10. Juni 2006

SPD Kreis Herzogtum Lauenburg: kleinkariert und nachtragend

Mein kürzlich verstorbener Vater Udo Lumma war seit seiner Jugend politisch aktiv, er erhielt bereits als Schüler die Freiherr vom Stein Medallie des Landes Schleswig-Holstein für sein politisches Engagement, war dann bei den Jusos und in der SPD aktiv, saß über 20 Jahre lang im Kreistag des Kreises Herzogtum Lauenburg, die meiste Zeit als Fraktionsvorsitzender der SPD. Er war einige Jahre Kreisvorsitzender der SPD und auch zwei Legislaturperioden lang Abgeordneter im Landtag von Schleswig-Hosltein, laut Lübecker Nachrichten war er zu der Zeit der einflussreichste SPD-Politiker im Lauenburgischen. 1991/92 gab es dann eine Affäre um nicht gezahlte freiwillige Mandatsbeiträge, in deren Verlauf mein Vater aus allen Ämtern ausschied und sich ins Privatleben zurückzog. 1992 hat mein Vater für seine politische Arbeit das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Nach seinem Ausscheiden aus der Politik hat sich mein Vater ins Privatleben zurückgezogen und 1999 ist er aus der SPD ausgetreten, ich vermute mal aus Unzufriedenheit mit der damaligen Bundesregierung.

Eben gerade habe ich erfahren, dass die SPD Kreis Herzogtum Lauenburg meinem Vater noch nicht mal eine Todesanzeige widmen will, denn er sei ja nicht mehr Parteimitglied gewesen. Wie kann man nur so kleinkariert und nachtragend sein? Was auch immer an Streit und Verfehlungen gewesen sein mag, beim Tod sollte man dieses Gezanke sein lassen und die Verdienste würdigen. Da hat sich jemand über 20 Jahre für die Partei geopfert und diese hat noch nicht einmal 150 EUR für eine Todesanzeige über, weil sich im Laufe der Zeit mein Vater von der Partei immer mehr entfernt hat?

Ich finde dies so etwas von zum Kotzen, dass ich kurz davor bin, mein Parteibuch an Kurt Beck zu schicken mit dem Hinweis, dass ich mit derartigen Leuten nicht mehr in einer Partei sein möchte. In einer Woche wäre ich 18 Jahre lang Mitglied der SPD. Die Zeit, die mein Vater für die Partei geopfert hat, die ging zu Lasten von Familie und seiner Gesundheit, da erwarte ich, dass die Partei die Verdienste würdigt und sich nicht einfach als nicht zuständig erklärt, egal wie man auseinander gegangen ist.

Trauer und Wut sind sehr dicht bei einander. Masslose Enttäuschung auch.

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Leider habe ich erst jetzt von diesem Artikel erfahren. Selbstverstu00c3u00a4ndlich hat die SPD-Fraktion Kreis Hzgt. Lauenburg fu00c3u00bcr ihren ehemaligen Vorsitzenden eine angemessene Traueranzeige veranlasst - ich persu00c3u00b6nlich habe den Text formuliert und die Kosten beglichen.
Schade ist dabei, dass sich niemand an mich gewandt und den Sachstand einmal hinterfragt hat. Aber so ist es halt: Die Menschen pflegen allzugern ihre Vorurteile!

Hallo Nico

ich kann deinen Kummer verstehen aber nicht deine Reaktion. Dein verstorbener Vater hat sich vor mehr als 15 Jahren von der SPD verabschiedet, wieso denkst du das ihm an einer posthumen wiederverbru00c3u00bcderung gelegen sein ku00c3u00b6nnte. Er hat das Wesen der Genossen zu Lebzeiten erkannt und bewusst darauf verzichtet weiter mit ihnen zu verkehren. Ich wu00c3u00bcrde seine Entscheidung akzeptieren und ohne viel Aufhebens meine eigene Entscheidung umsetzen.

