Euroweb und die Meinungsfreiheit

Ich habe schon öfter darüber geschrieben, dass immer mehr Firmen dazu übergehen, sich nicht mehr mit Meinungen oder Argumenten auseinandersetzen, sondern sofort ihre Anwälte einschalten, wenn auf Blogs oder in Foren Inhalte zu finden sind, die der betreffenden Firma nicht gefallen. Jens Scholz bekam jetzt einen Brief mit folgendem Inhalt:

…zeigen wir die Vertretung der rechtlichen Interessen der Euroweb Internet GmbH, Neumannstraße 02, 40235 Düsseldorf an.
(…) In verschiedenen Beiträgen und Kommentaren auf Ihrer Internetseite verbreiten Sie unwahre und beleidigende Behauptungen über unsere Mandantin, die diese auf das übelste herabwürdigen und verunglimpfen. Sie schwärzen unsere Mandantin unter Behauptung unwahrer Tatsachen an.

Abgesehen davon, dass ich diese Masche kenne, einfach mal keinen URL anzugeben, was zumeist daran liegt, dass der gemeine Anwalt an sich nicht weiss, was ein Permalink ist, wird hier einfach nur eingeschüchtert und gedroht, in der Annahme, dass die Gegenseite kein Interesse an Anwaltskosten oder einer Auseinandersetzung hat.

Auf der Website der Euroweb GmbH heisst es: „Wer heute in der Geschäftswelt erfolgreich sein will, kommt um einen Internetauftritt nicht mehr herum.“ Das mag stimmen. Es kommt aber auf mehr an als nur einen sog. Internetauftritt an. Wenn eine Firma nur mässige Internetkompetenz an den Tag legen kann und gegen unliebsame Meinungen mit Anwälten vorgehen will, dann nützt auch der schönste Internetauftritt nichts. Die Euroweb GmbH wird sich in den nächsten Tagen über eine erhöhte Aufmerksamkeit wundern, aber nicht freuen.

[ via: meinungsfreiheit á la euroweb – wirres ]

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15 Antworten auf „Euroweb und die Meinungsfreiheit“

  1. Nunja? mit einem „gut gebrüllt, Löwe“ wäre der Kläger wohl noch gut bedient. Wenn ich mich da umsehe, können die Seiten ja noch nicht mal als richtig schlechte Beispielseiten dienen, weil das i-Tüpfelchen (Klickiklackibunti mit animierten Gifs) keine Berücksichtigung findet, aber nahe dran isses ja. :)

    Oder will die Welt einfach besch*** werden?

  2. Mittlerweile sollte ja bekannt sein, dass man vorsichtig sein muss, was man schreibt und wohin man verlinkt, sonst bekommt man schnell nen Brief von einem Abmahnanwalt und dann wirds vermeintlich teuer.
    Diese Praktik entzieht sich meinem Verständnis. …

  3. Man, was bin ich froh, dass ich mich erfolgreich dagegen wehren konnte, diesen Webprovider aufgebrummt zu bekommen. Dabei war das nicht mal mein Verdienst, sondern der verdienst der AGBs dieses Unternehmen…ufff

  4. Da kann man echt nur mit dem Kopf schütteln, zu was für Stilblüten das „Heise-Urteil“ mittlerweile geführt hat.

    Naja ich hoffe, dass du nicht auch noch einen netten Brief von der Anwaltskanzlei bekommst Nico!

  5. Im lummaland wurde ich auf einen Beitrag bei wirres.net aufmerksam:
    Mein Namensvetter Jens (Scholz) hat einen Brief mit folgendem Inhalt erhalten (siehe hier):
    …zeigen wir die Vertretung der rechtlichen Interessen der Euroweb Internet GmbH, Ne…

  6. Dass das Web in Europa, also das Euroweb sozusagen, im Informationszeitalter kein rechtsfreier Raum, aber Rechtsmißbrauch eine Geschäftsidee ist, ist wohl jedem klar, der sich mal mit dem Law-Hunting von Adressbuchbetrügern gegen Michael Plümpe au…

  7. ohne den Streit zu berühren frage ich mich, wann die Firme, die durch die von Euroweb gestalteten Seiten, einen erheblichen und dauerhaften Imageschaden erlitten haben, endlich Schadenersatzansprüche gegen Euroweb geltend machen!

    Von den rund 30 Seiten die ich gesehen habe, sind alle, wirklich alle – wie eine Strafe Gottes.

  8. SOLIDARITÄT MIT MTV GEGEN DIE ABSOLUTISTISCHEN DENKBARBAREN STOIBER UND WETTER
    MINISTERPRÄSIDENTEN UND KARDINAL VON MÜNCHEN

    \“Jeder von uns ist Frucht eines Gedanken Gottes. Jeder ist gewollt, jeder ist geliebt.\“
    (Benedikt zu Germania-Numidia-Universum -Montabaur – München …)

    http://www.chartaland.de

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