Familienministerin Ursula von der Leyen ist gerade dabei, Klartext zu reden und pusht im Wochenrhythmus neue Themen auf die Agenda. Geplant ist eigentlich nicht viel, sondern lediglich ein Aufkünden der Trennung zwischen Kirche und Staat sowie mehr von der Regierung verordneter Zwang. Aber der Reihe nach.
Erst geht es um das geplante Elterngeld, das nur dann bezahlt werden soll, wenn der Vater zwei Monate zuhause bleibt. Ich verstehe nicht, in welcher Welt Frau von der Leyen lebt. In einer idealen Traumwelt kann man mal eben zwei Monate Auszeit nehmen, aber ich glaube nicht, dass derartige Forderungen für viele berufstätige Väter sinnvoll zu erfüllen sind. Vielerorts tut man sich schwer, mehr als 2 Wochen Urlaub am Stück zu nehmen, da kommen natürlich 2 Monate richtig gut an. Der zu betreibene organisatorische Aufwand, um mal 2 Monate zuhause zu bleiben, ist immens. Ich arbeite derzeit in so einer Art Teilzeit und bin zerrissen zwischen Arbeit und Familie, aber ganz zuhause bleiben geht eben nicht.
Dann ist da noch die Sache mit den christlichen Werten in der Erziehung. Da verstehe ich die Aufregung um die Forderungen von der Leyens nicht, denn schliesslich geht es hier nur um die Leitlinien der Christlich Demokratischen Union:
Grundlage unserer Politik ist das christliche Verständnis vom Menschen und seiner Verantwortung vor Gott.
Etwas anderes hätte mich überrascht. Gut, es gibt Leute, die meinen, man sollte auf eine konsequente Trennung von Staat und Kirche setzen, einen gemeinsamen Wertekanon definieren, in dem sich die unterschiedlichen Religionsgemeinschaften, aber auch die Gedanken der Aufklärung und des Humanismus wiederfinden, aber dann sollte man sich immer wieder vor Augen halten, welche Partei die CDU nun mal ist. Gerade bei Familie und Erziehung wird das Christentum hochgehalten, damit man in anderen Bereichen ungezwungener agieren kann.
Die letzte Forderung von Frau von der Leyen ist nun also das Kindergartenzwangsjahr. Das wird die Kommunen freuen, die eh schon Probleme haben, genügend Kindergartenplätze für die Kinder ab 3 Jahren zur Vefügung zu stellen. Krippenplätze, also für Kinder bis 3 Jahre, sind immer noch rar, von einigen Enklaven der Glückseligen mal abgesehen. Diese Forderung eines gemeinsamen letzten Kindergartenjahres oder quasi einer Vorschule halte ich für im Kern recht sinnvoll, aber in der Praxis überhaupt nicht durchsetzbar.
Gerne würde ich nächste Woche eine Schlagzeile von Frau von der Leyen sehen, die in etwa so aussähe: “Familienpolitik: weniger Formulare, mehr Geld für die Kinder.” Derzeit sieht es so aus: man füllt viele Formulare aus, dann bekommt man Geld, dann sucht man einen Kindergartenplatz und reicht das Geld mit einem gewissen Aufschlag wieder raus, natürlich alles nach einem gerechten Verteilungsschlüssel und Fristen, Neu-Beantragungen, unterschiedlichste Träger-Organisationen, etc., also möglichst so, dass ordentlich Geld in der Verwaltung hängenbleibt. Warum haben wir einen Grundkonsens in Deutschland, dass man kein Schulgeld bezahlt, aber völliges Finanzierungschaos bei der Kinderbetreuung? Und nein, es geht hier nicht darum, seine Kinder frühzeitig loszuwerden, sondern es geht darum, dass zum einen die Kinder mit Gleichaltrigen zusammen spielen und lernen, und dass zum anderen die Eltern genauso die Möglichkeit haben, sich beruflich zu entfalten wie kinderlose Eltern. Wenn Familie wirklich so wichtig ist, dann sollten dies die Familien auch endlich mal zu spüren bekommen.
Positiv bleibt festzuhalten: Dank Frau von der Leyen wird wenigstens über Familienpolitik wieder debattiert.
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