25. Juli 2005

Die linke Sau und das Dorf

Schon frühzeitig hat die angebliche Linkspartei verlautbaren lassen, dass sie nach der Wahl als eine Oppositionspartei weiterhin fröhlich Maximalforderungen aufstellen will. Eine Koalition mit der SPD und auch mit den Grünen wird ausgeschlossen. Dafür gibt es gute Gründe, dann muß man wenigstens keinerlei Verantwortung übernehmen und kann immer behaupten, dass nur die eigene Politik alles besser machen würde.

Derzeit passiert aber eine andere Sache. Jeder halbwegs begabte Journalist geht jetzt auf die Suche nach Mitgliedern von SPD und Grünen, damit einfach mal nachgehakt werden kann, ob nicht doch ein Bündnis nach der Wahl möglich wäre. Hier wird, wie so oft in Wahlkämpfen, ganz bewusst Stimmung gemacht. Da wird die 4. Reihe befragt, damit man dann verkünden kann: “Nach der Wahl ist eine Linksfront möglich!” da wird fröhlich auf Bündnisse in Ländern hingewiesen, da wird die frühere Ablehnung der Grünen durch die SPD und das spätere Zusammengehen mit der aktuellen Situation verglichen, da wird einfach mal suggeriert, dass das Wort eines SPD-Politikers eh nichts gilt.

Es wird nach der Wahl nur 3 Konstellationen geben: rot-grün, schwarz-gelb oder eine Große Koalition. Da lohnt auch alles Herbeischreiben anderer Farbgebungen nichts. Es wird hier nur wieder mal versucht, stimmung gegen rot-grün zu machen. Plump, aber durch die massive Diskussion auch effektiv. Mich kotzt es an, wie hier viele Journalisten sich nicht zu schade sind, sich vor den Anti-Linksfront-Karren von schwarz-gelb spannen zu lassen und ein Szenario herbeischreiben, das überhaupt nicht zur Debatte steht. Aber das kennt man leider nicht anders in Deutschland vor den Wahlen. Da wird das Schreckgespenst einer fiesen linken Sau durch das Dorf getrieben, obwohl die Realität von rot-grün ganz anders aussieht.

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Leider kann ich nicht in die Zukunft blicken. Ich kann mir lediglich die aktuellen Umfragewerte ansehen und daraus Szenarien ableiten. Als Schru00c3u00b6der nach der Landtagswahl in NRW seinen indirekten Ru00c3u00bccktritt bekanntgab, sah es so aus, als wu00c3u00bcrde die CDU/CSU e...

Kann mir eine Koalition aus SPD und Linkspartei auch nicht vorstellen. Erstens wu00c3u00bcrde Schru00c3u00b6der niemals mit Lafontaine koalieren, zweitens wu00c3u00bcrden resultierende inhaltliche und damit innerparteiliche Konflikte die SPD vollends zersu00c3u00a4gen und drittens ist fu00c3u00bcr die Mehrheit im Westen des Landes (anders als im Osten) ein Bu00c3u00bcndnis mit der PDS unvorstellbar.

@tobi:

Neben einigen grossen Unterschieden im Parteiprogramm vor allem desshalb, weil die WASG (OK, die steht bei der kommmenden Bundestagswahl nur auf der Liste der Linkspartei/PDS aber trotzdem) unter Anderem deswegen gegru00c3u00bcndet worden ist, weil einige (bzw. eigentlich viele) Leute meinten, dass es eine Alternative zu den etablierten Parteien geben muss. Deswegen nicht. Zumindest nicht wu00c3u00bcnschenswert.
@all:
diese Geschichte mit der SED-Nachfolgerpartei ist u00c3u00bcbrigens mitlerweile hinreichend bekannt und ausserdem langsam aber sicher Geschichte, nennen wir die Partei doch beim Namen. ;)
Ist ausserdem nicht sonderlich objektiv, ich nenne die SPD ja auch nicht die Kosovokrieg-beteiligte Partei ;)
Womit ich natu00c3u00bcrlich nicht sagen mu00c3u00b6chte, dass die dortigen Geschehnisse damals gut waren.

wenn lafontaine nicht wu00c3u00a4r, wu00c3u00bcrd ich dieses szenario gut fu00c3u00bcr mu00c3u00b6glich halten. aber da der gute oskar ja in der spd ziemlich verhasst ist, halte ich das auch eher fu00c3u00bcr humbug. aber prinzipiell, warum eigentlich nicht? wenn es auf landesebene doch schon lu00c3u00a4uft, warum dann nicht auch auf bundesebene?

ich bin zwar nicht immer Deiner Meinung, aber Deine u00c3u0084uu00c3u009ferung zu den Journalisten, die sich vor den Anti-Linksfront-Karren spannen lassen, stimmt. Aus meiner Sicht ist es schon sehr bedenklich, wie wir durch die grou00c3u009fen Medien manipuliert werden ku00c3u00b6nnten (ich will es lieber etwas einschru00c3u00a4nken).
Als ich Jung war da habe ich gelernt, man sollte in solchen Situationen immer fragen: Wem nu00c3u00bctzt es. Sicherlich nicht der linken Sau und auch nicht dem Dorf.

Frau Skarpelis-Sperk, die sich laut Spiegel Online auch nicht abgeneigt gegenu00c3u00bcber einer solchen Koalition geu00c3u00a4uu00c3u009fert hat, war bis 2003 Mitglied des Parteivorstands der SPD. Noch jemand aus der 4. Reihe?

Hier sollte man Realist sein, die SPD wird sicherlich nicht vor einer Koalition mit der SED Nachfolgeorganisation zuru00c3u00bcckschrecken. Vor 14 Jahren hat die SPD ausgeschlossen auf Landesebene mit der SED Nachfolgeorganisation zu Koalieren, als es dann soweit war wollte man nichts davon wissen. Aber das waren sicherlich die Hinterbu00c3u00a4nkler aus der 4. Reihe, die hier zur Koalition gefu00c3u00bchrt haben, genau.

Viele Gru00c3u00bcu00c3u009fe
Patrick

stimmt, ottmar schreiner habe ich versucht, zu ignorieren. als alter kumpel von oskar ist bei schreiner eh klar, was er will.

4. Reihe? Ottmar Schreiner ist immerhin Spitzenkandidat der Landesliste im Saarland und Bundesvorsitzender der mu00c3u00a4chtigsten Arbeitsgemeinschaft der SPD, der fu00c3u00bcr Arbeitnehmerfragen.