Ladenschluß in NRW

Nico —  16.08.2006

Kaum habe ich mich im Urlaub daran gewöhnt, dass ich einkaufen kann, wann ich will, erfreut mich schon diese Meldung aus NRW:

Kunden in Nordrhein-Westfalen sollen in Zukunft an Werktagen rund um die Uhr einkaufen können. Die Landesregierung gab am Dienstag in Düsseldorf grünes Licht für einen Gesetzentwurf, wonach die Ladenöffnungszeiten von montags bis samstags vollständig freigegeben werden, wie Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) erläuterte. An Sonn- und Feiertagen sollen die Läden weiter geschlossen bleiben. Bei einer zügigen Beratung im Düsseldorfer Landtag könne die Neuregelung bereits zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft in Kraft treten, betonte Thoben.

Das ist doch schon mal ein Anfang. Warum ich am Sonntag keine Besorgungen erledigen darf, ist mir weiterhin schleierhaft, aber mit der Trannung von Staat und Kirche nimmt man es hierzulande ja eh nicht so genau, da wird lieber an einem Weltbild festgehalten, dass mehr als nur überkommen ist. Wer nicht will, der muß ja Sonntags nicht einkaufen. Die Realität sind gut bestückte Märkte in Tankstellen, die zu überteuerten Preisen vieles haben, aber immer genau das nicht haben, was ich gerade brauche.

Schafft dieses dusselige Ladenschlußgesetz ganz ab und nicht nur teilweise in NRW. Wenn ich die geplanten Ausnahmeregelungen lese, dann wird mir schlecht. Dieser Rückschritt in die Kleinstaaterei zeigt allerdings auch, wie toll unser Förderalismus noch funktioniert. Nach und nach werden andere Länder nachziehen, da bin ich mir sicher.

28 responses to Ladenschluß in NRW

  1. Nachziehen? Viele sind schon lange so weit, nachdem der Bund das den Ländern freigegeben hat….

  2. ups, sorry für die code-schnippsel..

  3. Mh, also ich würde es nicht ganz so unkritisch sehen: der Arbeitsmarktmist eng, die Arbeitnehmer nehmen immer mehr Zusatzbelastungen auf sich, ertragen immer mehr Schikanierungen weil sie Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Und das vor Allem im hochgelobten, meist nicht gewerkschaftlich organisierten Mittelstand bzw. Einzelhandel. Was ist denn mit den Müttern, die im Supermarkt Samstags an der Kasse sizten? Würde sich die Familie nicht über einen Ausflug in den Zoo freuen? Selbst der Einzelhandel an sich erwartet keinen erhöhten Umsatz durch neue Ladenschlußzeiten (was man übrigens während der WM Zeit schon gemerkt hat). Ich finde das ganze zumindest zweischniedig….

  4. ja, krankenschwestern würden auch gerne am samstag mit den kindern in den zoo, ebenso polizisten, feuerwehrmänner, schichtarbeiter, astronauten im all u.v.a.m.

  5. ;) jo, aber: menschen fahren auch sonntags auto, ergo braucht man polizisten und krankenschwestern, ärzte, …, die die unfallopfer wieder zusammenflicken. Aber musst du unbednignt sonntagnacht um 21:30 nach dem tatort noch einkaufen gehen? das ganze ist doch ein reines Luxusproblem auf kosten anderer….

  6. luxusproblem? nö. aber warum sollten läden geschlossen sein, wenn ich etwas einkaufen will?

  7. Warum sollte EINE Verkäuferin darauf warten, dass EIN Kunde kommt? Warum sollte im Supermarkt 24/7 die Kühltheke auf voller Power laufen, damit mitten in der Nacht zwei Kunden frischen Käse kaufen können. Es scheint wirtschaftlich nicht ganz sinnvoll zu sein – es sei denn Du kannst die Aushilfen mit 4,50?/h abspeisen – was dann wahrschienlich der nächste Schritt sein wird. Herr Lumma: wo ist denn das Parteibuch geblieben? ;)

  8. mein Parteibuch ist mir scheißegal. Mich nervt es maßlos, dass mit den immer gleichen Ammenmärchen von der armen Verkäuferin die Geschäfte immer dann zu sind, wenn ich Zeit oder Muße zum Einkaufen habe.

