt, ich schon. Mittlerweile ist mir seine Rhetorik zuwider und das verkürzte Darstellen von Themen mag zwar TV-tauglich sein, hat aber mit der Realität kaum noch etwas zu tun.
Nun also will Oskar Lafontaine mit dem Salon-PDSler Gysi als Spitzenkandidat einer WASG-PDS auflaufen, um es Schröder und der SPD noch einmal richtig zu zeigen. Da haben sich zwei gefunden, die als Selbstdarsteller seit Jahren durch die TV-Talkshows tingeln, alles wissen, und das auch noch besser. Verantwortung wird eher abgelehnt, konkrete Umsetzung populistischer Sprüche ist aber auch nicht einfach und geht zu Lasten der Lebensqualität. Jetzt können sie wieder munter dagegen sein und sonstwas fordern, in der berechtigten Hoffnung, es in Zukunft nicht umsetzen zu müssen.
Diesen Politikstil finde ich fürchterlich. Politik hat etwas mit Glaubhaftigkeit und Verantwortung zu tun, Oskar Lafontaine und Gregor Gysi betreiben Ego-Befriedigung und Diven-Schaulaufen, mehr nicht. Politisch werden die beiden Deutschland nicht nach vorne bringen, aber die Sabinechristiansenierung der politischen Diskussion munter vorantreiben.
Oskar Lafontaine und ich werden wohl erstmal nicht mehr mit einander Schnittchen essen.
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