Kaum Interesse am TV-Duell?

Nico —  2.08.2005

In den USA gehören TV-Duelle seit Jahrzehnten zu einer festen Einrichtung im Wahlkampf und auch in Deutschland wurden bislang gute Erfahrungen gemacht (jeweils 15 mio Zuschauer im letzten Wahlkampf), nun hat aber eine Umfrage etwas anderes ergeben:

Das Interesse der Bürger an Streitgesprächen der Spitzenkandidaten im Fernsehen ist nicht besonders groß. 47,6 Prozent sind gar nicht an solchen Fernseh-Duellen interessiert. Das ergab eine repräsentative Omniquest-Umfrage für den „Kölner Stadt-Anzeiger“(Dienstagsausgabe). 29,7 Prozent sagten, sie wünschten sich ein TV-Duell, 20 Prozent wollten gerne zwei davon sehen. 87, 2 Prozent gaben an, ihre Wahlentscheidung werde durch ein Duell im Fernsehen „nicht beeinflusst“.[via: KSTA.DE]

Die Umfrage wirkt wie von Angela „ich habe keine Zeit für sowas“ Merkel bestellt. Die konkreten Fragen würden mich schon interessieren, denn im letzten Wahlkampf war die Zuschauer-Resonanz durchaus da.

Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass jemand kein Interesse hat, 15 mio Zuschauer zu erreichen. Da muß die Angst vor dem eigenen Unvermögen vor der Kamera groß sein, gepaart mit einem kohlschen Medienverständnis.

4 responses to Kaum Interesse am TV-Duell?

  1. „Keine Zeit“ – wie lächerlich! Für ’ne spontane Stunde alleine bei Christiansen oder Schleimbolzen Kerner würde Merkel wahrscheinlich alles stehn und liegen lassen. Aber Schröder hat ihr ja schon die richtige Antwort gegeben: Soll sie doch den Edmund schicken, wenn sie sich nicht traut.

  2. Klingt eigentlich ganz logisch…
    Fragt man in den Umfragen nach Parteien hat die Union ne riesen zustimmung… Gehts aber um Personen ist Madame Merkel ein ziemlich kleines Licht!
    Ich könnte mir gut vorstellen, dass durch ein TV-Duell die „Marke“ CDU ein wenig mehr mit dem Bild von Merkel als Kanzlerin verknüpft wird – was für die Union wohl eher weniger förderlich wäre…

  3. Objektiv betrachtet kann man Gerhard Schröder nicht als wirklichen Kanzlerkandidaten betrachten.

    Dies wird deutlich, wenn man sich die denkbaren Wahlausgänge anschaut.

    Reicht es für eine bürgerliche Mehrheit, wird er kein Kanzler.

    Kommt es zu einer großen Koalition, ist es nahezu ausgeschlossen, daß die SPD-Fraktion größer ist als die CDU/CSU-Fraktion. Der Kanzler wird aber von der größeren Fraktion gestellt.

    Reicht es für eine SPD-PDF-Grüne-Mehrheit, hat Gerhard Schröder ausgeschlossen, daß er sich zum Kanzler wählen läßt.

    Deshalb wäre es vernünftig, alle Parteien gerecht zu behandeln. Im Fernseh auftreten sollten dann entweder eine Runde der Parteivorsitzenden, also Müntefering – Merkel – Stoiber – Westerwelle – Bisky – Claudia Roth. Oder man stellt es den Parteien frei, durch wen sie sich im Fernsehen vertreten lassen.

  4. Huch, hat die SPD jemanden anders als kanzlerkandidaten aufgestellt? hab ich was verpasst?