Blogs, Wettpissen und die Werbedollars

Nico —  8.08.2005

Viele Blogger scheinen zu denken „wenn ich schon kein Geld mit dem Blogdings verdienen kann, dann will ich wenigstens etwas für mein Ego tun.“ und ballern neben kaum relevanter Werbung ihr Weblog auch einmal im Monat mit kaum relevanten Zahlen zu. Johnny und andere fragen darum nach einer übergreifenden Zählinstanz für alle in der Blogosphäre. Die PageImpressions sollen einheitlich gezählt und vergleichbar gemacht werden.

Jungs kennen das von früher als wichtiges Ritual bei der Mannwerdung: „wer kann am weitesten pissen?“ Später wird das durch „wer hat den Längsten?“, noch später durch „wer hat das schnellste Auto?“ oder „wer hat das größte Haus?“ abgelöst, quasi als Penisersatz. Irgendwo dazwischen ist die Vergleichbarkeit der Zugriffe von Weblogs anzusiedeln. Die Anzahl der PageImpressions und der Visits eines Weblogs sagt erst einmal herzlich wenig über die Relevanz des Weblogs aus. Dieser kann man sich annähern, wenn man die Anzahl der Visits mit der Anzahl der aktuellen Verlinkungen der Artikel in Relation setzt. Blogs haben einen Multiplikatoreffekt, wenn dieser ausbleibt, dann ist auch die Relevanz dahin, also bleiben die PageImpressions zwar interessant, aber bilden nur ein Teil der Reichweite eines Blogs ab.

Ein einheitlicher Blogzähldienst hat sicherlich einiges an Vorteilen, vor allem für den Anbieter dieses Dienstes. Ähnlich wie bei IVW Online kann man dann die Regeln vorgeben und alle halten sich mehr oder weniger dran, viele sind sehr kreativ beim Auslegen der Regeln. Herauskommt etwas offizöses, was Geld kostet, aber im Endeffekt wenig bringt. Ausser einen kruden Vergleich. Wenn die Zahlen offen für alle sind, also die viel gepriesene Transparenz stattfindet, dann wird jeder, der etwas auf sich und sein Blog hält oder halten muss, zusehen, dass die PIs steigen, egal wie. Das geht dann wieder zu Lasten der Vergleichbarkeit. Da fände ich ein anonymisiertes Verfahren angenehmer, weil der Druck auf den einzelnen Blog ausbleibt, des drohenden Gesichtverlusts wegen die PageImpressions nach oben zu schrauben. Im Reisebereich ist dieses Verfahren üblich, da laufen viele Buchungen über einen Anbieter und dieser zeigt dann wiederum eine Statistik an, die den Marktanteil und die aktuelle Position im Markt aufzeigt.

Zurück zu den PageImpressions. Diese stellen für an Werbung interessierte Blogs das Nonplusultra da. Meint man. Wieso eigentlich? Klar, die Werbetreibenden kennen TKP, CPC, CPO, CPx und alles wiederum liegt der Anzahl der PageImpressions zugrunde. Aber sie werden diesem Blog-Umfeld nicht gerecht. Mein Blog wird von vielen Multiplikatoren gelesen, es wird viel verlinkt, das sollte mehr Wert seine als eine schnöde vermarktbare PageImpression. Gucken wir uns doch einmal die Umsätze an, die derzeit auf Blogs generiert werden können. Wir haben Banner, Skyscraper, Google Adsense und Sponsorings/Content Integrations. Ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen. Ich erziele mittlerweile mit Google Adsense einen TKP, der über dem des gemeinen Fullbanners liegt. Aber es ist kein Vergleich mit Sponsoring oder einer Content Integration wie bei Blogg.de mit MSN Messenger. Es wird eher die Aufmerksamkeit des Umfeldes gemessen als der Click und die anschliessende Conversionrate. Sicher, Blognetzwerke wie Weblogs, Inc. machen viel Geld mit Google Adsense, aber für Deutschland gelten andere Regeln. Eine Regel, die momentan in Germanien gilt, ist die, dass Weblogs i.d.R. wenig vermarktbares Inventar haben, wenn man halbwegs richtig zählt und die ganzen Suchmaschinen-Spider und Spambots aus der Statistik kickt. Aber Weblogs haben einen Effekt, den wir alle ahnen, aber kaum messen können.

Eigentlich finde ich das sehr charmant. Sich in den Zeiten absoluten Transparenz und Messbarkeit hinzustellen und zu sagen: „Gib mir dein Geld, hier ist es sicher, und du profitierst irgendwie davon.“ Klar, für den direkten Abverkauf über Online-Shops ist das nichts, aber für gute Image-Kampagnen kann ich mir Blogs als Werbepartner zunehmend besser vorstellen. Wichtig ist, dass die Werbung als solche gekennzeichnet wird und der Inhalt des Blogs davon nicht beeinflusst bleibt.