Gruss

Jens-Peter

Hallo Nico,

inzwischen hat sich das mit der Anzeige ja erledigt. So eine Anzeige ist aber gar nicht wichtig. Wichtig ist, dau00c3u009f man in den Gedanken der Menschen, mit denen man etwas zu tun hatte und fu00c3u00bcr die man etwas getan hat, nicht verloren geht. Ich war heute auf der Trauerfeier fu00c3u00bcr Deinen Vater. Vor der Kapelle traf ich auf einen Mann, der mir sagte, dau00c3u009f er Deinem Vater, dem Lehrer Udo Lumma, viel zu verdanken habe und er es nie vergessen werde. Auch einige alte "Kampfgefu00c3u00a4hrten" waren da, unter anderem auch Gu00c3u00bcnter Jansen.
Auch Udo und ich waren nicht immer einer Meinung, aber das macht die SPD, das macht das Miteinander in der Partei aus. Aus Frust austreten - nein.
Ein besonderes Lob kam von dem Kreispru00c3u00a4sidenten Meinhard Fu00c3u00bcllner (CDU), der sagte, dau00c3u009f der politische Einsatz Deines/Eures Vaters in den siebziger und achtziger Jahren wesentliche Impulse in der Entwicklung des Kreises Herzogtum Lauenburg gesetzt hat. Wir beide fanden u00c3u00bcbrigens die Trauerrede total beschissen, Dein Vater hu00c3u00a4tte etwas anderes verdient gehabt. Das wird seine Seele aber nicht stu00c3u00b6ren, sie wird ihren Frieden finden.
Ich wu00c3u00bcnsche Euch alles Gute, viel Kraft und Gottes Segen.

ja, dafu00c3u00bcr bin ich Gunnar auch sehr dankbar. Die Fraktion scheint zu wissen, was sich gehu00c3u00b6rt.

...vor 2 Tagen gab es durch die SPD, genauer durch Herrn Schlage, Fraktionsvorsitzender der SPD RZ, eine Traueranzeige in der Lauenburgischen Landeszeitung!

Richtig! Solche Leute gibtu00c2u00b4s -- leider. So makaber es klingt, aber ernst gemeint ist: lass dir den Augenblick nicht davon kaputt machen!

Meine Gedanken sind auch (unbekannterweise) bei dir.

Nico, diese Leute haben einen kleinen Horizont. Aber es gibt u00c3u00bcberall solche und solche, auch in der SPD. Gehu00c3u00b6rt zum Leben. Und was viel wichtiger ist: Meine Gedanken sind bei Dir.

@anti spd: Das Problem ist doch gerade dass sich die SPD nicht mehr fuer die belange der buerger einsetzt, sondern genau wie die anderen grossen parteien (CDU allen voran) nur noch fuer die interessen der Konzerne.

@Nico: Hier erstmal mein herzliches Beileid.

Ich finde das Verhalten der SPD ziemlich kleinlich. Ich erwarte aber von Parteien nichts anderes. Generell ist mein Vertrauen in Deutschland, Europa, Parteien, Demokratie, und Politiker in den letzten ca. 5-10 Jahren gruendlich demontiert worden.

Ich wuerde an Deiner Stelle austreten und das mit den Parteien sein lassen. Lohnt sich nicht.

Schwieriges Thema. Ich finde es grundsu00c3u00a4tzlich nicht gleich moralisch verwerflich, wenn die Kreis-SPD keine Traueranzeige schaltet. Trotzdem sollte der Kreisvorstand in irgendeiner Art eine Trauerbekundung kundtun. Geschieht dies nicht, gerade wegen den offensichtlichen Leistungen fu00c3u00bcr die Partei, ist das schon mehr als armselig.

Mein Beileid, Nico.

Nico hat vollkommen recht wenn er das Thema hier mal in die u00c3u0096ffentlichkeit tru00c3u00a4gt. Offensichtlich ist es in der SPD nicht anders als bei vielen Menschen auch, aus den Augen aus dem Sinn.

Trauer und Wut ergeben nicht immer ein gutes Umfeld fu00c3u00bcr die Artikulation von Meinungen, aber, und da kann ich Besim u00c3u00bcberhaupt nicht zustimmen ist dies kein Thema welches nicht auch mal u00c3u00b6ffentlich diskutiert werden kann.

Nico und seiner Famile wu00c3u00bcnsche ich viel Kraft und mein Beileid.

....und ich dachte schon, der Herr Bismarck samt Partei sei unsympathisch und irgendwie, nun ja, unappetitlich.

Scheint ja aber bei dem Rest der Parteienlandschaft da nicht anders zu sein. Und ich war schon drauf und dran, mich auf meine Heimkehr in nunmehr vier Wochen zu freuen;)

Und nochwas: Blogger aus dem Lauenburgischen? Ich bin geplu00c3u00a4ttet;)

Nico, auf diesem Wege mein herzliches Beileid.
Vielleicht ist es ganz gut, dass dieser Anlass Deiner Wut eine Form und ein Ziel geben. Die alte SPD kann das ab - und der Druck, den Du hier mit uns aufbauen kannst verhilft der SPD in Lauenburg sicher zu Einsicht.

