Glaubwürdigkeitsgeblogge

Nico —  21.05.2006

Es war zu erwarten. Kritik an der von Opel gesponsrten Kampagne mit 4 Bloggern und 4 Opel Astra musste kommen, aber die Vehemenz, mit der argumentiert wird und die dabei gefundene Wortwahl lässt mich doch eher zusammenzucken.

Ich kann durchaus verstehen, dass es Bedenkenträger gibt, die meinen, mit der von Opel finanzierten Kampagne verlieren die Blogger ihre Glaubwürdigkeit. Ich finde auch nicht, dass alles geht. Aber da ich nun durchaus ein klein wenig Anteil an dem Zustandekommen der Kampagne habe, möchte ich ein wenig ausführen, warum ich meine, dass diese Kampagne nicht den Untergang des bloggenden Abendlandes bedeutet.

Für mich sind bei dieser Kampagne folgende Dinge entscheidend:
– Offenheit
– Rahmenbedingungen
– Zeitdauer

Wir haben von Anfang an offen gelegt, dass Opel diese Kampagne finanziert, dass es eine Aufwandsentschädigung gibt (1200 EUR plus 200 EUR Tankgutschein) und dass es hierbei nicht um reines Gutmenschentum, sondern natürlich auch um Werbung geht. Wir haben die Rahmenbedingungen klar gemacht, die vor allem besagen, dass die Blogger nicht verpflichtet sind, Themen oder Posting-Frequenz einzuhalten. Letztendlich ist die Zeitdauer der Kampagne begrenzt auf 4 Wochen, d.h. zeitlich durchaus überschaubar.

Ich will nun nicht das Argument wiederholen, dass man bei Journalisten selten erfährt, wie die Konditionen bei einem Test aussehen. Das interessiert mich eher nicht, denn wir reden hier von Blogs, nicht von Tests in Zeitschriften oder auf Portalen. Ich finde an dieser Kampagne von Opel vor allem bemerkenswert, dass hier Leute wie Du und ich die Gelegenheit bekommen, einen Test durchzuführen, der über 4 Wochen geht. Was interessiert mich die Kurvenlage an der Costa Brava oder das Bremsverhalten im ewigen Eis im Norden Kanadas? Ich will keine sinnlosen Ausführungen über Nockenwellen oder Newtonmeter, sondern einfach wissen, wie das Auto im Alltag zu fahren ist. Kann man damit einparken? Passt der Kinderwagen rein? Passen auf die Rücksitzbank die Kindersitze, ohne dass man vorne keinen Platz mehr hat?

Ein derartiger Zugang zu dem Thema Autotest ist mir wichtig. Opel lässt dies mit seiner Kampagne zu. Dabei fliesst etwas Geld und Benzin oder Diesel, damit die Blogger die Wagen auch etwas bewegen können.

Ich sehe hier nicht das Ende der Unschuld der Blogosphäre. Niemand der von uns ausgewählten Blogger ist in einem Abhängigkeitsverhältnis von Opel, sondern kann einfach bloggen was und wie er/sie will.

Bei allem Kopfschütteln ob der Vehemenz der Kritik und der teilweise enorm abgleitenden Diskussion, bin ich aber zufrieden, dass dies stattgefunden hat. Nicht, weil es Teil eines Konzeptes war, möglichst viel Unmut und Kritik zu ernten, sondern weil ich sehe, dass bei jedem mittleren Aufreger in der deutschen Blogosphäre zu den altbekannten auch immer wieder neue Diskutanten hinzukommen. Die Blogosphäre wächst und gedeiht, nun muß lediglich die Diskussionskultur extrem verbessert werden.

Wer mich kennt, der weiss, dass ich nicht einfach irgendeinen Marketingquatsch mitmachen werde, sondern dass ich selber nur Produkte testen will, die mich interessieren und mir Spass bringen. Das hat auch etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun, dass man nicht einfach alles macht. Genau deshalb haben wir bei der Kampagne von Opel dafür gesorgt, dass die Einflussnahme auf die Blogger seitens Opel nicht stattfinden wird, mal von der Auswahl der Autos mal abgesehen. Auf der anderen Seite bekommt natürlich Opel auch etwas, nämlich vier recht unterschiedliche Sichtweise auf ihre Produkte, komplett mit Kommentaren und Diskussion.

