privilegierter Zugang zur Öffentlichkeit

Nico —  12.12.2005

Heute morgen gab es auf WDR 5 das Tagesgespräch zum Thema „Sollen sich Künstler und Intellektuelle in die Tagespolitik einmischen?“ und wider Erwarten wurde es doch ziemlich interessant. Neben Anrufen unbescholtener Bürger war auch Johano Strasser zugeschaltet, den die älteren Semester noch als SPD-Vorzeige-Intellektuellen in der Erinnerung haben und der jetzt als PEN-Präsident fungiert. Strasser fand natürlich, dass früher die Einmischung durch Intellektuelle mehr stattfand, was mich nun auch nicht weiter verwunderte, schliesslich gehörte er früher selber zu den bekannten Intellektuellen, die sich einmischten.

Spannend wurde es allerdings, als Strasser davon sprach, dass Intellektuelle einen priviligierten Zugang zur Öffentlichkeit hätten und sich dadurch eine Verpflichtung ergebe, die Dinge anzusprechen, die sonst nicht thematisiert würden. Das lies mich schon mal aufhorchen. Strasser sprach sich dann gegen das grassierende Expertentum im politischen Diskurs aus und für mehr Generalisten, die auch mal auf die Kacke hauen würden, er drückte dies geschliffener mit „Möglichkeit zur unausgewogenen Diskussion“ aus, damit eine Schärfe in der Diskussion erreicht werden könne, die dann durch die Zuspitzung zu Ergebnissen führen könne. Strasser meinte dann noch, dass Demokratie nur dann funktionieren könne, wenn so etwas wie Laienkompetenz existieren würde.

So, nun kommt das, worauf alle warten: Blogs.

Ich will nun nicht sagen, dass Blogger die Intellektuellen von morgen sind, aber einen priviligierten Zugang gibt es durchaus. Unausgewogene Diskussionen können wir auch führen, Laienkompetenz besteht sowieso.

Ob Strasser schon mal von Weblogs gehört hat?

One response to privilegierter Zugang zur Öffentlichkeit

  1. Alles richtig. Das echte Privileg ist allerdings nicht die Möglichkeit zu publizieren, sondern es liegt darin, auch wahrgenommen zu werden.
    Man sollte das schon von der Wirkung her betrachten, sonst kommt man mit dem „Privileg“ ins Schleudern.