  9. sehr soziela sind sie ja nicht eingestellt herr lumma. ist ja wie sie sagten auch egal. ich muss sonntgs nicht einkaufen gehen. mir wäre schon geholfen, wenn die geschäfte montags bis samstags von 7.00-22.00 h geöffnet haben. ich würde nie aber auf die idee kommen selbst um diese uhrzeit zu arbeiten, dehalb kann ich es verstehen, wenn andere es auch nicht wollen. ich habe es auch wärend der wm mitbekommen, dass die nachfrage garnicht so hoch war obwohl es ja verlängerte öffnungszeiten gab. mfg Xe54

  10. Für diese Bequemlichkeit müssen andere leiden und darum ist der Anspruch rund um die Uhr einkaufen zu können meiner Ansicht nach etwas vermssen. Erweiterte Öffnungszeiten, gerne, wenn dafür weiter Kräfte eingestellt werden zB. 20 Uhr ist für Arbeitnehmer oft schwer einzuhalten, sehr ich ein, aber Luxusshoppen nachts um 23 Uhr? Muß nicht sein. Und das andere Berufsgruppen rund um die Uhr Arbeitszeiten haben ist ein hinkendes Beispiel, denn die Notwendigkeit Ordnung oder Gesundheit zu erhalten steht ein wenig über der Notwendigkeit nachts eine Hose oder ein PSP Spiel zu erwerben.

  11. arbeit ist oftmals nicht schön, das stimmt.

  12. Genau: Lass andere doch ruhig rund um die Uhr arbeiten, damit Deine Bequemlichkeit gesteigert werden kann. Natürlich kann man Dir nicht zumuten von Montags bis Samstags zwischen 6 und 20 Uhr einzukaufen.

    Und was die \“Argumente\“ mit Krankenschschwestern und Polizisten betrifft: Vebrechen geschehen rund um die Uhr und Kranke müssen 24 Stunden gepflegt werden. Das sind systembedingte Notwendigkeiten. Dass die Verkäuferinnen hingegen rund um die Uhr zu Deinem Vergnügen arbeiten ist mitnichten notwendig.

    Aber so ist das, wenn man in der \“Partei der kleinen Leute\“ nur zum Schein Mitglied ist und eigentlich lieber möchte, dass der Markt alles regelt, gell? Lass doch die, die keine Lobby haben, ruhig Schichtdienst machen bis zum abwinken. Hauptsache der Herr kann einkaufen wann er will.

  13. Nico braucht nachts neue Hosen? ;)

  14. tja, das ist das schöne am thema. die wogen schlagen hoch.

    wer redet denn davon, dass ich nachts klamotten kaufen will? eben.

    mir geht es auch nicht darum, dass alle geschäfte immer auf haben. in der tat werden die öffnungszeiten vom markt ganz gut geregelt, wie anderswo auch.

    hier muss sich auch niemand kuenstlich aufplustern und auf meine parteimitgliedschaft verweisen, denn eine mitgliedschaft in einer partei bedeutet noch lange nicht, dass man 100% linientreu sein muss, aber das nur am rande.

    mir hat bislang nur noch niemand sagen können, warum per gesetz festgeschrieben werden muss, wann ein geschäft aufhaben darf. schichtarbeit gibt es anderswo auch, das allein kann es nicht sein.

  15. Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Ja, Verkäufer haben andere Arbeitszeiten als Büroangestellte. Das ist ja auch gut so, die müssen ja auch irgendwann mal einkaufen. Und Taxifahrer fahren auch die ganze Nacht Taxi, weil es Leute gibt, die nachts Taxi fahren wollen. (Die könnten ja auch tagsüber fahren. Reines Luxusproblem, wenn Leute meinen, nachts Taxi fahren zu wollen. Warum pennen die nicht da, wo sie nachts sind? Bei Freunden? Im Hotel? Oder sie fahren mit dem eigenen Auto.)

    Ich finde, Geschäfte sollten vor allem dann aufhaben, wenn andere Leute nicht arbeiten müssen. Dann haben die auch Zeit zum Einkaufen.

  16. Du hast ja vollkommen recht: das ist auch überhaupt keine parteipolitische frage. aber: dass ohne gewisse vorschriften und regeln eine gesellschaft eben nicht sozial und verträglich funktioniert sieht man doch an jeder ecke: gäbe es kein gesetz zum einsatz von katalysatoren, würden autos in D wahrscheinlich immer noch wesentlich umweltunverträglicher fahren, als sie es im moment tun. Der Statt sollte doch an der Stelle regeln setzen, Rahmenbedingungen schaffen, um gewisse Richtungen vorzugeben innerhalb derrer sich ein Markt selber regulieren kann. Und über diese Regeln und Grenzen kann man halt diskutieren. Aber: Grenzen müssen sein.

