Blogs als ABM-Maßnahme

Nico —  7.03.2006

Die wachsende Popularität von Blogs erfreut viele, vor allem aber die Anwälte. Denn es gibt endlich wieder etwas zu tun, der gute alte Nachbarschaftsstreit unter dem Motto „Herr Krawuttke hat mich beleidigt, sperren Sie ihn ein!“ wird nun auch in der Blogosphäre immer beliebter, vor allem natürlich, weil man beim Egosurfing so schön nachlesen kann, wer gerade was gesagt hat. Nicht so toll finden diesen neuen Trend sicherlich die mit er Ermittlung der vermeintlichen Straftäter beschäftigten Polizeibeamten.

Eben gerade spielte sich folgender Dialog mit einem Münchener Polizeibeamten ab:

– „Ja guten Tag, wir ermitteln aufgrund einer Strafanzeige wegen Verleumdung und Beihilfe zur Verleumdung.“

– „ah.“ („ich war’s nicht“ denkend) – „Auf dem Weblog xyz wurde eine Person beleidigt und diese hat Strananzeige gestellt. Wir versuchen nun die Daten der Person zu ermitteln, die die vermeintliche Beleidigung durchgeführt hat. Haben Sie derartige Daten?“

– „Im Prinzip schon, aber derartige Daten geben wir nicht auf Zuruf heraus, vor allem nicht am Telefon.“

– „Wir haben auch schon die Adressen der beiden Betreiber des Weblogs ausfindig gemacht.“

– „äh?“

– „Nun benötigen wir noch die Adresse desjenigen der unter dem Pseudonym xyz den Kommentar hinterlassen hat.“

– „Wissen Sie, das ist so: Kommentieren kann jeder, auch ohne sich einzuloggen. Es ist daher ziemlich schwierig, hier die Person zurückzuverfolgen.“

– „Das merke ich auch langsam. Der Kommentar ist bereits gelöscht, ich bekomme ihn gar nicht mehr zu sehen.“

– „äh. Ist das eine ABM-Maßnahme für Polizisten? Ich erinnere mich an einige Mails von Usern Ende letzten Jahres wegen einer Person, die bei kleinster Kritik schon mit Strafanzeigen wegen Verleumdung gedroht hat. Der Mensch scheint eher ein Serienstrafanzeigensteller zu sein.“

– „Ich arbeite an dem Fall seit 4 Wochen.“

– „Wissen Sie was? Heute ist schönes Wetter, sicherlich auch in München, gehen Sie raus, fangen Sie ein paar Verbrecher, da haben wir mehr von. Stellen Sie diesen Kram ein wegen Unsinnigkeit.“

– „Das werde ich machen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“

*click*

8 responses to Blogs als ABM-Maßnahme

  1. AUA. Da tut ja der Kopf schon vom Lesen weh. Wohl zu oft gegen die Wand gedischt.

  2. xD diplomatisch gelöst –

    ich glaub ich wär in so einer situation ziemlich zynisch gworde

  3. Alles was recht ist, aber es erscheint mir sehr unwahrscheinlich, dass ein Münchner Polizist sich so etwas von einem Wahl-Köln/Bonner sagen lässt, so einfach (Herr Lumma hat sicherlich ein bisserl abstrahiert…).

  4. nö, wieso soll ich hier abstrahieren?

  5. Echt? Wird abgehakt unter „Münchner Polizisten haben erhöhten Coolheits-Faktor“.

  6. Bezug war vor allem auf „gehen Sie raus, fangen Sie ein paar Verbrecher, da haben wir mehr von“. Da rasten Beamte doch gerne aus. oder?

  7. Warum Du abstrahieren solltest? Weil Du gerne cool und überlegen wirken möchtest und weil sich die Antwort „Tut mir leid, da kann ich Ihnen nicht helfen!“ zwar gegenüber dem Ordnungshüter besser, aber Deine Brust hier im Blog nicht breiter gemacht hätte. By the way: ABM-Maßnahme ist völlig sinnfrei (da ABM für Arbeitsbeschaffungsmaßnahme steht). Aber das weißt Du ja sicher schon.

  8. Warum Du abstrahieren solltest? Weil Du gerne cool und überlegen wirken möchtest und weil sich die Antwort „Tut mir leid, da kann ich Ihnen nicht helfen!“ zwar gegenüber dem Ordnungshüter besser, aber Deine Brust hier im Blog nicht breiter gemacht hätte. By the way: ABM-Maßnahme ist völlig sinnfrei (da ABM für Arbeitsbeschaffungsmaßnahme steht). Aber das weißt Du ja sicher schon.