Google Talk – kastriertes Jabber

Nico —  24.08.2005

Heute ist also Google Talk gestartet, ein Jabber-basiertes IM-Dienst. Ich bekomme Einladungen von anderen Leuten, die meinen, jetzt bräuchte ich einen GoogleTalk-Account, damit ich mit Ihnen per Jabber kommunizieren könne. Lässig wie ich bin, antworte ich mit: „alder, ich nutze schon seit Jahren Jabber, Du kannst mich unter nico@orangemedia.de anjabbern.“ Kurz danach kommt die Antwort: „Geht nicht.“

Toll. Heute vormittag im Meeting visioniere ich mal wieder vor mich hin, erzähle stolz, dass Jabber jetzt wirklich zum Durchbruch verholfen wurde, weil Google das jetzt nutzt und mittelfristig durch die Nutzung dieses offenen Systems die anderen IM-Systeme ebenfalls zu einer richtigen Öffnung zwingen wird.

Dann komme ich nach Hause und stelle fest, dass Google den Schuss nicht gehört hat und ein kastriertes Jabber auf den Markt gebracht hat, bei dem der Kern des Systems entfernt wurde. Das Coole bei Jabber ist, dass es ähnlich wie bei Email funktioniert, jeder kann im Prinzip seinen eigenen Jabber-Server haben, die Jabber User-ID zeigt ähnlich wie bei Email an, um welchen Server es geht. Fantastisch, und schön einfach. Und jeder kann jabbern mit wem er will. Google allerdings will lieber, dass sich alle nur bei Google registrieren. Genauso wie AOL, Yahoo und MSN Messenger.

Google is less evil? Das war mal.

6 responses to Google Talk – kastriertes Jabber

  1. LOL. Das erinnert mich an das alte Motto der Gaim-Entwickler. Anyway: Google selbst sagt ja, dass sie die Kommunikation mit den Nutzern anderer Dienste ermöglichen wollen. Momentan ist es ja noch Beta (ziemlich viel Beta bei Google zur Zeit …) und ich würde einen Dienst im Beta-Stadium auch erst mal in einer geschlossenen Umgebung testen. Oder kurz: Warten wir’s halt mal ab und schreien dann, wenn sich’s auch lohnt ;)

  2. Naja, angeblich wollen sie es mit der Zeit öffnen … Wir werden sehen.

    Aber verständlich ist der Schritt auch, an Stelle Googles würd ich auch lieber (erstmal?) auf meinen geschlossenen Nutzerkreis setzen; die Profile müssen ja vervollständigt werden ;-)

  3. herr lumma, selten stimme ich ihnen zu ;))) aber diesmal voll ins schwarze getroffen. bestimmt nutzen mittlerweile mehr leute googletalk als alle anderen jabber zusammen. ich glaube nicht, dass google sich öffnen wird. da wären sie ziemlich blöde. den man könnte ja wechseln und trotzdem würde es noch funktionieren.

    wenn sie es doch tun, dann feine sache. mich interessiert es jedenfalls nicht.

  4. Google Talk ist jetzt also endlich wahr. Google hat einen IM, der auf Jabber basiert aber anscheinend doch nicht mit Jabber geht. Obwohl Google hier die Offenheit der Anwendung anpreist. Für die Randgruppen-OS gehts auch erstmal gar nicht anders.
    F…

  5. Anonymous Coward 7.11.2005 at 7:29

    Hab zwar keine Ahnung was das hier für ein Blog ist aber trotzdem…:)

    @Stefan:
    Google wäre möglicherweise gar nicht so blöde wenn sie Google Talk öffnen täten da dies hilft mittelfristig die etablierten IM-System aus dem Rennen zu werfen, d.h auch das Potential vom MSN-Messenger (von Googles selbsternannten Hauptkonkurrenten Microsoft) zu schmälern. Je weniger Abhängigkeiten jedoch von diesen proprietären Programmen ausgehen desto eher sind die Google-User gewillt auf ein webbasiertes Google Betriebssystem umzusteigen.

  6. und wieso kommentierst du anonym?