Eindrücke aus Iowa

Nico —  16.08.2006

Des MoinesIch war das letzte Mal 1999 in Des Moines, Iowa, davor 1996, 1991 und 1989/90. Wie es eben so ist, gibt es jedes Mal Veränderungen, die man sofort merkt, einiges aber bleibt gleich und vieles bekommt man erst nach und nach mit.

Für mich sicherlich das beeindruckendste Feature des diesjährigen Aufenthalts: es gibt Wasser in Flaschen. Das klingt jetzt für den geneigten Mitteleuropäer an sich nicht besonders aufregend, aber ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mit grossen Augen angeguckt wurde, als ich im Supermarkt eine Flasche Wasser erstehen wollte. Wasser kommt aus dem Wasserhahn und konnte anderenfalls zudem lange Zeit nur in Kanistern erworben werden. Wasser in Flaschen klang für Amerikaner wie Luft in Dosen, ein total skuriles Konzept. Nun aber gibt es selbst bei Dahl’s in Des Moines Gerolsteiner zu kaufen, von vielen verschiedenen amerikanischen Wassern ganz abgesehen. Es macht zwar wenig Sinn, Wasser aus Deutschland in den Mittleren Westen zu exportieren, aber es gibt ja bei uns auch amerikanisches Bier zu kaufen und die Unterschiede sind gering.

050820062268Womit wir beim nächsten Thema wären: Die Bier-Vierfalt im Mittleren Westen ist ziemlich gut, man kann sogar Biere finden, die einem schmecken. Was mich wieder einmal fasziniert hat: jeder, aber auch wirklich jeder, den ich getroffen habe, hat sich begeistert gezeigt über deutsche Biere, auch wenn eigentlich nur Beck’s und Löwenbräu sowie Bitburger und Warsteiner bekannt sind, von dem Exportschlager St. Pauli Girl mal ganz abgesehen. Ebenso haben sich alle ablehnend zu amerikanischen Mainstream-Bieren geäussert, aber dennoch Bud Light und Konsorten getrunken. Warum nur? Es gibt genügend leckere, oftmals lokale Sorten.

Kaffee ist so eine weitere Sache, wo man durchaus Fortschritte in den letzten Jahren beobachten kann. Mittlerweile gibt es neben dem üblichen labberigen Filter-Plörrzeugs auch Latte, Mocha und so weiter, noch dazu an fast jeder Ecke. Einzig die Sache mit dem Schaum, das kann Starbucks immer noch am Besten, die anderen rühren die aufgeschäumte Milch gerne unter, was etwas seltsam erscheint.

060820062280Im Mittleren Westen sind Drive-Thrus und Drive-Ins immer noch sehr beliebt und an jeder Strasse zu finden. Von Fastfood, Kaffee, Geldautomat/Bank, Apotheke bis hin zur Reinigung kann man vieles bequem vom Auto aus erledigen. Klingt seltsam? Nö, ist sehr praktisch, wenn man eh im Auto sitzt, da entfällt die Suche nach dem Parkplatz und wenn man Kinder hat das ewige Aus- und Einladen.

Der Sommer in Iowa ist in der Regel heiss und daher ist die Nutzung von Klima-Anlagen, im Volksmund schlicht „AC“ genannt, allgemein üblich. Was ich nie verstehen werde: warum werden die Dinger immer auf Kühlschranktemperatur heruntergekühlt? Angenehm warm reicht doch auch aus, man sollte doch noch merken, dass Sommer ist und nicht beim Betreten einer Mall oder eines Hauses einen Pulli überziehen müssen.

Dabei sind wir dann auch schon beim Schnupfen, den man sich auch im Sommer gut einfangen kann. Ein Mysterium ist die Art und Weise, wie der amerikanische Nasenputzer den Schnodder ins Papier bekommt. Zum einen gibt es nicht wirklich Papier-Taschentücher, sondern nur die allgegenwärtigen Kleenexboxen und vereinzelt dann auch Kleenexkrams in kleineren Verpackungsgrößen. Aber die Dicke dieser Papierfähnchen mag sich vielleicht noch zum Gesichtabtupfen eignen, zum Reinschnauben sind sie gänzlich ungeeignet, es sei denn, man hat gerne Schnodder in der Hand. Tempo, da ist ein Markt. Selbst die in Germanien zu findenen Kleenex-Taschentücher haben eine bessere und vor allem dickere Qualität als in den USA. Beim nächsten Aufenthalt werde ich mir mal zeigen lassen, wie man sich dort die Nase putzt.

Bleibt noch das Fernsehen. Zwischen den Werbeblöcken gibt es Serien und Filme in Eigenproduktion. Knapp 100 Kanäle, aber nix zu sehen. CNN ist so bunt und blinkend, dass ich immer denke, dass das ein Homeshoppingkanal ist. Um die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu binden, wurde permanent „Developing Story“ eingeblendet, wenn es um den Nahen Osten ging. 2 Wochen lang. Lokale News gibt es auf anderen Sendern um 6 und um 22 Uhr, auch hier ist die Show und die Analyse das Allerwichtigste, ein Format wie Tagesschau sucht man vergebens. Zurück in Deutschland musste ich feststellen, dass unsere Fernbedienung immer noch kaputt ist. Das ist vielleicht eine Umstellung, wenn man nicht mehr zappt, sondern den Abend lang mehr oder weniger einen Sender guckt.

Der Mittlere Westen der USA ist schon ein bizarres Reiseziel, aber schön.