Handwerkerparalleluniversum

Nico —  25.07.2006

Ich habe ja schon länger das Gefühl, dass Handwerker und ich nicht im selben Universum leben. Ich verstehe Ansagen wie „wir kommen zwischen 7 und 16 Uhr“ nicht, vor allem finde ich dabei so abstrus, dass wie selbstverständlich angenommen wird, dass man gerne den ganzen Tag zu Hause bleibt, nur um auf einen Handwerker zu warten. Genauso wenig verstehe ich dann, dass immer ein Teil fehlt und dieses noch „mal fix“ besorgt werden muß, aber na gut, jeder hat mal was vergessen, nur warum ist das quer durch die Bank so?

Ganz phänomenal war eben gerade der Anruf, um 7:11, zwecks einer Terminabsprache. Hallo? Um 7:11 drohe ich normalerweise Anrufern mit Schläge und selbst mein Vater, der ein begnadeter Frühaufsteher war und selbst im Urlaub schon vor 7 Uhr seinen ersten Rundgang durch die noch schlafende Stadt gemacht hatte, konnte dann irgendwann während meines Studiums einsehen, dass ich seine Anrufe zwar sehr schätze, aber nicht um kurz nach 7 Uhr. Ganz hervorragend war der Kommentar „na gut, dann rufe ich später wieder an, ich bin aber nur bis 16 Uhr zu erreichen.“ Ist 16 Uhr irgendwie eine magische Schwelle für den Handwerker an sich? Diffundieren danach die Werkzeuge ins Nichts? Gibt es irgendeinen Vorteil, wenn man die Arbeit um 7 Uhr beginnt, ausser, dass man dann andere Menschen tyrannisieren kann, so wie die Bauarbeiter gerade vorm Haus? Fühlt man sich besser, wenn man mitten in der Nacht aufsteht und Nachmittags Feierabend hat, damit man dann um 22 Uhr ins Bett gehen muss?

Es will mir vor allem nicht in den Kopf, wie man davon ausgehen kann, dass um kurz nach 7 Uhr Leute schon angerufen werden wollen. Schon mal was von Dienstleistungsgesellschaft gehört? Kunde? König? Warum meinen die eigentlich immer, sich so etwas herausnehmen zu müssen? Wird das im ersten Ausbildungsjahr unter dem Stichwort „dezente Tyrannei“ gelehrt? Ist das so wie bei Friseuren, die lernen, wie die ganzen kleinen Häarchen schön im Nacken verteilt werden, damit es den ganzen Tag über juckt?

Ich gehe fest davon aus, dass wenn wir ein wirkliches Problem haben und nicht eine kaputte TV-Kabeldose, dass dann niemand morgens um 7 Uhr anrufen wird, um einen Termin für das Stoppen des riesigen Wasserrohrbruches zu vereinbaren, der mittlerweile die halbe Strasse weggeschwemmt hat, sondern dann wird man keine Zeit haben, weil gerade „alle Mitarbeiter im Termin“ sind. Man kennt das ja.

13 responses to Handwerkerparalleluniversum

  1. Nu mach mal halblang. Menschen, die mit ihren Händen arbeiten, fangen traditionell um 7 an, im Sommer eigentlich schon um 6, weil es danach nämlich \“aufm Bau \“ ganz schön heiss wird. (bei uns haben sie heute morgen um 5:40 die Gerüste gegenüber vom offenen Schlafzimmerfenster abgeladen und um 6 den Betonmischer angeschmissen, aber das nur nebenbei). Und 16.00 ist ein normales Arbeitsende für jemanden, der 9h vorher auf der Matte stand. Sieh doch mal den Vorteil, dass die Leute eigentlich schon 2h oder sowas arbeiten, eh du aus dem haus gehst, also besteht die begründete Hoffnung, dass du es schaffst, mal einen zu dir nachhause zu kriegen, der alles erledigt, bevor dein regulärer Arbeitstag beginnt:-)

  2. nö, ich mache nicht halblang. bei bauarbeitern im sommer kann ich den fruehen arbeitsbeginn nachvollziehen, aber ich rufe doch auch nicht meine geschaeftspartner morgens um 7 Uhr. wenn schon Tradition, dann auch ein klares \“das gehört sich doch nicht\“.

