Einer meiner beiden Lieblingsdons muss mal wieder versuchen, etwas Stimmung in die Bude zu bringen und erklärt daher, warum in 2005 weder Literatenblogs noch Moblogs wirklich erfolgreich stattgefunden haben.
Ah. Von Literatur verstehe ich eh nix, jedenfalls suche ich nicht händeringend in Weblogs danach, wohl auch weil viele der aufbloggenden Pseudoliteraten einen Stil haben, der mich an meine eigenen kafkaesken Kurzgeschichtenversuche Ende Anfang der 90er erinnern, aber von Mobloggen verstehe ich etwas. Don Alphonsos Grundannahme ist falsch, nämlich zu glauben, dass die Mobilfunkbranche einen Schimmer hat, was ein Moblog ist. Für den gemeinen Mobilfunker an sich bedeutet ein Foto auf dem Handy immer MMS, was sich aufgrund des Preismodells nicht durchgesetzt hat.
Mobloggen hingegen, sei es nun per Email ins Blog (Blogg.de bietet da eine ganz wundersame Schnittstelle an, auch für andere Blogsysteme nutzbar ), per Lifeblog direkt über die ATOM-API oder mit Shozu über Flickr ins Blog, setzt sich über diese Sicht hinweg und bringt einigermassen preisgünstig die Fotos ins Web. Ich verstehe zwar von Fotografie noch weniger als von Literatur, aber ich sehe durchaus, dass Fotos etwas erzählen können. Ich weiss auch nicht, ob ein Randphänomen jetzt etwas Gutes oder etwas Schlechtes sein soll, aber ich sehe in Germanien endlich halbwegs erschwingliche Datenpakete kommen, sogar Datenflatrates und noch dazu Handy-Kameras mit 2 Megapixeln und einer Speicherkarte, was dann durchaus Mobloggen erträglich machen kann.
Insofern ist meine Betrachtung der Entwicklung in 2005 eine andere. Ich bekomme für meine appetlichen Ausflüge in die Food-Fotografie jedes Mal eine durchaus ansehnliche Anzahl Kommentare, grundsätzlich mehr als bei meinen raren länglichen Artikeln, die nach ein wenig Nachdenken irgendwie doch noch Zustande gekommen sind. Ich sehe auch an vielen Ecken der Blogosphäre immer mehr Fotos aufpoppen, viele davon gemobloggt. Ich sehe auch ein enormes Interesse an Videos, von dem aufgeregten Gemurmel über Podcasts mal ganz zu schweigen.
2005 hat gezeigt, dass Blogs mehr als nur Text als Inhalt haben können und dennoch funktionieren. Ob man selber das nachvollziehen kann oder will, ist wieder eine ganz andere Sache. Ich habe bislang nur sinnlose Sabbelpodcasts gehört und mache aufgrund der drohenden Textwüste einen Bogen um Literatenblogs, aber ich lese auch das Feuilleton nur in Ausnahmesituation, etwa wenn alles gelesen ist und es doch wieder etwas länger dauert, und Hörbücher sind mit mir absolut nicht kompatibel. Ich habe aber etliche Moblogs in meinem Feedreader, abgesehen von den Flickr-Feeds, die ich sehr nett finde.
Don Alphonso hat sicherlich damit recht, dass im deutschsprachigen Raum keine der Moblogging-Aktivitäten der Mobilfunker sonderlich erfolgreich waren, aber das liegt nicht an dem Medium, sondern an dem Schuss, den die Betreiber nicht gehört haben.
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