  17. ja, aber willkürliche grenzen, einfach so, weil schon immer so?

  18. Nein natürlich nicht – die Geschäfte haben ja wohl auch seit langem nicht mehr nur bis 18:30 geöffnet, oder? Natürlich muss sich das dem Markt anpassen. Insofern gebe ich Sibylle vollkommen recht: erweiterte Öffnungszeiten finde ich absolut richtig. Aber bitte vernünftig, und mit ein wenig Rücksicht auf den Menschen (man kann es doch wenigstens versuchen, oder? ;) ).

  19. ich bin davon überzeugt, dass sich das alles selbst regulieren wird und später geht nach 22 h sowieso niemand mehr einkaufen. dann sehen es alle, dass es sinnlos war gegen ladenschlusszeiten sturm zu laufen. es ist ja sowieso alles beim alten. außer in großen städten wird sich nicht so viel ändern. es ist aber trotzdem nicht arbeitnehmer freundlich wie jegliche schichtarbeit aber irgendwann gewöhnt man sich an alles. mfg Xe54

  20. Die Grenzen sind nicht willkürlich, sondern schützen Arbeitnehmer und deren Familien vor unsinnigen Arbeitszeiten. *Ich* will im übrigen auch keine 24/7 Gesellschaft, sondern eine, die auch mal zur Ruhe kommt.

  21. Ich finde es hier in Dublin ehrlich gesagt grossartig dass ich jederzeit einkaufen kann. Die Tesco Superstores haben 24/7 geöffnet und dort gibts wirklich alles. Auch Nachts um drei Uhr halt. Generell haben hier die Geschäfte auch am Sonntag auf. Klamottenläden usw. in der Regel bis 19 Uhr und der Lebensmittelmarkt bis um 21 Uhr. Wo liegts das Problem? Sollten die Betreiber von solchen Geschäften nicht selbstbestimmen dürfen ob sich das für sie lohnt oder nicht? Auch als SPD-Mitglied sehe ich da keinen Grund wieso man den Handel da einschränken sollte.

    Übrigens, auch mit einem Mindestlohn funktioniert das hier… ;)

  22. Ich folgere daraus, dass sie zu denen gehören, die noch freie Mittel haben, die sie in die Geschäfte bringen können. Ich denke den real 6-7 Millionen Arbeitslosen und ihren Familien, den 20 Millionen Rentnern/Pensionären, den Beschäftigten im Einzelhandel mit ihren geringen Löhnen, und vielen anderen in Deutschland langen die Öffnungszeiten allemal.

    Luxusprobleme. Klar hat das nichts mit dem Parteibuch zu tun, aber ein wenig damit, wie sich die Parteien von den Bürgern entfernt haben.

    Eines ist klar: Diese wird die Konzentration im Einzelhandel weiter fördern. Metro, Karstadt und andere Fialialunternehmen können sich darauf einstellen. Sie stellen sich schon drauf ein, inden seit ein paar jahren riesige Supermärkte und Einkaufszentren in die Landschaft gestellt werden. Da wird dann mit vergleichbaren Personalkosten eine grössere Verkaufsfläche betrieben. Denn nur solche grossen Flächen sind attraktiv genug, um Kunden auch nach 20:00 anzuziehen.

    Sie waren gerade in Iowa: Wieviele inhabergeführte Geschäfte gibt es da und wann haben die geöffnet?

  23. ich glaube ja eher daran, dass kleine einzelhändler dann öffnen, wenn ihre kunden es gerne hätten.

    bzgl. iowa: woher soll ich das wissen? bin ich die handelskammer oder was? es ist aber keinesfalls so, dass nur die grossen ketten auf haben. die natuerlich auch, aber nicht ausschliesslich.

  24. \“Luxusprobleme. Klar hat das nichts mit dem Parteibuch zu tun, aber ein wenig damit, wie sich die Parteien von den Bürgern entfernt haben.

    Entschuldigung!?? Darf ich trotz Parteibuch noch eine (eigene) Meinung haben?! Danke!

    BTW: Die ewigen Neider in Deutschland gehen einem auch auf den Nerv. Gutes Beispiel.

  25. Ich stimme Nico zu, die deutsche Regelung des Ladenschluss ist veraltet. Während der WM hatten in Frankfurt viele Geschäft auch am Sonntag auf und Mo-Sa bis 22.00 Uhr. Klar um 21.00 tummelten sich nicht mehr soviele pot. Käufer in den Geschäften, aber endlich hatten wir in Frankfurt ein Servicelevel, gemessen an den Öffnungszeiten, wie in anderen europäischen Großstädten. Die kleinste Metropole der Welt ganz gross!

