Train-Marshalls mit Videokameras

Nico —  21.08.2006

Nach der Festnahme eines mutmaßlichen Verdächtigen, der zusammen mit einem Komplizen Bomben in zwei Nahverkehrszügen zur Explosion bringen wollte, können sich einige Politiker kaum noch auf ihren Sitzen halten, so sehr hibbeln sie vor Freude, dass sie nun auch mal was sagen können, wenn auch nicht zum Thema. Die Herren Geis (CSU) und Binninger (CDU) fordern jetzt analog zu den möglichst unerkannt und bewaffnet mitfliegenden Polizisten an Bord von Flugzeugen nun sog. Train-Marshalls.

Jungs, wann seit ihr denn das letzte Mal mit einem Zug gefahren? War das die kleine Bimmelbahn in der Provinz? Irgendeine Bergbahn zur Hütte? Es ist ja okay, wenn man weltfremd ist, aber dann muß man sich doch nicht gleich mit komplett bescheuerten Forderungen lächerlich machen. Soll künftig in jedem Zug ein Marshall sitzen? Und der macht was? Geht völlig unauffällig die ganze Zeit durch den Zug? Wisst ihr, wie lang so ein ICE oder IC sein kann? Gerne auch so voll, dass man ohne Androhung von Prügel eh nicht durchkommt. Oder wollen wir einfach pro Waggon und Abteil einen Marshall abkommandieren, damit jederzeit gewährleistet wird, dass verdächtige Personen, Koffer und Bomben auch rechtzeitig auffallen? Sicher, das ist flott umsetzbar. Wie wäre es mit der Forderung nach Sicherheitskontrollen an jedem Bahnhof und der hermitischen Abriegelung aller Schienensysteme in Europa?

Bevor dies gefordert wird, werden lieber erst einmal Videokameras an jeder Ecke aufgehängt. Damit habt ihr es dann aber den Terroristen so richtig gezeigt. Völlig eingeschüchtert werden sie sich zurückziehen, kurz beraten und dann ihre Selbstauflösung bekannt geben. Videokameras mögen bei der Aufklärung helfen, aber ein Attentat werden sie nicht verhindern können. Denjenigen, die daran glauben wollen, verschaffen Videokameras ein trügerisches Gefühl der Sicherheit. Für mich sind Videokameras an öffentlichen Orten nur eine weiter Einschränkung meiner persönlichen Freiheit. Ich will auch weiterhin in Ruhe Popeln können, von Bewegungsbildern und ähnlichen Schweinereien mal ganz abgesehen.

All diese Forderungen und Maßnahmen führen doch dazu, dass unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ins Wanken gerät, weil in der Hoffnung auf mehr Sicherheit permanent die persönlichen Freiheiten des Einzelnen zurückgedrängt werden. Dann haben die Terroristen gewonnen.