Bürgerrechtler – 404 not found?

Nico —  10.02.2006

Bürgerrechtler warnen vor Googles neuer Desktop-Software heisst es bei heise.de und was muss ich lesen: die Electronic Frontier Foundation meldet Bedenken an. Richtig so.

Aber: warum sagt aus Deutschland niemand etwas dazu? Ist das hier egal? Was sagt der oberste Datenschützer? Was sagen die Verbraucherschutzzentralen? Die paar Grünen? Die SPD? Der CCC?

Ich bin eher nicht so der Regulierungsfanatiker oder Paranoiker, aber merkt niemand, dass hier eine Handvoll kommerzielle Unternehmen mehr Daten sammeln können und wollen als man sich das damals in seinen kühnsten Volkszählungsalpträumen hätte ausmalen wollen? Nicht alles, was technisch machbar ist und einem evtl. das Leben vereinfacht, ist auch letztendlich sinnvoll. Den Verlust der Privatsphäre hat in diesem Fall zwar jeder selbst zu entscheiden, aber ich glaube wirklich, dass hier die gemeine Öffentlichkeit an sich noch mehr informiert werden sollte über die Implikationen, die derartige Tools mit sich bringen können.

Ich rede hier nicht davon, dass man Reisepläne odr Dönerfotos veröffentlicht, sondern komplette Festplatten von anderen durchsuchbar macht und dann auch noch die Indizes ausserhalb des eigenen Zugriffsbereiches ablegen lässt. Hier ist nicht nur die kommerzielle Verwertung der Daten, sondern vor allem der schnelle Zugriff auf die Daten durch Regierungen, in diesem Fall sogar einer Regierung eines anderen Landes, durchaus als Problem anzusehen.

Ich fordere eine breite öffentliche Diskussion über die Ausgestaltung des Internets as we know it, von mir aus auch bei Frau Christiansen und auch mit der Frage „was war das für ein Gefühl?“ bei Herrn Beckmann. Aber der Diskurs, der Mitte der 90er mal angefangen wurde und mangels Masse der Netznutzer völlig einschlief, der muss fortgeführt werden. Aber das nur am Rande. Ich gebe ab zur fröhlichen Profilgenerierung und fahre nachher vermummt nach Hause.

18 responses to Bürgerrechtler – 404 not found?

  1. ach was? jetzt auf einmal? Google arbeitet schon lange auf solche Dinge hinaus, mehr als einmal habe ich das angemerkt, aber kein Echo erhalten. Und jetzt wo sie die ersten Dinge tatsächlich umsetzen, soll ich noch rumkrakelen? nö, ich bin längst auf Abstand zu Google gegangen und nutze auch Gmail nur als Spampostfach und habe mir dafür schon den Paranoiker eingefangen.
    Lustig wird es erst richtig, wenn Google ein OS baut und alles freut sich…da lob ich mir M$, aber echt.
    Außerdem, was bedenkliches betrifft, fand ich das Einpflanzen von RFID in Mitarbeiter eine weitaus bedenklichere Nachricht.

  2. Immerhin handelt es sich hier um ein Angebot der Firma, das keiner annehmen muss… Von daher sehe ich auf der Seite kein Problem.
    Viel mehr muss die breite Bevölkerung, die als „einfache“ Konsumenten das Internet nutzen für Datenschutzthemen sensibilisiert werden. Und dann bleibt es jedem selbst überlassen, zwischen Bequemlichkeit und Privatsphäre zu entscheiden…
    Diskussionen in bekannten Talkshows sind da sicherlich eine Möglichkeit, viele Menschen zu erreichen.

  3. Ein grundlegendes Problem ist aus meiner Sicht, dass die Zusammenhänge und Folgen von der Mehrheit der Internetnutzer nicht verstanden werden. Das sind böhmische Dörfer. und ?was man nicht weiß, macht einen auch nicht heiß?.
    Hier fehlt eine einfache und leichtverständliche Kommunikation der direkten und indirekten Folgen, die bei der Verarbeitung von personenbezogenen Daten gegeben sind.
    Ein schönes Beispiel für die Unwissenheit: Ich habe schon sehr oft im privaten Kreis folgendes gehört: ?Virus auf meinem Rechner? Ist doch nicht schlimm. Die paar Mails die ich schreibe kann ruhig jeder lesen.? Das ein ?gecrackter? Rechner auch als Bot genutzt werden kann, war ihnen allerdings nicht bekannt. Sprich: die tatsächlichen Risiken und Folgen sind unbekannt. Und das bei einem Thema, welches bereits in den Massenmedien recht laut diskutiert wird.
    Wenn es um die elektronische Verarbeitung von personenbezogenen Daten geht, sieht es noch schlimmer aus. Vielen ist es einfach egal, da Sie die tatsächlichen Folgen und Risiken nicht einschätzen können. Der ?eigene Rechner mit dem Internet drin? steht ja schließlich zu Hause in den eigenen 4 Wänden. Da ist er ja sicher :)?. Hier fehlt Kommunikation, damit Sensibilisierung stattfinden kann.

