YouTube on Steroids

Mir ist eben gerade eine ziemliche gute Idee für eine sinnvolle, wenn auch klein wenig disruptive Nutzung von Youtube gekommen. Der populäre Filmchendienst begrenzt mittlerweile die Filme auf 10 Minuten. Das Problem des Auftauchens von urheberrechtlich geschütztem Material und den damit verbundenen administrativen Kosten plus drohende Anwaltsscherereien wird sicherlich zu dieser Entscheidung geführt haben, was durchaus nachvollziehbar ist.

Wie wäre es, wenn jemand quasi eine Art Bittorrent für Youtube baut, gerne auch als Greasemonkey-Script oder so, bei dem ein grösserer Film automagisch auf lauter kleinere Filmchen aufgesplittet und dann bei Youtube abgelegt wird? Für den geneigten Betrachter gibt es dann ein Tool, dass die Filmchen etwas cached und dann wieder zusammenbappt. Fertig ist der Spielfilm via Youtube. Ein klein wenig umständlich, aber sicherlich ein weiterer Nagel im Sarg für Hollywood as we know it.

Ach ja, wenn es jemand machen sollte, sagt nicht, dass ihr die Idee von mir habt, diese Hollywood-Anwälte sind immer so nachtragend.

Euroweb, TI-D und der Lange Schwanz

In den letzten Wochen ist zweimal das Phänomen aufgetreten, dass eine Firma oder Institution meinte, auf gebloggte Inhalte einwirken zu müssen, indem mit juristischen Konsequenzen gedroht wurde. Weder Euroweb noch Transparency Deutschland haben sich damit einen Gefallen getan, ganz im Gegenteil, sie haben sich auf breiter Front lächerlich gemacht. Mein persönlicher Lieblings-A-List-Blogger Jens nennt dies gerne Lynchmobblogging und in gewisser Weise hat er recht. Sobald Firmen oder Institutionen zeigen, dass sie über viel Internetinkompetenz verfügen und zudem noch unsympathisc daherkommen, werden sie von der geballten Linkmasse der Blogosphäre getroffen und haben dann nicht mehr einen PR-technischen Brandherd zu löschen, sondern unzählige.

Chris Anderson hat einmal den Long Tail definiert, wobei er allerdings davon ausgegangen ist, dass es sich hierbei um Produkte wie bspw. CDs oder Bücher handelt, die auch über einen längeren Zeitraum immer noch Erwähnung finden und so einen nicht unerheblichen Umsatz generieren können. So ähnlich wird es mit den Firmen sein, die die Blogosphäre nicht verstehen wollen oder können. Sie werden reihenweise in das offene Messer laufen, denn in der Hoffnung auf das große Webfundstück der Woche werden noch einige Auseinandersetzungen publik gemacht werden. Während früher die PR-Leute ausgeschickt wurden, um die Medien zu bearbeiten, wird dies heutzutage nicht mehr möglich sein. Solange Suchmaschinen ein Gradmesser dafür sein sollen, welche URLs wichtig für ein Thema sind, wird die Linkmacht der Blogs dafür sorgen, dass ein PR-Gau ganz lange nachklingen wird. Ohne große Möglichkeiten, viel bewirken zu können mit PR-Maßnahmen.

Das finde ich einerseits positiv, andererseits befürchte ich aber auch, dass die Blogosphäre durchaus negativ herüberkommen wird, denn bislang wird jedenfalls in Deutschland die kollektive Linkmacht nur für ein konkretes “dagegen!” verwendet, nicht aber für einen positiven oder konstruktiven Umgang mit einem Thema. Ich finde ein entschiedenes “so nicht!” sehr gut, und in den beiden Fällen auch völlig richtig, aber mir wäre ein geballtes “los, weiter so!” auch mal ganz lieb.

Der Long Tail wird jedenfalls in den nächsten Monaten und Jahren noch einigen Firmen das Genick anknacksen, und sie werden sich wundern, welcher rasende Zug sie da frontal erwischt hat, weil er aus dem nichts kam. So kann Bloggen in Deutschland sein.

Neue Chauffeuse

Di 28.03.2006 18:45 280320061268