Fischer: Mein Hauptwohnsitz ist und bleibt Berlin!

Nico —  12.01.2006

Das ist so eine Sache, die ich an unserer parlamentarischen Demokratie immer sehr fragwürdig fand und finde. Politiker stellen sich in einem Wahlkreis zur Wahl, werden dann direkt gewählt oder kommen über die Landesliste in den Bundestag, so wie auch Joschka Fischer. Dann sollte man meinen, der Politiker kommt auch aus dem Bundesland, hat dort seinen Lebensschwerpunkt und setzt sich insbesondere für die Belange vor Ort ein. Weit gefehlt. Fischer wohnt in Berlin, war zwar lange Jahre in Frankfurt, aber stellt nun fest, dass sein Hauptwohnsitz Berlin sei. Warum ist er denn nicht für die Berliner Grünen im Parlament. Eben.

Fischer ist da kein Einzelfall, man denke an Hans-Ulrich Klose, der seit ewigen Zeiten für Hamburg-Harburg im Bundestag sitzt, aber eigentlich in Bonn und Berlin wohnt, oder Volker Rühe, der auch für Hamburg-Harburg im Bundestag sass, dann aber seinen Wohnsitz nach Schleswig-Holstein verlegte, um dort Ministerpräsident werden zu wollen, während er gleichzeitig Abgeordneter aus Harburg blieb, oder Otto Schily, der sicherlich äusserst selten in seinem bayerischen Wahlkreis zu finden war. Diese Liste lässt sich sicherlich noch gut erweitern.

Ich finde diese Praxis merkwürdig. Ich kann sie nachvollziehen, aber so ganz koscher finde ich es nicht, schliesslich wähle ich ja nicht einfach nur jemanden, damit er sich in Berlin eine nette Zeit machen kann, sondern auch, damit ich mich repräsentiert fühle.

7 responses to Fischer: Mein Hauptwohnsitz ist und bleibt Berlin!

  1. Die Vorstellung, das könne auch anders sein, ist ähnlich romantisch, wie sich zu wünschen, dass die Spitzenspieler des FC echte Kölsche Jungs zu sein haben.

  2. mit romantik werde ich eher selten in verbindung gebracht..

  3. Wie auch schon Nico schreibt, will Herr Fischer (der Ex-Außenminister) nicht auswandern, sondern wohnt weiterhin in Berlin. Ob er nicht besser in Frankfurt bleiben sollte, oder vielmehr dorthin zurückkehren, sei mal dahingestellt.

    Warum be…

  4. Was soll denn daran romantisch sein? Es ist wohl immer noch Normalität, daß die meisten Abgeordneten in ihrem Wahlkreis wohnen und dadurch einfach näher dran sind, egal wie abgehoben die einzelne Person sein mag.

    Ob das bei Bundesministern mit dem Arbeitsaufwand noch funktioniert, möchte ich aber bezweifeln. Extra blöd bei Fischer finde ich allerdings, daß er offenbar weder eine aussagekräftige Homepage mit aktuellen Aktivitäten noch überhaupt ein Abgeordnetenbüro in Hessen hat.

  5. Ist doch Sache des Wählers wen er nach Berlin wählt. Und wenn es ein afrikanischer Ziegehirte aus Hintertimbuktu ist.
    Der Wähler hat seinen Vertreter gewählt, dann soll der Wähler mit seiner Wahl auch leben. Wer nach der Wahl mit dem „Och, hab ich ja gar nicht gewusst“ kommt, den kann man nur antworten „Ja, warum haste denn nich mal gefragt?“

  6. Hier wäre unter Umständen zwischen Abgeordneten und Ministern zu unterscheiden. Das von Dir Beschriebene trifft mit Sicherheit auf nicht mehr als eine Handvoll Personen zu, die nunmal Regierungsverantwortung haben oder hatten. Vom Außenminister erwarte ich nicht wirklich, dass er in seinem Wahlkreis eine zweiwöchentliche Sprechstunde abhält – von den restlichen 99% der Abgeordneten schon.

  7. Fischer ist aber nicht mehr Aussenminister, IIRC.