  4. Du machst dir deine Argumentation zu schwer, Thomas. Payback ist ein Erfolg!

  5. > Du machst dir deine Argumentation zu schwer, Thomas. Payback ist ein Erfolg!

    Ob Payback wirklich ein Erfolg ist, weiß ich nicht. Fakt ist aber, dass Payback und ähnliche Programme genutzt werden.
    Du zielst wahrscheinlich darauf ab, dass sämtliche Bedenken hinfällig sind, sobald dem Kunden/Teilnehmer genügend Vorteile geboten werden. Grundsätzlich finde ich das auch nicht verkehrt. Die Speicherung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten ist in einigen durchaus hilfreich ? z.B. beim Arzt. Der sollte ruhig wissen, dass ein Patient z.B. Diabetes hat. Ob das der Discounter um die Ecker allerdings auch unbedingt wissen sollte, ist eine andere Frage, die man aber auch gerne mit „Ja“ beantworten kann, sofern es z.B. um die Gestaltung des Sortiments geht.
    Mir geht es in erster Linie nicht um eine Verteufelung. Mir liegen die Information und das Wissen um die Relevanz der persönlichen Daten am Herzen. Auf diesem Gebiet besteht noch Bedarf in Punkto Sensibilisierung.
    Wer weiß, was für Folgen die Verknüpfung von personenbezogenen Daten haben kann, der kann auch entscheiden.
    Um Nicos Gedanken aufzugreifen: Ich wünsche mir gelegentlich eine Infoseite im Netz, auf der dieser Themenbereich einfach und verständlich dem Laien erklärt wird ? denn nur wenn der Kunde bzw. Bürger das Thema mit einer Relevanz austattet, handeln die Organisationen und Institution, welche Daten verarbeiten und nutzen. Fazit: Mir geht es um Aufklärung und Sensibilisierung. Also Fakten auf den Tisch.

  6. „Ich wünsche mir gelegentlich eine Infoseite im Netz, auf der dieser Themenbereich einfach und verständlich dem Laien erklärt wird ? denn nur wenn der Kunde bzw. Bürger das Thema mit einer Relevanz austattet, handeln die Organisationen und Institution, welche Daten verarbeiten und nutzen. Fazit: Mir geht es um Aufklärung und Sensibilisierung.“
    Die Idee finde ich sehr gut! So eine Seite müsste meiner Meinung nach sehr einfach, vielleicht im Stil der „Sendung mir der Maus“, aufgebaut sein und das meine ich weder ironisch noch böse!
    Wenn ich mich in meine Freundes- und Bekanntenkreis umsehe, fehlt wirklich das nötige Grundwissen. Viele (gerade ältere) steigen jetzt erst ins Internet ein, weil man „scheinbar doch nicht drumrum kommt“. Sie hören von „Gefahren“, können sich aber nicht so recht vorstellen, welche das sein sollen und was man dagegen tun kann.

    Ich glaube, wer es schafft, ein einfaches Portal aus dem Boden zu stampfen, das diesen Leuten Antworten geben kann, wird mit seiner Seite von 0 auf 100 einen riesigen Erfolg verzeichnen können.
    Also: Wer traut sich das zu?

  7. Mir fehlt noch der „Haken“, an dem man so eine Infoseite aufhängen kann. Es gibt ja bereits mehrere Gigabyte, die sich mit dem Thema beschäftigen.

    Wie bringe ich also schwachinteressierte Personen dazu, diese Site zu nutzen?
    Ein wichtiger Punkt ist ganz sicher die Art und Weise, wie die Informationen verpackt sind.

    Noch wichtiger finde ich im Moment die Definition der Vorteile, die man durch den Besuch der Site erlangen kann. Das wäre die Antwort auf die Frage: Warum soll ich meine kostbare Zeit investieren? Was habe ich davon?

  8. Alle, die wie ich, als Ratgeber in Computerfragen herhalten müssen, könnten eine Lawine ins Rollen bringen, indem sie ihren Pappenheimern diese neue wunderbare Seite als Startseite einrichten. ;)

  9. Nico fragt sich, warum niemand in D. über das fragwürdige Vorgehen von Google schreibt, die komplette Festplatten fein durchsuchbar in Richtung USA schiebt. („Bürgerrechtler – 404 not found?“…

  10. @mannelossi: welch Irrglaube das setzen einer Startseite führe zur Nutzung dieser!

