Nur echt wichtig mit Hand vorm Mund

Nico —  27.07.2005

Heute abend beim Warten auf den Flieger zurück nach Hamburg, konnten Fabian und ich ein interessantes Naturschauspiel beobachten. Während wir die Wartezeit mit einem Kölsch überbrückten, war der Sitzplatzinhaber neben mir noch mit Wichtigsein beschäftigt. Er telefonierte.

Gut, das kann ich auch, aber so richtig Eindruck konnte ich da bislang nicht schinden, egal ob mit einer Bluetooth-Freisprecheinrichtung, einem Blackberry oder einfach so mit einem Handy, irgendwas fehlte immer bei meinem Auftritt. Seit heute weiss ich, was ich verbessern muss. Zum einen sollte ich nicht sitzen, sondern ein wenig auf und ab gehen, dabei aber auch immer mal wieder die Unterlagen konsultieren, oder das Laptop aufklappen und wilde Excel-Sheets rauf und runter scrollen.

Viel besser ist es aber, beim Telefonieren die freie Hand vor den Mund zu halten. Schliesslich hat man ja streng geheime Sachen zu erzählen und der unfreundliche Agent auf der anderen Seite der Wartehalle soll auf keinen Fall brisante Informationen wie das Datum des nächsten gemeinsamen Fernsehabends mitbekommen, indem er von den Lippen abliest. Wenn man dabei noch wichtig guckt, dann hat man eigentlich alles erreicht.

Wir haben es jedenfalls genossen, dem Handvormmundtelefonierer bei der Verrichtung seiner Aufgaben zuschauen zu dürfen.

7 responses to Nur echt wichtig mit Hand vorm Mund

  1. Bist Du wirklich sicher, dass es darum geht, nicht von den Lippen ablesen zu koennen? Ich habe das schon des oefteren beobachtet, und ja, vornehmlich an Flughaefen. Und immer habe ich mich gefragt, warum die das machen? Das mit den Lippen ablesen hatte ich auch im Kopf, aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass Leute so stumpf/paranoid sind, und wirklich glauben, dass es wildfremde Leute gibt, die sich die Muehe machen, ihnen von den Lippen abzulesen. Und wenn, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass solches Verhalten invers mit der tatsaechlichen Wichtigkeit der Person korreliert…

    Andere überzeugende Erklärungen sind mir aber auch noch nicht eingefallen, wie z.B. seine Mitmenschen vor dem eigenen Sprechlärm, oder vor den eigenen Bakterien schützen… Alles nicht wirklich ueberzeugend.

    Strange!

  2. Und warum sollte nicht der Versuch schlichter Rücksichtnahme dahinterstecken? Im umgekehrten Fall können sich Handytelefonierer doch des Spotts der Beobachter ebenso sicher sein, wenn sie möglichst dröhnend und extrovertiert die ganze Umgebung an ihrer Unterhaltung teilhaben lassen.
    Auch wenn die sonstigen Schilderungen (Auf-und-ab-Gehen, Laptop-Nutzung) jetzt im konkreten Fall vielleicht nicht auf eine schüchterne Natur schließen lassen.

  3. weil der typ dadurch nicht wirklich leiser war…

  4. Ich fand, dass es schon *ziemlich* dämlich aussah. Wenn er nur auf die übrigen Wartenden Rücksicht nehmen wollte, hätte er problemlos in eine der hinteren Ecken gehen können. Es ist vermutlich eine weitere Steigerung des Egos gewesen: „Seht her, ich bin wichtig und muss dringend telefonieren, UND ich bin so geschickt, euch Wartende damit nicht zu belästigen!“ Letzteres galt allerding lediglich für die akustische Ebene, den in der Mitte der Wartenden auf und ab zu gehen mit der Hand vor Mund und Handy… siehe Eingangssatz.

  5. Eventuell hat er nur versucht, die Geräuschkulisse für den angerufenen zu minimieren. Wenn ich draussen telefoniere und es windet zB sehr halte ich auch mal die Hand vors Handy ..

  6. nö. nur wenn man dabei so sehr einen auf wichtig macht :)

  7. Peter Fisch 28.07.2005 at 15:31

    Genau! Ohne Foto glaub‘ ich kein Wort!