  3. Du bist auch kein Handwerker und solltest Du jemals auf dem Bau gearbeitet haben, würdest Du einsehen, daß es unmöglich ist bei Affenhitze zu arbeiten, die Dir zwangsläufig begegnet wenn Du erst 9.00 plus anfängst.

  4. nee, ich bin kein handwerker, aber ich verstehe nicht, wieso jemand, der eine kabeltvdose überprüfen soll, morgens um 7 uhr einen termin machen muss. ist da gefahr im verzug? ist das programm besser am morgen?

  5. Es sind einfach deren Arbeitszeiten, nicht jeder Berufsstand fängt erst mitten auf dem Tag an:)

  6. das sagt nochmal wer? :)

  7. Die stillende Mutter, die auch mitten in der Nacht \“on duty\“ ist und dementsprechend morgens müde.
    Aber zu meinen Handwerkerzeiten stand ich auch immer pünktlich um 7 in der Werkstatt. Zu Briefträgerzeiten um 6 in der Halle.

  8. einen handwerker um siebzehnuhr zu bekommen ist schwieriger als von beckenbauer ein kind. dienstleistung wird wohl nie deutsch.

  9. Dennoch 7 finde ich jetzt mal nicht sooo früh, also für arbeitende Menschen ist das nicht früh.

    Falk

  10. \“Dienstleistungsgesellschaft\“ führen im allgemeinen die Leute an, die morgens gern lange schlafen, auch samstags, um dann auf den letzten Drücker (weil man ja solange schön gefrühstückt hatund im Park war) um 19:30 noch Lebensmittel zu kaufen (eh sie dann pünktlich um 20:00 im Kino sitzen) bei Leuten, die gern schon zu Hause wären aber bis 20:00 verkaufen und danach dann Kasse machen etc., für die ist dann die Teilnahme an normalen Wochenendveranstaltungen gar nicht mehr möglich… Mal darüber nachgedacht, wenn es immer um ellenlange Öffnungs/Servicezeiten etc geht. ausserdem muss es auch jemand bezahlen. Seit alles länger auf hat findet man ausserhalb der Kernzeit nirgends mehr Verkäufer oder wenn 1 Monteur da ist und der hat was zu tun, hilft das auch nicht weiter. Als es noch den langen Donnerstag gab, hatten alle Geschäfte auf, man konnte sich drauf verlassen… Alle Handwerker haben von 7 bis 16 uhr Dienst, wenn sich das auch aufweicht, dann kann man sich auch da auf nix mehr verlassen, das macht es nciht einfacher, denn es werden weder mehr Arbeitsplätze noch längere Gesamtzeiten dabei rauskommen – nur schlechtere Abdeckung.

    Und ausserdem: 7.00 ist nicht ausserordentlich früh für \“normalarbeitende\“ Menschen… wie schon oben erwähnt:-)

  11. Die fangen doch deshalb so früh an, damit sie von 16:30 Uhr bis 22 Uhr auf den 3-5 Schwarz-Baustellen für Leute arbeiten können, denen die \“normalen\“ Handwerker zu teuer sind…

  12. Und was ist mit dne Leuten, die in den Kinos arbeiten. DIe haben auch können auch nicht an \“normalen Wochenendveranstaltungen\“ teilnehmen.
    die müssen sich nunmal damit abfinden, dass es solche und solche Arbeiten gibt.
    Deshalb ist mein Telefon generell vor 8 uhr aus. Dann sollen sie es halt später versuchen.
    So lernen sie es wenigstens.

  13. Und was ist mit den Leuten, die in den Kinos arbeiten?
    Die können auch nicht an \“normalen Wochenendveranstaltungen\“ teilnehmen.
    Die Handwerker müssen sich nunmal damit abfinden, dass es solche und solche Arbeiten gibt und nicht immer jeder zu erreichen ist, wenn sie anrufen.
    Deshalb ist mein Telefon generell vor 8 uhr aus. Dann sollen sie es halt später versuchen.
    So lernen sie es wenigstens.
    Und von Handwerkern unter freiem Himmel spricht hier auch keiner.