Die linke Sau und das Dorf

Schon frühzeitig hat die angebliche Linkspartei verlautbaren lassen, dass sie nach der Wahl als eine Oppositionspartei weiterhin fröhlich Maximalforderungen aufstellen will. Eine Koalition mit der SPD und auch mit den Grünen wird ausgeschlossen. Dafür gibt es gute Gründe, dann muß man wenigstens keinerlei Verantwortung übernehmen und kann immer behaupten, dass nur die eigene Politik alles besser machen würde.

Derzeit passiert aber eine andere Sache. Jeder halbwegs begabte Journalist geht jetzt auf die Suche nach Mitgliedern von SPD und Grünen, damit einfach mal nachgehakt werden kann, ob nicht doch ein Bündnis nach der Wahl möglich wäre. Hier wird, wie so oft in Wahlkämpfen, ganz bewusst Stimmung gemacht. Da wird die 4. Reihe befragt, damit man dann verkünden kann: „Nach der Wahl ist eine Linksfront möglich!“ da wird fröhlich auf Bündnisse in Ländern hingewiesen, da wird die frühere Ablehnung der Grünen durch die SPD und das spätere Zusammengehen mit der aktuellen Situation verglichen, da wird einfach mal suggeriert, dass das Wort eines SPD-Politikers eh nichts gilt.

Es wird nach der Wahl nur 3 Konstellationen geben: rot-grün, schwarz-gelb oder eine Große Koalition. Da lohnt auch alles Herbeischreiben anderer Farbgebungen nichts. Es wird hier nur wieder mal versucht, stimmung gegen rot-grün zu machen. Plump, aber durch die massive Diskussion auch effektiv. Mich kotzt es an, wie hier viele Journalisten sich nicht zu schade sind, sich vor den Anti-Linksfront-Karren von schwarz-gelb spannen zu lassen und ein Szenario herbeischreiben, das überhaupt nicht zur Debatte steht. Aber das kennt man leider nicht anders in Deutschland vor den Wahlen. Da wird das Schreckgespenst einer fiesen linken Sau durch das Dorf getrieben, obwohl die Realität von rot-grün ganz anders aussieht.

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8 Antworten auf „Die linke Sau und das Dorf“

  1. 4. Reihe? Ottmar Schreiner ist immerhin Spitzenkandidat der Landesliste im Saarland und Bundesvorsitzender der mächtigsten Arbeitsgemeinschaft der SPD, der für Arbeitnehmerfragen.

  2. stimmt, ottmar schreiner habe ich versucht, zu ignorieren. als alter kumpel von oskar ist bei schreiner eh klar, was er will.

  3. Frau Skarpelis-Sperk, die sich laut Spiegel Online auch nicht abgeneigt gegenüber einer solchen Koalition geäußert hat, war bis 2003 Mitglied des Parteivorstands der SPD. Noch jemand aus der 4. Reihe?

    Hier sollte man Realist sein, die SPD wird sicherlich nicht vor einer Koalition mit der SED Nachfolgeorganisation zurückschrecken. Vor 14 Jahren hat die SPD ausgeschlossen auf Landesebene mit der SED Nachfolgeorganisation zu Koalieren, als es dann soweit war wollte man nichts davon wissen. Aber das waren sicherlich die Hinterbänkler aus der 4. Reihe, die hier zur Koalition geführt haben, genau.

    Viele Grüße
    Patrick

  4. ich bin zwar nicht immer Deiner Meinung, aber Deine Äußerung zu den Journalisten, die sich vor den Anti-Linksfront-Karren spannen lassen, stimmt. Aus meiner Sicht ist es schon sehr bedenklich, wie wir durch die großen Medien manipuliert werden könnten (ich will es lieber etwas einschränken).
    Als ich Jung war da habe ich gelernt, man sollte in solchen Situationen immer fragen: Wem nützt es. Sicherlich nicht der linken Sau und auch nicht dem Dorf.

  5. wenn lafontaine nicht wär, würd ich dieses szenario gut für möglich halten. aber da der gute oskar ja in der spd ziemlich verhasst ist, halte ich das auch eher für humbug. aber prinzipiell, warum eigentlich nicht? wenn es auf landesebene doch schon läuft, warum dann nicht auch auf bundesebene?

  6. @tobi:

    Neben einigen grossen Unterschieden im Parteiprogramm vor allem desshalb, weil die WASG (OK, die steht bei der kommmenden Bundestagswahl nur auf der Liste der Linkspartei/PDS aber trotzdem) unter Anderem deswegen gegründet worden ist, weil einige (bzw. eigentlich viele) Leute meinten, dass es eine Alternative zu den etablierten Parteien geben muss. Deswegen nicht. Zumindest nicht wünschenswert.
    @all:
    diese Geschichte mit der SED-Nachfolgerpartei ist übrigens mitlerweile hinreichend bekannt und ausserdem langsam aber sicher Geschichte, nennen wir die Partei doch beim Namen. ;)
    Ist ausserdem nicht sonderlich objektiv, ich nenne die SPD ja auch nicht die Kosovokrieg-beteiligte Partei ;)
    Womit ich natürlich nicht sagen möchte, dass die dortigen Geschehnisse damals gut waren.

  7. Kann mir eine Koalition aus SPD und Linkspartei auch nicht vorstellen. Erstens würde Schröder niemals mit Lafontaine koalieren, zweitens würden resultierende inhaltliche und damit innerparteiliche Konflikte die SPD vollends zersägen und drittens ist für die Mehrheit im Westen des Landes (anders als im Osten) ein Bündnis mit der PDS unvorstellbar.

  8. Leider kann ich nicht in die Zukunft blicken. Ich kann mir lediglich die aktuellen Umfragewerte ansehen und daraus Szenarien ableiten. Als Schröder nach der Landtagswahl in NRW seinen indirekten Rücktritt bekanntgab, sah es so aus, als würde die CDU/CSU e…

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