Hassprediger und Pogromstimmung

Nico —  18.07.2005

In diesem Wahlkampf sollte es ja eigentlich um die großen Politikfelder wie Arbeitsmarkt, Steuern oder Gesundheit gehen, immer vor dem Hintergrund, wie man das Land wieder flott bekommen kann. Stattdessen beherrschen seit Wochen vor allem die Ewiggestrigen von PDS/WASG die bundesdeutsche Debatte. Der Ton wird rauher, erst wird Oskar Lafontaine als Hassprediger bezeichnet, was wieder zurückgenommen wurde, dann spricht Bodo Ramelow gegen Pogromstimmung.

Der PDS-Wahlkampfleiter Bodo Ramelow warf den etablierten Parteien erneut vor, eine Pogromstimmung gegen die erstarkende Linke entfachen zu wollen. Offenbar gebe es große Furcht vor dem, was sich im linken Parteienspektrum Bahn breche. [sueddeutsche.de]

Eine gewisse Furcht sehe ich auch. Furcht, dass jetzt die Leute aus der 3. Reihe kommen, die bei der SPD nichts geworden sind oder bei der PDS ihr Dasein fristen mussten. Furcht, dass jetzt alte Stories neu aufgewärmt werden und die Wähler an dieser verklärten Sicht der Dinge viel gefallen finden. Weil es einfacher ist. Wenn man eh jegliche Regierungsverantwortung ablehnt, dann muß man sich um die Finanzierung seiner Ideen auch keine Gedanken machen. Dann reicht es, den Wähler zu erzählen, dass eigentlich genug Geld da sei, man muß es nur anders ausgeben. Schon leben wir alle im Schlaraffenland, haben Arbeit und viel Freizeit.

Dieses Schaulaufen der Ewiggestrigen widert mich an, es bringt das Land nicht voran. Es bringt nichts neues, nur alte Kamellen aus der guten alten Zeit, die nur im Rückblick als eben diese wahrgenommen wird.

Bei einem Wählerpotential im Osten von 30% kann man nicht von Rattenfängern sprechen, aber man sollte mal einen Blick darauf werfen, was diesen Wählern widerfahren wird. Sie werden nach Strich und Faden verarscht werden, damit die beiden Oberpopulisten Gysi und Lafontaine sich im Scheinwerferlicht sonnen können. Nach der Wahl wird die Enttäuschung im Osten noch größer sein als jetzt schon.

11 responses to Hassprediger und Pogromstimmung

  1. Karsten Engel 18.07.2005 at 16:13

    Wer gehört hier eigentlich zu den Ewiggestrigen.

  2. Gysi, Lafontaine, Bisky und Konsorten, habe ich doch geschrieben. Aber gut, wenn das nicht klar war, dann kann ich das natürlich gerne noch einmal im Kommentar verdeutlichen.

  3. Ich merke noch einiges, Danke der Nachfrage.

    Ich merke vor allem, dass seitens der sog. Linken hier populistisch gearbeitet wird, es werden Vorurteile gegen ausländische Arbeitnehmer geschürt und einfachste „Lösungen“ präsentiert. Wenn das nicht die Muster von Ewiggestrigen und Populisten sind, was dann?

    Sich auf Seiten der PDS/WASG über die berechtigtigte Kritik an diesem Vorgehen aufzuregen und von einer Pogrommstimmung zu faseln, das passt ins Programm.

  4. Es zeugt nicht gerade von intensiver Auseinandersetzung mit der Materie, wenn man sich unkritisch der neoliberalen Demagogie bedient, so wie es in diesem Blogeintrag geschehen ist. Ein schwaches Bild Herr Lumma.
    Ich sehe hier keine echten Argumente, die gegen das Linksbündnis sprechen. Das dieses neue Linksbündnis den Neoliberalen nicht schmeckt, ist natürlich klar.

  5. Naja, jedes Land bekommt die Regierung, die es wählt und somit verdient!! Und dass viele Mitbürger im Osten gerne mal so einfach glauben, was ihnen da einer sagt, sprich…mit Verlaub… oft reacht naiv an gewissen Dinge ran gehen…weil es nämlich das ist, was sie eigentlich hören wollen und ihre Welt dann viel einfacher wird, das ist ja nun nicht neu…. (siehe Kohl nach der Maueröffnung). Das gelbe vom Ei versprechen kann jeder, man muss es nur glaubhaft rüber bringen. Letztlich schneiden sie sich ins eigene Fleisch… Ich glaube, das nennt man Evolution…. Ist natürlich nur schade für alle anderen… ;-), aber die werden so oder so auch überleben, notfalls dann eben mal ne Zeit im Ausland.

    Ich reg mich darüber einfach nicht mehr auf…

  6. Arne, wenn du mitdiskutieren willst, dann hinterlass eine Email-Adresse, sonst werden alle weiteren Kommentare gelöscht.

  7. Die „sogenannten“ Linken befinden sich derzeit eher in der SPD, meinst du nicht?
    Aber lass es gut sein, Nico. Du möchtest Wahlkampf betreiben und auf die PDS/WASG einschlagen. Wohl auch deshalb, weil die Unterschiede zur eigentlichen Konkurrenz minimal sind.

  8. hmm, das ist immer eine Frage des Blickwinkels. Aus Sicht der FDP sind SPD und CDU/CSU sozialdemokratische Parteien, aus Sicht von PDS/WASG sind SPD, CDU/CSU und FDP neoliberale Parteien.

    Die Unterschiede zwischen SPD und CDU/CSU/FDP sind keineswegs minimal.

  9. Die Brandenburger SPD will den ehemaligen SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine nicht mehr als „Hassprediger“ bezeichnen. „Das war ein Fehler“, sagte Landesgeschäftsführer Klaus Ness in Potsdam. Dafür vergleicht in einem Interview mit Spiegel Online grüne…

  10. Was wirklich gefährlich ist, ist nicht das „Linksbündnis“, sondern die Fehleinschätzungen der Regierungspolitiker seit über den Daumen gepeilt 15, wenn nicht sogar mehr Jahren.

  11. Nico, der unter Anderem auf Lumma.de blogt und bekennenderweise (und natürlich mit gutem Recht) SPD-Wähler ist, schrieb vor einigen Tagen ebendort über den Populismus, mit dem die "Linkspartei" Wahlkampf mache. Soweit, sogut. Diese Meldungen be…