  11. Die Leute, die ich kenne, halten die Startseite für den Eingang ins Internet („Huch! Mein Internet fängt ganz anders an!“) *gg*.
    Ein gut platzierter Eye-catcher kann dort wahre Wunder wirken. :)

  12. Eine Diskussion zu diesem Thema scheint langsam in die Gänge zu kommen:

    Dienstag, 22.45: Menschen bei Maischberger – „Der gläserne Bürger ? Droht uns die totale Überwachung?“

  13. ich denke auch, dass es mit einer startseite oder einer site ganz allgemein nicht getan sein wird.

    eine art „gütezeichen“ wäre zielführender. ein dienstanbieter oder programm könnte anhand klarer richtlinien in eine bestimmte kategorie eingeordnet werden. ähnlich wie creative commons.

  14. Keiner muss es nutzen… Wie naiv.

    Google wird schon genug Anstrengungen unternehmen, damit es jeder nutzt. Beispiel: Kooperationen mit Dell und Levono, die Rechner verkaufen bei denen die google-desktop-search schon eingerichtet ist. Ob in der zahmen Einstellung, oder wohl eher in der „scharfen“ mit Meldung an google?

    Den Unternehmen müssen klare Grenzen in Sachen Datenschutz, Datensammlung und Umgang mit Daten gesetzt werden. Aufklärung ist nett, aber wird nichts nutzen. Man könnte argumentieren, damit würde die Entwicklung des Internets gebremst. Aber ich denke eher das Gegenteil ist der Fall. Nur durch Gesetze und Standards kann dem Kunden und Nutzer die Sicherheit gegeben werden, die er erwartet, um beispielsweise seinen Terminkalender in Netz auszulagern und andere netzgestützte Dienste zu nutzen.

  15. Es verhält sich doch ganz analog zur Problematik der Mehrwertdienste/Nummer, nach Jahre gab und gibt es immer noch Menschen, die nicht ahnen, dass damit sie mit der Nutzung ihr Konto an die Wand fahren könnten bzw. das Software auf Maschinen, die mit dem Netz verbunden sind Informationen über den Nutzer preisgibt, die diesem bestenfalls unangenehm sein könnten.
    Es stellt sich imho die Frage, müssen alle durch Verbraucher-(Nutzer)gesetze geschützt und damit der Hang zur Verantwortungslosigkeit weiter gefördert werden, oder sollte der grosse Knall kommen, bzw. schnellstens herbeigeführt werden, damit ein Hallo-Wach durch Land rollt.
    Beides wird nicht kommen, es trifft immer nur einen Teil, aber nie die Richtigen. Wer’s weiss, nutzt es nicht oder richtig wer es nicht weiss, stellt wohl auch keine echte Gefahr da. Was nützt es wenn die Diskussionen nur in Medien geführt werden, die die „Ahnungslosen“ ohnehin nicht lesen. Bis dahin gilt, wo keine Ahnung (Kläger), da kein Richter.

  16. Warum keiner was sagt? Vielleicht, weil wir eine freie Gsellschaft sind uns keiner mit Google/Yahoo-Daten erpressen kann wie in China. Weil wir Datenschutzgesetze haben, die so schlecht auch nicht sind. Weil wir aber auch einen Staat haben, der mit der Begründung „War against Terror“ auch hier zu Lande versucht, diese Gesetze auszuhebeln.
    Vielleicht auch, weil wir ohnehin schon viel preisgeben. Nico hat einen Roboterhund (also schon mal Gadgetwerbung schicken), eine Familie (Adresse an Procter verkaufen), vertickt einen Messaging-Dienst (Firma übernehmen und Profildaten der Nutzer an Google verkaufen). Es ist halt schwer…

  17. nico fordert eine breite öffentliche Diskussion. Worüber? Über Google und andere Unternehmen, die reichlich Daten sammeln. Seltsam ist aber: immer mehr User sind freiwillig bereit diesen Unternehmen ihre Daten zu geben - das geht sow

  18. bestseller 2/2005 (horizont) Seite 41
    Zum Thema RFID-Tags

    „So kann ein aufgerüsteter RFID-Chip beispielsweise feststellen, ob die Kühlkette eines Produkts unterbrochen wird. Für Tiefkühlware aber auch für medizinische Produkte wie Blutplasma kein unerhebliches Qualitätskriterium. Imageschäden lassen sich so vermeiden.“

    Den letzten Satz lasse man sich auf der Zunge zergehen… :)