    Was den Sonntag betrifft muss ich sagen, dass es vielleicht nicht rund-um-die-Uhr-Öffnungszeiten sein müssen, aber zwischen 11.00 Uhr und 16.00 Uhr könnte ich mir gut vorstellen.

    Wer nach 18.30 Uhr nicht arbeiten möchte, der sollte auch nicht gezwungen werden, aber manchmal ist es halt so. Das Leben ist kein Wunschkonzert und eine sich wandelnde Gesellschaft mit neuen Lebensmodellen sorgt eben auch für neue Jobmodelle.
    Nico bewegt sich sicherlich wirtschaftspolitisch gesehen auf altem Schröderkurs, aber das ist ja in diesem Fall nicht verkehrt!

  26. Das Problem ist, dass es nicht plötzlich mehr Umsatz gibt, sondern sich der Umsatz auf einen größeren Zeitraum verteilt. Das führt zu höheren Kosten für den Betreiber der, gerade in Ballungszentren, nicht einfach bei den alten Öffnungszeiten bleiben kann. Diese höheren Kosten werden sich in Preisen und Lohnniveau widerspiegeln.
    Soweit richtig.
    Aber so läuft das nunmal in der modernen Gesellschaft, der Markt verändert sich, was im deutschen Lebensmitteleinzelhandel noch Horrorvision ohne Realitätsbeispiel ist, gibt es in den USA bereits. Amazon USA verkauft bereits Lebensmittel. Bei Büchern und Elektronik ist das auch hier schon so. Wenn der Einzelhandel mithalten will, muss er sich ranhalten. Oder es heißt für die Mitarbeiter bald ganz zu Hause bleiben statt ungewohnter Arbeitszeiten. Ich freue mich da, als Angestellter im Einzelhandel, auch nicht besonders drauf. Aber so ist das eben.

  27. Also ich sehe das auch eher als negative endwicklung! Wenn ich mir anschaue wie es bei der letzten veränderung des Ladenschlußgesetztes gewesen ist. Was hat das gebracht?
    Die läden öffnen länger, das Personal was da war wurde gekürzt und durch sogenannte \“frühpackteams\“ erweitert. D.h. Personal das für ca. 5?/std. akkord auspacken muss!
    Weiter wurde von allen die noch ihren Vetrag behalten wollen verlangt das sie \“Flexibel\“ sind. Das wiederum heißt das sie max. 2 tage in vorraus wissen wann sie arbeiten müssen oder nicht.
    Dazu muss man sehen das dank der vielen lieben Discounter der bereich das wahre wunder is, also immer weniger leute in festanstellung die immer weniger verdienen, und sobald sie auch nur auf den Gedanken einer gewerkschaft kommen um ihr ruhiges leben fürchten müssen!

    Okay, auch ich habe es genossen abends nach meinem Dienst noch einkaufen gehen zu können, doch muss ich mitten in der Nacht mein Müsli kaufen?

    Also nutzen, so denke ich, wird es niemanden, und wenn doch dann Herrn Schwarz und co!

  28. Mir fehlt noch das übliche Argument \“und eigentlich reicht der Ladenschluß bis 18 Uhr, wer es bis dahin nicht geschafft hat ist asozial\“ und \“man kann dieses nachts arbeiten niemandem zumuten!!\“ (aber morgens ab vier oder fünf aus dem Haus ist okay wenn man im Supermarkt arbeitet, ja klar.

    Und ja, immer diese Ammenmärchen über die armen Verkäuferinnen, die dann nicht mit der Familie in den Zoo können, dieses Klischee von zerstörter Familie – wenn überhaupt dann ist es die Verkäuferin, die statt dessen an einem anderen Tag mit den Kindern nachmittags in den Zoo kann, der dann weniger überlaufen ist.

    Tatsache ist: Es gibt Läden die Sonntags offen haben. Es kaufen Menschen abends ein.

    Apropo Luxusproblem: Einer der Gründe, warum Herr Lumma \“Mittel hat\“ die er in die Läden tragen könnte? Weil sie ihn nicht lassen.

    Einfach nur \’nein\‘ zu sagen ist einfach; stattdessen tragbare Konzepte zu entwickeln die beiden Seiten gerecht werden offensichtlich langweilig.

    Nicole