24 responses to Glaubwürdigkeitsgeblogge

  1. Ja, Opel hat auf JEDEN Fall was davon. Dachte ich zumindest anfangs. Ob sie in Rüsselsheim aber so richtig glücklich damit sind, dass einnige ihrer Testfahrer mit Schaum vor dem Mund durch die Blogosphäre marodieren, nur weil ihnen der Gegenwind mal etwas heftiger ins Gesicht bläst? Zumindest drei der vier Blogger haben jetzt schon mindestens eine Delle im Kotflügel. Und ich habe es irgendwie im Gefühl: Die bleibt drin, für lange Zeit. (Das sonnige Gemüt Pia nehme ich davon jetzt mal aus.)

  2. Ich finde es auch ein bisschen affig sich über diese Aktion derartig zu echauffieren. Bloggen ist (meist) ein Hobby, aber es gibt nicht wenige Blogger die davon träumen vom Bloggen leben zu können. Egal wie realistisch oder unrealistisch dieser Traum sein mag, es ist durchaus gerechtfertigt ihn zu träumen.

    Die Opel-Blogger sind dem Traum vermutlich ein Stückchen näher als alle anderen und ich gestehe.. verdammt neidisch zu sein ;-). Ich will auch ein cooles Auto und Benzin, statt meinen vergimmelten alten Opel den ich grade verkaufen muss weil sich der anstehende TÜV nimmer lohnt ;-)

    Aber die \’Unschuld verloren\‘ hat im Prinzip schon jeder Blogger der Google-Ads auf seiner Webseite hat und damit dem schnöden Werbe-Mamon verfallen ist.

    Für mich wird kein Blogger weniger glaubwürdig, nur weil er an einem gesponsorten Test teilnimmt. Für alle die es dennoch stört gibt es eine einfache Lösung: Andere Blogs lesen. Es selbst anders machen.

    Ein Blog ist nur ein Medium. Wer daraus ableiten will das alle Blogger Open-Source einsetzende Freiheitskämpfer sind die natürlich nur für einen warmen Händedruck hochwertigen Content erzeugen.. der erwartet wohl ein bisschen zuviel.

  3. Das war ja abzusehen, dass es da noch Geschrei geben wird. Opel hat 4 Bloggern (Pia, Ix, Mc Winkel und Don Dahlmann) je einen Opel Astra zur Verfügung gestellt, zahlt den Sprit + eine Aufwandsentschädigung und will als gegenleistung Blogposts über d…

  4. Ui Nico, dein Spamfilter hat aber ne ganz schöne Verzögerung… meinen manuellen TB kannst du rauswerfen… Besser verzögerte TBs als nur noch diesen Spam…

  5. Ich verstehe die Aufregung nicht so ganz. Es gibt (jedenfalls im englischsprachigen Raum) viele technologie-orientierte Weblogs, deren Schreiber nunmal bei der einen oder anderen Firma angestellt sind und deshalb möglicherweise nicht ganz neutral sind. Und so mancher Mac-Fan wird sich auch ohne Bezahlung mehr gutes als schlechtes über Apple berichten.

    Für mich wirds erst dann ärgerlich, wenn man das Sponsoring nicht erkennen kann.

  6. Es ist schon ein paar mal das Wort kindisch gefallen. Ich glaube das passt. Leider vergessen einige in dieser ganzen Diskussion leider gerade ihre gute Kinderstube. Das ist meiner Meinung nach das Schlimmste daran.

  7. Ich verstehe beide Seiten. Natürlich geht ihr Opelblogger soweit korrekt vor. Die Angelegenheit ist transparent und nachvollziehbar; die Entwicklung war abzusehen. Was den Aufschrei der anderen Seite in der Blogosphäre anbelangt: er ist der Geburtsschmerz des Eintritts in ein erwachsenes Leben, in dem man wehmütig zurückblickt auf eine unbeschwerte Kindheit. Die Blogwelt kommt in die Pubertät. Alles wir ein wenig schwierig. Man zankt sich. Es ist ein wenig schmerzhaft, den Habitus \“independent\“ aufgeben zu sollen. Als Erwachsener muß man Geld verdienen, sich der Welt stellen – alles hehre Dinge. Andere Blogger sind da noch etwas bockig und wollen weiterspielen.