Erik

@Don
Die Frage einer Todesanzeige ist vu00c3u00b6llig parteienunabhu00c3u00a4ngig. Will man das anhand ungeschriebener Parteiempfehlungen machen, gibt es noch weniger Luft. Gehu00c3u00b6rt hier aber absolut nicht hin.

anti spd: 20-Stunden Woche und 1000? Kindergeld. Ich wu00c3u00bcrde sofort zum SPD-Wu00c3u00a4hler werden.

@anti spd:
Toll, wo lernt man solche Platitu00c3u00bcden? Man muu00c3u009f ja die Leute vor solchen Orten warnen...

Sorry, aber sowas ist fu00c3u00bcr eine Partei, deren Mitglieder ausserhalb von NRW meist was anderes als korrupte Spesenritter, Versorgungsempfu00c3u00a4nger in spe oder schlicht FDPler sind, nu00c3u00a4mlich Genossen, um mal das alte Wort zu erwu00c3u00a4hnen, schu00c3u00a4big. Nicht so schu00c3u00a4big wie die "Anti SPD" Nummer, aber schon etwas. Und daru00c3u00bcber kann man durchaus reden.

ja ich weiu00c3u009f, gehu00c3u00b6rt nicht hierhin, aber wenn die SPD das uneingeschru00c3u00a4nke Sagen hu00c3u00a4tte, dann hu00c3u00a4tten wir wahrscheinlich schon lange die 20 Stunden-Woche, 1000 EUR Kindergeld, keiner darf mehr entlassen werden und noch mehr solche Arbeitgeberfeindlichen Mau00c3u009fnahmen..

@Besim
Du hast vu00c3u00b6llig recht

@Nico
mein herzliches Beileid und lass einfach ein paar Tage ins Land gehen..

Das mag sein. Es gibt jedoch Dinge, die man parteiintern klu00c3u00a4rt, weil jegliches Hinaustragen in die weite u00c3u0096ffentlichkeit fu00c3u00bcr beide Seiten unappetittlich ist, weil doch viel Parteiinterna im Laufe der Zeit mitspielt.

Kommt jedoch ein Angehu00c3u00b6riger auf die Idee, u00c3u00b6ffentlich eine fehlender Todesanzeige anzuprangern (ja, hatten wir auch schon), so ist das eine ziemlich beschissene Situation fu00c3u00bcr alle, weil man dann nichts tun kann, das keine weiteren Ru00c3u00bcckfragen und Missverstu00c3u00a4ndnisse auslu00c3u00b6sen wu00c3u00bcrde.

Es wu00c3u00a4re vermessen, zu glauben, fehlende Todesanzeigen wu00c3u00bcrden irgendetwas u00c3u00bcber Sym- oder Antipathien aussagen, es ist in der Parteienarbeit in den meisten Fu00c3u00a4llen schlicht fehl am Platze. Parteienengagement ist, gerade bei aktiven Mitgliedern, eine sehr innige Angelegenheit und bei persu00c3u00b6nlichen Verlusten ist es eher angebracht, persu00c3u00b6nlich den Angehu00c3u00b6rigen zu vermitteln, dass sie mit ihrem Verlust nicht allein stehen.

Deshalb gehe ich in solchen Fu00c3u00a4llen lieber selbst zu Angehu00c3u00b6rigen und spreche das Beileid persu00c3u00b6nlich aus. Damit erreicht man wirklich die Nu00c3u00a4he der Angehu00c3u00b6rigen und kann die Worte sagen, die man auch wirklich sagen will, ohne die grosse Rhetorikschleuder anzuwerfen und das Parteilogo darunterzupappen.

besim, ich sehe das anders. hier bestehen anscheinend immer noch persu00c3u00b6nliche animositu00c3u00a4ten, die aber letztendlich bei der wu00c3u00bcrdigung der arbeit fu00c3u00bcr die spd nichts zu suchen haben.

@anti spd:
Deinen Beitrag kannst Du Dir schenken.

Ich weiss nicht, ob es sonderlich toll ist, Trauerarbeit auf diese Weise u00c3u00b6ffentlich aufzuarbeiten und derart schmutzige Wu00c3u00a4sche zu waschen. Egal, wer den Schmutz auf die Wu00c3u00a4sche gebracht hat.

Wenn du jetzt erwartest, dass wir dir einhellig zustimmen sollen, dass jemand unsensibel war, dann muss ich zumindest aus dem Chor austreten und sagen: Nein. Niemand ausser die Beteiligten wissen, was fru00c3u00bcher im Detail vorgefallen ist und ohne dieses Wissen (das ich nicht wissen will) kann niemand wirklich Partei ergreifen.

