Verschwendung – Wirtschaft, Überfluss und die Erziehung zur Sparsamkeit

Nico —  20.08.2006

Irgendwann vor ein paar Wochen bin ich beim Blättern in der Brand Eins auf eine Anzeige für das Buch Verschwendung von Wolf Lotter gestolpert und dachte spontan: „hey, wenn ich eins gut kann, dann das, vielleicht sollte ich das mal lesen!“ – das habe ich nun getan.

Das Buch regt zum Nach- und Mitdenken an, denn es stellt einige Annahmen und Denkmuster auf den Kopf mit denen meine Generation aufgewachsen ist. Lotter schreibt von der Verschwendung als eine positive Sache, die produktiv ist und neue Ideen zu Tage fördert. Letztendlich, so Lotter, kommen wir ohne Verschwendung nicht voran, denn nur durch sie wird Verlangen nach mehr geschürt. Lotter geht mit Sparsamkeitsfanatikern und Predigern der Knappheit ins Gericht und stellenweise liest sich das Buch wie eine Abrechnung mit verhärmten Vertretern der 68er-Generation. Gerade deswegen hat es mir gut gefallen.

Lesen. Es regt an.

7 responses to Verschwendung – Wirtschaft, Überfluss und die Erziehung zur Sparsamkeit

  1. Kinderkacke. Zwischen Verschwendung und Versagen liegt der verantwortliche Umgang. Verschwendung predigen heißt nur in der erwachsenen Wirklichkeit nicht angekommen zu sein. (Ach, und wo hätten die 68er sich oder anderen etwas versagt? Allerdings haben sie Werte verschoben).

    Aber 68er-bashing ist ja irgendwie in. Mir scheint, dass ein paar Nachzügler der ???Generation Golf? unbedingt ihr Lacoste-feeling zurückhaben wollen, verwöhnte Gören, die mal kräftig mit dem Füßchen aufstampfen und dieses als (verspätete) ???Kritik? verpacken.

  2. piet, dein kommentar kommt schön aus der hüfte geschossen, aber das war es auch schon, oder?

  3. Oh, ich habe nichts gegen die Idee des Grundeinkommens, im Gegenteil. Ansonsten aber ist die Idee, dass Konsum (unter bestimmten Umständen) die Wirtschaft ankurbelt, irgendwie weder originell noch neu (ähm, spielte da nicht Steuerpolitik noch eine Rolle?). Was also, außer die Thematik am Zeitgeist (s.o. 68er-bashing, Aufnahme der ???Sozialneid?-These, etc.) auszurichten, ist grundlegend neu oder auch nur annähernd Erkenntnis-fördernd?

    Naja, der neoliberale Jungspunt (auf der Suche nach Leuchtspur-Munition) hat eine neue Fibel, ist doch auch schön.

  4. ich finde ja, dass die suche nach schubladen und das hereinstecken ziemlich am thema vorbei geht. die welt ist nicht mehr so einfach, dass wir lediglich ein paar schubladen brauchen, um erklärungsmuster herauszuziehen.

  5. Darf ich dezent auf den wahren Vertreter dieser Zunft des luxusorientierten Marktmodells hinweisen? Mit 400 Seiten wahrlich nicht einfach und platt, und trotz seines Alters immer noch frisch, so frisch wie menschliche Leidenschaften.

  6. „Verhärmte Vertreter der 68er-Generation“?

    Solche z.B.??

    Hmm. Ich hätte die Blumenkinder, Antiautoritären und Sexualbefreier eher für lustvoll gehalten…

    Nunja, es kommt halt Murks raus, komplette Generationen pauschal abqualifiziert und irgend ein ulkiges ideologisches Schema drüberstülpt.

    Hier ist dies der Hass auf „die“ 68, welcher zu Wolf Lottner gehört wie der Käse zur Pizza.

    P.S.

    Ich glaube nicht, dass sich Lust und Verantwortung kategorisch ausschließen.

  7. Preved dyatlam!