Wir brauchen vielleicht vergleichbare Zahlen für alle, aber vor allem eine Akzeptanz bei den Werbetreibenden für andere Formate und Ideen. Wer kein Geld mit seinem Blog verdienen will, der kann sich aber auch die Statistik nehmen, bei der er am besten aussieht.

16 responses to Blogs, Wettpissen und die Werbedollars

  1. Es kann nicht allein um PIs gehen, schon klar. Relevanz lässt sich eh nicht messen, ansatzweise eben nur mit Trackbacks in Kombination mit PIs oder so.

    Natürlich teile ich deinen Wunsch nach charmanteren Lösungen, deren Ferne du aber sehr viel besser kennst, als ich.

    Wer war das nochmal, der mir gesagt hat „das kannste ohne eigenen Adserver alles vergessen“?

  2. das war ich. denn ein „richtiger“ adserver misst die AIs ordentlich, das ist beim Ausliefern des Grundrauschens, also von Bannern, durchaus wichtig, denn nichts ist nerviger als eine Diskussion um Zähldifferenz mit den Werbetreibenden.

  3. Nico hat mal wieder einen Text verfasst der mich sehr zum Nachdenken angeregt hat:

    Viele Blogger scheinen zu denken „wenn ich schon kein Geld mit dem Blogdings verdienen kann, dann will ich wenigstens etwas für mein Ego tun.“

    Irgendwie hat dies….

  4. Nico Lumma:
    Blogs, Wettpissen und die Werbedollars
    Bloggen in der Blase

    Amen. Ich arbeite lange genug mit Zahlenwerken, die erste Frage bezüglich…

  5. Es mag zutreffen, dass der Einfluss eines Blogs mit den üblichen Parametern schlecht zu messen ist. Klar, dass das für Werbetreibende wenig attraktiv ist. Das wiederum freut die vielen Internet-Nutzer, die auf Werbung verzichten möchten und gerade deshalb Blogs bevorzugen.

  6. Wer bloggt um Werbung zu verkaufen hat das, glaube ich, falsch verstanden. Ich blogge weil es mir Spass macht. Und ich freue mich über jeden einzelnen Leser den ich nicht persönlich kenne. Dass meine Freunde und Verwandten meine Sachen lesen sehe ich als Freundschaftsdienst, wenn ich mit denen kommunizieren will bevorzuge ich jedoch E-Mail. Wenn ich in ein oder zwei Jahren merke, dass ich hunderte oder gar tausende regelmäßige Leser habe, werde ich mir das mit der Werbung vielleicht nochmal überlegen. Wenn ich überhaupt so lange durchhalte. Mein Blog nehme ich eh erst ernst wenn es mindestens ein Jahr regelmäßig gefüllt wurde. Bis dahin aber ist das Schreiben und eventuell sich daraus ergebende Diskussionen der einzige Antrieb für mich.

  7. Multipliffektor 9.08.2005 at 15:22

    Ein einheitlicher Blogzähldienst würde erstmal nur auf einen vereinheitlichten Schwanzvergleich rauslaufen. Trotzdem wäre der Multiplikationseffekt nicht messbar.

  8. Werbekostverächter 9.08.2005 at 15:44

    >Wer kein Geld mit seinem Blog verdienen will, der kann sich aber auch die Statistik nehmen, bei der er am besten aussieht.

    Was für ein grosszügiges Angebot! Allerdings möchte ich kein Geld mit dem Blog verdienen UND habe an Schwanzvergleich kein Interesse. Werbung ist uncool, Schwanzvergleich ist Kinderkram.

  9. jeder wie er mag.

  10. > Werbung ist uncool, Schwanzvergleich ist Kinderkram.

    jeder wie er mag? dann mag herr lumma uncoolen kinderkram

  11. Werbung in Blogs stört mich meist nicht besonders. Jahrelange antrainierte selektive Wahrnehmung blendet sie eh meist aus. Das funktioniert gerade bei Goooooogle wegen der vielen ooooo ganz gut ;-)

  12. Darf ich mal nachfragen?:

    „Eine Regel, die momentan in Germanien gilt, ist die, dass Weblogs i.d.R. wenig vermarktbares Inventar haben […]“

    Was bedeutet das genau bzw. was wäre „vermarktbares Inventar“ in Weblogs?

  13. sorry für das fachchinesisch. vermarktbares inventar sind die mit werbung zu verzierenden seiten und die damit zu erzielende PageImpressions (PIs).

  14. merci für die schnelle Antwort

  15. da nich für

  16. Weblogs sind für die werbungtreibende Wirtschaft ein immer wichtiger werdendes Marketinginstrument. Nicht nur in Amerika auch in Deutschland wird die Bedeutung von Weblogs für Unternehmen immer wichtiger.

    Manfred Engeser hat in der Ausgabe 35 der Wirts…