Gebloggte Restaurantkritik und ihre Rezeption

Nico —  1.07.2005

Mir kommt Bullying restauranteur: People should keep their blogs on paper ziemlich bekannt vor.

Ich hatte mal einen aufgebrachten Anrufer, der sich ziemlich darüber echauffierte, dass er nicht ganz oben stünde auf der Suche nach seinem Restaurant, sondern jemand anderes. Nämlich mein Blog. Noch dazu mit einem Foto, dass nicht zu seinem Restaurant passen würde. Wie ich das machen könne, das wäre unmöglich und würde zu Umsatzeinbußen führen. Ich solle das umgehend entfernen, oder es würde Ärger geben, er kenne den Geschäftsführer der Firma, bei der ich arbeite. Damit triggert man bei mir natürlich erstmal einiges, aber nicht umgehende freundliche Befassung mit dem Thema. Nach einiger Zeit habe ich dann mal festgestellt, was der Anrufer wollte und gemerkt, dass ich ein Moblog-Foto irgendwie überschrieben hatte. Also habe ich es durch das Original-Moblogfoto ersetzt und eine kurze Email geschrieben mit dem Hinweis, dass nun alles gut sei.

War es nicht. Wie ich auf die Idee käme, so ein Foto zu veröffentlichen, da sei ein Mülleimer drauf, das würde nicht zu dem Restaurant passen. Ein ziemlicher Redeschwall prasselte auf mich ein, und irgendwann beim Luftholen des Anrufers nutze ich die Gelegenheit und erwiderte:

„Das ist ein Weblog. Mein Weblog. Ich bestimme den Content. Ich mache die Fotos. Ich schreibe, wenn mir ein Restaurant gefällt, ich schreibe, wenn es mir nciht gefällt. Dieses Foto habe ich mit meinem Handy beim Essen gemacht, weil es mir in Ihrem Restaurant sehr gut gefallen hat, weswegen ich übrigens direkt nach der Rückkehr nach Hause einen sehr positiven Artikel über Ihr Restaurant geschrieben habe. Ich nehme nichts runter, ich ändere nichts, alles bleibt so.“

Stille. Gepaart mit Verwunderung. Der andere Artikel war nicht gelesen, was nachgeholt wurde. Dann wurde mir beim nächsten Besuch ein Schnaps auf Kosten des Hauses versprochen als Zeichen der Entschuldigung.

Ein paar Stunden später trudelten ein paar Restaurantbilder per Mail ein, falls ich nicht doch das Foto ersetzen wolle. Nein wolle ich nich. Akzeptiert.

Es geht auch anders, aber man muss viel erklären und irgendwann sollte auch zugehört werden.