Du hast mein wirklich tief empfundenes, herzliches Beileid in diesen schweren Tagen. Vor einigen Wochen ist zwar kein direkter Familienangehu00c3u00b6riger, aber ein sehr enger Freund gestorben und ich habe mich ebenfalls sehr zusammenreissen mu00c3u00bcssen, um in einer verletzlichen Stunde keine falschen Worte gegenu00c3u00bcber meiner Meinung nach undankbaren Menschen zu sagen. Im Ru00c3u00bcckblick war es besser so.

Ruf die Deppen an und sag Ihnen das. Sagu00c2u00b4s Ihnen, auch mit nem Gruss von mir, sowas gehu00c3u00b6rt sich einfach nicht unter Genossen, und wenn die dann immer noch einen auf Dumm machen, dann knall es ihnen hin.

@anti spd: Es ging hier hu00c3u00b6chstens (!!!) um einen Kreisverband und nicht um die ganze Partei, das sagte Nobbi ja auch schon.

Wer eine Partei, die Versucht den Deutschen und EUropu00c3u00a4ern das Leben zu vereinfachen (was nicht immer gelingt), als Bauernverein bezeichnet, hat schon etwas an glaubwu00c3u00bcrdigkeit in seinen Post verloren, das nur mal als Anmerkeung. Denn ich glaube in der CDU sind mehr Bauern als in der SPD ;)

unabhu00c3u00a4ngig davon kann ich sowieso nicht verstehen, wie man u00c3u00bcberhaupt Mtglied bei dem Bauernverein SPD sein kann. Diese Haltung passt dann letztendlich aber dazu, von dieser Partei kann man nichts anderes erwarten...

Hallo,

ich komme selbst aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg und bin SPD-Mitglied und Kreispolitisch aktiver Juso, sowie im Dassendorfer SPD Vorstand.
Leider kann ich nicht soviel zur Kreispolitik der SPD sagen. Von unserer Vorsitzenden habe ich noch nicht viel gehu00c3u00b6rt. So leid mir das tut, aber die stellv. Vorsitzende habe ich u00c3u00b6fter gesehn als die Vorsitzende, ich habe auch nicht viel Gutes von anderen u00c3u00bcber sie gehu00c3u00b6rt.
Was ich damit sagen will? Nichts. Wer letztendlich entschieden hat keine Anzeige zu schalten wissen wir nicht. Ich finde es schade, dass du meinst, dass die Kreis SPD kleinkariert etc wu00c3u00a4re, denn das stimmt, so wie ich das sehen kann, nicht!

solidarischer Gruu00c3u009f
Lennart

Es interessiert die 'Genossen' vor Ort ja offensichtlich nicht, warum sollte sie das Zuru00c3u00bccksenden eines Parteibuches dann noch interessieren?

Zudem wird es einen Herrn Beck bzw. seine Mitarbeiter schon interessieren, den diese Art von Handlungen verhindern zuku00c3u00bcnftige Wahlergebnisse.

[Die menschliche Enttu00c3u00a4uschung geht davon nicht weg und wird auch nicht geheilt, denn das steht auf einem anderen Blatt.]

Darf normalerweise nicht passieren, wenn jemand jahrelang fu00c3u00bcr die Partei da war. Egal, ob er irgendwann ausgetreten ist, man ignoriert das nicht.

Dein Vorhaben, das Parteibuch an Kurt Beck zuru00c3u00bcckzuschicken, ist allerdings vollkommen verkehrt, denn was kann die SPD als Ganzes fu00c3u00bcr ein Versu00c3u00a4umnis der Genossen vor Ort? Dort musst Du ansetzen. Die Kreis-SPD mu00c3u00bcsste reagieren. Gleich alle in einen Sack zu stecken finde ich absolut nicht in Ordnung.

Wenn wir hier vor Ort von solchen traurigen Anlu00c3u00a4ssen Kenntnis erlangen - bei ausgetretenen Mitgliedern bekommt man das ja in der Regel fast nur per Zufall mit - kondolieren wir natu00c3u00bcrlich. Das ist selbsverstu00c3u00a4ndlich.

Ich kann verstehen, dau00c3u009f Du sauer bist.

Ich erinnere mich sehr gut daran, dau00c3u009f die FDP auch fu00c3u00bcr Ju00c3u00bcrgen W. Mu00c3u00b6llemann eine Anzeige geschaltet hat. Der war zu dem Zeitpunkt auch nicht mehr Mitglied dort.