  8. Du schneidest da viele Bereiche an und Du musst Dir auch mal ankreiden lassen, dass Du gegenüber Blogaktionen anderer Anbieter auch nicht immer neutral warst und Deine Kritik nicht immer maßvoll erschien. Blograuschen ist ein wellenförmiges Phänomen und hin und wieder erodiert ein sicher geglaubter Damm einfach mal, wenn die Blog-Realität auf ihn hereinbricht. Je mehr Metablogging betrieben wird, desto heftiger wird diskutiert.
    Und \“Diskussionskultur\“ auf breiter Ebene in diesem Land?
    Glaubst Du, das ist Luft, was Du da atmest?
    Ich bin auch manchmal fast froh, dass ich ein reines Reissackblog betreibe. Ich erkenne meine Leser an ihrer IP und kenne 25% mit Namen (früher 100%). Zum Techbloggen fehlt mir der Kontakt zu Spielzeugverleihern und -verschenkern, auch wenn ich gerne über Sony neue DSLR oder das Telefon-only Nokia bloggen würde.

  9. Kann man damit einparken? Passt der Kinderwagen rein? Passen auf die Rücksitzbank die Kindersitze, ohne dass man vorne keinen Platz mehr hat?

    Für diese Fragen habt ihr ja die perfekten Testkandidaten gefunden. Die haben ja alle Kinder bis zum Abwinken ;-)

  10. Ich habe zwar als Jungblogger keine Blogghistorie, aber ich verstehe das Geschrei nicht…wie war das mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung und freie Berufswahl ?

    Kein Mensch zwingt einen ja, einen Blogg zu lesen…das Einzige, was in diesem Kontext wichtig ist, ist eine gute Ausbildung, das Wissen und die Fähigkeit zu haben, sich seine eigene Meinung zu bilden (und die Transparenz, wann Geld im Spiel ist, aber hält sich schon in dieser Galaxis an diese Regel?)

    Da sind Bloggs, mit oder ohne Opel, mit oder ohne Sponsoring, nichts anderes als eine Bildzeitung.

    Ansonsten finde ich Opel total unsexy, allerdings, wenn wir einer einen coolen (was es eigentlich seit Ende der 70iger nicht mehr gibt) Opel umsonst vor Tür stellt, werde ich mich hüten, über Opel zuschimpfen…:-)

  11. Ich habe zwar als Jungblogger keine Blogghistorie, aber ich verstehe das Geschrei nicht…wie war das mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung und freie Berufswahl ?

    Kein Mensch zwingt einen ja, einen Blogg zu lesen…das Einzige, was in diesem Kontext wichtig ist, ist eine gute Ausbildung, das Wissen und die Fähigkeit zu haben, sich seine eigene Meinung zu bilden (und die Transparenz, wann Geld im Spiel ist, aber hält sich schon in dieser Galaxis an diese Regel?)

    Da sind Bloggs, mit oder ohne Opel, mit oder ohne Sponsoring, nichts anderes als eine Bildzeitung.

    Ansonsten finde ich Opel total unsexy, allerdings, wenn wir einer einen coolen (was es eigentlich seit Ende der 70iger nicht mehr gibt) Opel umsonst vor Tür stellt, werde ich mich hüten, über Opel zuschimpfen…:-)

  12. Die Opelbloggerei böte die Chance, Inhalte zu generieren. Man könnte am Beispiel des Opels tolle Artikel über Design, Nachhaltigkeit, Funktionalität, den Preis der individuellen Mobilität oder die Abhängigkeit von elektronischen Helferlein schreiben, wie sie nie in einer Autozeitschrift erscheinen würden. Die vier Blogger (über deren automobile Vorgeschichte wenig bekannt ist) könnten über das Auto untereinander diskutieren und dann wirklich mal konstruktive Verbesserungsvorschläge machen, die ein Endkunde normalerweise nicht in die Entwicklung eines Autos einbringen kann. Ich habe wenig Hoffnung, dass das passieren wird. Und damit wird sich die Blogosphäre keinen Gefallen tun, weil sie – anhand eines medienwirksamen Präzendenzfalls – Vorurteile bestätigt.
    Zur A-Blogger-Diskussion: Passiert die derzeitige Spaltung der Blogosphäre nicht an ganz anderer Stelle? Ist es nicht die Medienpräsenz bloggender und podcastender Journalisten, die eine \“Zweiklassengesellschaft\“ erzeugt? (Bin ich medienpräsent, weil ich blogge oder blogge ich, damit ich medienpräsent werde? Und was habe ich langfristig davon?)

