Lehrlinge sind Großverdiener

Der Wahlkampf hat gerade erst mit ein paar Jubelveranstaltungen begonnen, da beginnt der DIHK damit, seine Forderungen zu konkretisieren:

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, will das Gehalt für Lehrlinge kürzen. „Mein Vorschlag ist, eine bundesweite Basisvergütung von 270 Euro einzuführen“, sagte er der Zeitung „Die Welt“. Er rechtfertigte seinen Vorstoß damit, dass so mehr Lehrstellen finanziert werden könnten. „Eine Ausbildungsvergütung von bis zu 800 Euro ist für viele Betriebe einfach zu hoch.“[tagesschau.de]

Das verwundert mich etwas. Wieso Halbierung auf 270 EUR? Lieber DIHK, wie wäre es, wenn die Azubis noch Geld mitbringen und für ihre Ausbildung bezahlen? Dann bleibt letztendlich mehr Geld über für Verbandsarbeit. Mit 270 EUR kommt man als Azubi so richtig weit, damit kann nur Azubi werden, wer bei seinen Eltern wohnt, keine Ansprüche hat und dennoch ein nettes Taschengeld bekommt. Alles andere ist nicht drin. Der DIHK zeigt, wie weltfremd und anmassend die Verbandsfunktionäre mittlerweile geworden sind.

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10 Antworten auf „Lehrlinge sind Großverdiener“

  1. Genau die richtige Forderung Azubis noch weniger verdienen lassen, die machen sich ja sowieso schon so richtig satt mit ihren fetten Vergütungen. Dazu dann noch die Zeit in der Berufsschule und die ganze Zeit in der sie nur die anderen Arbeitnehmer von der Arbeit abhalten. Bisher hatte ich gedacht die Ausbildung und die vernünfitige bezahlung der Azubis wäre eine Grundaäule des dualen deutschen Ausbildungssystems, aber da muss ich wohl was falsch verstanden haben. Herr Braun hat wol jeden Bezug zur Realität verloren!

  2. Na super,
    Azubis, die Sklaven des 21. JH

    Und ich dachte schon als Zivi würde man wenig bekommen,
    dabei bekomme ich zur Zeit fast 450?, steuerfrei und inkl. Krankenversicherung.

    Naja, ich glaube nicht, dass so Probleme gelöst werden. Das wird nur dazu führen, dass viele Azubis eingestellt werden, die die ganze Drecksarbeit machen dürfen und dabei nichts lernen.
    Was nichts kostet ist nichts wert.

    Andererseits könnte es die Studentenzahlen erhöhen. Wenn man als Azubi nichts verdient kann man genausogut studieren, und damit würde sich die IHK ihr eigenes Grab schaufeln.

  3. Die Wirtschaft hat es doch schon geschafft Praktikanten zu den Zivis der Wirtschaft zu machen. Ich kennen Studenten die Arbeiten als Praktikanten 7-9 Stunden am Tag und freuen sich hinter wenn es eine warme Suppe gibt! Praktikanten und Azubis erledigen teilweise die Arbeit von echten Vollzeitstellen, da dürfen wir uns nicht wundern wenn die normalen Arbeitskräfte bei der BA auf der Payroll stehen, anstatt bei Firma XY.
    Das müsste unterbunden werden.

  4. naja, wie willst du das unterbinden? so lange der Arbeitsmarkt so ist, wie er sich gerade präsentiert, versucht jeder nach einem strohhalm zu greifen, um in einen job rutschen zu können. das ist oft das unterbzahlte praktikum.

  5. zugegeben, ich habe nie die Mühle des Azubidaseins mitgemacht, aber ich sehe sie täglich in unserer Firma. Sie arbeiten 8h, erledigen ab ca. 2. Lehrjahr durchaus Arbeiten einer vollwertigen Stelle, haben oft einen nicht unerheblichen Anfahrtsweg. Sollen sich dem Umfeld gemäss adäquat kleiden und und…
    Für die meisten wäre mit 270,- gerade die Kosten für Anfahrt zu Arbeitsstelle, Berufsstelle und täglicher Verpflegung gedeckt. Übrig bleibt da nichts. Nicht ein Cent. L. Braun gehört einfach nur zu der Kategorie der fetten und zufriedenen Unternehmerkaste die wie alle ihrer Art den Fortschritt und den Aufschwung ausschliesslich über die Übervorteilung der Unterschichten realisiert sieht. Ein Azubi gehört schlicht und einfach zu den sozial schwächsten Schichten dazu.

  6. Ich kann mich der Meinung des Verfassers sowie dem Tenor der vorherigen Kommentare nicht anschliessen. Ich war selber Azubi und habe weder in Armut gelebt, noch ein sonderlich bescheidenes Dasein führen müssen. Mein Anfahrtsweg betrug 90 Minuten – insges. war ich also 3 Stunden pro Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Durch verbilligte Karten des ÖPNV war das gut zu regeln – das Argument der teuren Anfahrt zieht m.E. also nicht. Ich habe während der Ausbildung in einem kleinen Zimmer gewohnt, in der Kantine meines Arbeitgebers gegessen und nie das Gefühl gehabt, dass es mir schlecht ging. Ich hatte ausreichend Zeit, jedes Wochenende zusätzlich Geld zu verdienen, Geld, dass ich im Endeffekt für „Luxus“ wie Urlaube im Ausland, CDs und Elektronik ausgegeben habe. Hätte ich die Wahl zwischen Lehrstelle und keiner Lehrstelle würde ich auch für 50% meines Einkommens wieder eine Ausbildung machen. Es mag ultrakonservativ klingen aber Lehrjahre sind keine Herrenjahre – damit muss man sich abfinden. Es zahlt sich aus.

  7. 270,-? ?! Mensch, das ist ja herrlich, damit kann ich genau 3x volltanken :o) ! Dann reicht das Benzin sogar, um 3 von 4 Wochen zur Arbeit zu kommen.

    Klasse Vorschlag!

  8. ich bin momentan in der lehre und verdiene knapp 400 ?, davon muss ich 200 ? abgeben. Der öV kostet mich fast 900 ? im Jahr. Da ich das Essen auswärts zahlen kann, bleibt nicht mehr viel übrig. Und so ergehts sicher nicht nur mir. Nun rechnet mal nach und überlegt euch ob man hier noch gross sparen kann!!! Nicht alle denken so materialistisch und kümmern sich um handy usw. Ich leiste mir auch keine Markenklamotten, zwar aus Prinzip nicht, aber es wird hier so dargestellt als ob alle Lehrlinge oberflächliche faule Monster wären. Ich bitte euch!!!

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