Ich tauge nicht zum Eventbloggen, irgendwie interessiert mich alles zu sehr, als dass ich sofort alles tippen kann. Eigentlich wollte ich auch alles fein säuberlich auf der Rückfahrt im ICE zusammenfassen, aber auf der anderen Seite des Ganges sass ein netter Mensch von T-Systems, mit dem ich angeregt die 1:30 bis Hamburg verplaudert habe. Daher jetzt etwas später der Versuch der Zusammenfassung.
Ich muss lernen, Pressemeldungen besser zu lesen. Meine Alarmglocken hätten läuten sollen, als es hiess, es werde ein sachlicher Parteitag werden. Das wurde er auch. Aber der Reihe nach. Die Akkreditierung klappte ohne Probleme, danach stand ich eine gefühlte Ewigkeit in der Schlange vor der Security. Dann, eine Ewigkeit später, kam ich durch, und zwei Leute später wurden alle anderen einfach so durchgewunken, weil der Parteitag pünktlich starten sollte. Security by Obscurity. Naja, mir egal, das Konzept fand ich interessant.
Ich hatte einen Parteitag erwartet, der sich langsam steigern würde, von Unterstützern hin zu verdienten Genossen, dann Münte, dann Schröder, dann Jubel, dann mehr Jubel, dann noch mehr Jubel, dann gemeinsames Singen alter Lieder, dann laufen alle aufgeputscht naach Hause und gehen motiviert in die letzten 2 1/2 Wochen. Aber es sollte sachlich werden.
Das wurde es. Erst Unterstützer, wobei Eva Rühmkorff und Uwe Hück von allen Seiten Lob für die Reden und das Engagement bekamen, dann Tim Renner, bei dem sich die Livebloggerreihe pikiert ansah und Falten auf der Stirn bekam, danach ging es dann rund und der Kanzler redete. Und redete. Und redete. Er hatte mit vielen Punkten recht, aber es wirkte mir zu staatsmännisch. Danach Müntefering, der mir etwas lebendiger vorkam. Dann Kurt Beck, den ich ausblenden konnte, dann noch ein paar weitere Redner, dann Verabschiedung des Wahlaufrufes, dann Schlussworte von Schröder und Müntefering. Dann gemeinsames Singen alter Lieder mit einem Chor alter Männer mit Hüten mit Bommeldingens.
Es war ein guter Parteitag, ein sachlicher Parteitag, die Stimmung war gut, aber mir persönlich fehlte ein wenig der Wumms. Schröder hat die richtigen Themen angesprochen, er hat die Unterschiede zwischen der SPD und den anderen Parteien deutlich gemacht, er hat gezeigt, wofür er und die SPD stehen. Das ist wichtig. Die SPD hat gezeigt, dass sie eine breite Unterstützung von vielen bekannten Persönlichkeit erfährt, dass sie die treibende politische Kraft in Deutschland ist. Das Inhaltliche stand im Vordergrund, wo ich eigentlich mehr BlogBlood, Sweat and Tears erwartet hatte. Die Parteitagsdramaturgen und ich waren uns heute nicht einig.
Meine Wahlentscheidung steht fest, aber das tut sie seit ich wählen darf. Ich wähle SPD. Ich wähle SPD, weil ich trotz aller Kritik, die ich immer wieder habe, immer finde, dass hier die richtigen Themen auf den Tisch kommen. Ich wähle SPD, weil es meine Partei ist und weil ich will, dass meine Partei auch in Zukunft dieses Land lebenswerter macht.
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