  13. Dass Blogger Produkte testen und beschreiben, ist m.E. grundsätzlich in Ordnung. Die Produkte sollten dann aber auch zu dem Blog und seinen Inhalten passen. Bei wirres und Don Dahlmann passen diese Opel-Beiträge m.E. nicht; die Texte wirken auf mich aufgesetzt und unnatürlich. (-Die beiden anderen Blogs kenne ich zu wenig, um mir diesbzgl. ein Urteil zu erlauben.-)

    Wie würde es ankommen, wenn ein Redakteur einer Auto-Zeitschrift -z.B.- 4 Wochen mehr oder weniger regelmäßig schreibt, wie er mit dem Notebook der Firma xy zurechtkommt, das er gerade – nur zum Spaß versteht sich – gegen Erstattung seiner Auslagen testet? (wobei ich nicht unterstelle, dass sich Leser einer Auto-Zeitschrift nicht auch für Notebooks interessieren)

  14. Der Tag, an dem die Vogonen dem ganzen Kreisen im eigenen kleinen Blog-Universum (das ganze Drumrumgezappe zu lesen ist ja genauso schön wie \“wer ist der allerechtestetollste Fan von TH\“) ein Ende setzen werden, ist hoffentlich nicht mehr fern – mündige Bürger, packt eure Handtücher ein und KEINE PANIK.

  15. Die Zdee finde ich grundsätzlich sehr gut. Der Blog ist aber inhaltlich extrem schwach.

    Es wäre m.E. besser gewesen, wenn die Autoren explizit für bzw. in dem blog ihre Beiträge verfasst hätten. Die Aggregator-Methode erzeugt in diesem Fall irgendwie nur zusammengestückelte Fragmente ohne wirklichen Nutzen. Das ist mein erster Eindruck.

  16. All diejenigen, die sich aufregen – und die anderen auch: Schreibt doch selber eine Autogeschichte. Hey, diese Themen liegen jetzt wirklich im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße. Garantiert ungesponsort.

  17. Ich finde die Idee zum Astrabloggen wirklich sehr gut – und mutig von Opel! Schön, dass sich in Deutschland auch mal etwas in unkonventionellen neuen Medien tut. Davon sollte es noch viel mehr geben.
    Die darum enstandene Diskussion ist doch völlig normal – sobald etwas neues passiert, bekommen viele Menschen erst einmal die Crisis (auch, wenn ich eigentlich dachte, dass die Mentalität des Bloggers grundsätzlich mehr Innovationslust beinhaltet). In ein paar Jahren ist es normal – und wahrscheinlich auch wieder langweiliger.

  18. Offen? 1200 EUR Aufwandsentschädigung plus 200 EUR Tankgutschein tauchen hier zum ersten Mal und dann auch nur nachträglich eingefügt auf.

  19. jo, ich musste auch erstmal nachlesen, bevor ich was falsches schreibe.

  20. Als ich das erste Mal davon hörte (und dann auch echauffierte) war meine Meinung, dass die Blogger dafür doch besser bezahlt werden sollten, als nur ein Fahrzeug zur Verfügung zu haben.

    Das ist auch auch der Fall. Gut.

    Nur frage ich mich, warum man für so eine – in meinen Augen – hemdsärmelig organisierten Kommunikation zum Kampagnenstart, und einer astra.blogg.de-Site ohne Impressum, eigentlich Berufskommunikatoren engagiert.

  21. Was ich bis jetzt – 23.05, 11.15Uhr – auf astra.blogg.de sehe, wirkt auf mich nur peinlich – für alle Beteiligten. Man sollte nicht von Bezahlung sondern von Schmerzensgeld sprechen ;-)

  22. Sorry, da fehlte ein @Nico.

  23. Super Super Super

    http://www.1bilgi.com

    Super Super Super