Blogs und Vermarktung – ach ja?

Nico —  22.08.2006

Falk Lüke schreibt über Das schöne Geld und beklagt fehlende Vermarktungsoptionen für Blogger:

viele Blogger in Deutschland würden gerne etwas (mehr) Geld mit ihrem Schreiben verdienen, als ihnen das Google-Ads-Programm einbringen kann. Bis heute gibt es keinen mir bekannten seriösen Anzeigenverkäufer, der für Blogger annähernd akzeptable Konditionen mit sich bringt und dabei ihre zweifellos und oft mit guten Gründen gewünschten Extrawürste respektiert. Und das, obwohl der Onlinewerbemarkt merklich anzieht.

Es gibt eine Handvoll Gründe, warum es noch keinen Onlinevermarkter im deutschsprachigen Raum gibt, der sich ausschliesslich auf Blogs spezialisiert. In den USA gibt es neben den Content-Netzwerken, die sich selber vermarkten, auch Firmen wie Federated Media, die sich ausschliesslich auf die Vermarktung von Weblogs konzentrieren. Wenn man sich die Reichweite von Blogs anguckt und mit kleineren Portalen vergleicht, dann sieht man vor allem, dass die Weblogs irgendwo bei 100-200k PageImpressions im Monat rumdümpeln, während die eigentliche Schallmauer für eine ordentliche Vermarktung erst bei 1 mio PageImpressions anfängt (in den USA gibt es viele Weblogs mit mehr als 1 mio PI im Monat). Vorher lohnt sich das Engagement eher nicht, da die Aufträge in keiner Relation zu dem Aufwand stehen. Wenn man weiterhin sieht, dass in Deutschland viele Blogs bewußt unprofessionell sind, dann fallen schon wieder etliche evtl. vermarktbare Blogs aus dem Raster. Nimmt man Relevanz als ein Kriterium, wie auch immer man die definieren mag, dann ist es sehr schwer mit einzelnen Weblogs zu argumentieren. Von der Akzeptanz von herkömmlicher Werbung im Blog-Umfeld will ich jetzt gar nicht erst anfangen. Viele Blogger sind Diven und wollen eigentlich gerne das Geld, aber nicht die Werbung. Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Honorier meine Schreibe, aber nicht so, dass man dabei Werbung sieht. Macht man eine Aktion daraus, dann regen sich alle über vermeintlich gekauften Content auf. Sicher, es gibt genügend Weblogs, die auf Vermarktung ausgerichtet sind, aber das sind diese PR-Meldungrecyclingdinger, die eh niemand freiwillig lesen will und die nur auf SEO-Basis funktionieren. Vermarktbar sind professionell agierende Amateure, die sich in ihrem Spezialgebiet bestens auskennen und täglich am Thema dichter dran sind, als es sich die herkömmlichen Medien leisten können.

Wie soll man im Umfeld von Blogs Werbung platzieren? Noch dazu höherpreisige, weil es sich ja sonst nicht lohnt, da die PageImpressions fehlen. Ist das Umfeld für den Werbekunden attraktiv? Ja, aber sicher! So attraktiv, dass er bei jeder Kampagne eine Metadebatte ertragen muß? Hmm. Macht es für einen Vermarkter Spass, bei jeder Kampagnen-Anfrage eine Grundsatzdiskussion a la „hmm, der Kunde ist schon okay, aber die Werbeform nicht“ oder „nee, der Kunde geht gar nicht, den mag ich irgendwie nicht“ ertragen zu müssen? Man kann Werbung mit Weblogs verknüpfen, wir versuchen es immer wieder, aber es ist noch sehr anstrengend, sowohl Werbetreibende als auch Blogger von ihrem Glück zu überzeugen. Viele Blogger binden Google Adsense ein, weil es kurz und schmerzlos ist, aber eine echte Vermarktung sieht anders aus. Nur, dies setzt ein anderes Bewußtsein gegenüber der Werbung (und den Abläufen in der Branche) voraus. Die traditieren Abläufe in der Werbebranchen werden nicht auf einmal über den Haufen geworfen, nur weil ein Blogger noch paar PageImpressions für eine Vermarktung frei hat. Neue Konzepte sind gut und wichtig, aber für die nahe Zukunft wird die Online-Vermarktung immer noch von einer Kombination von Kriterien wie PageImpressions, Click, Click-Throughrate und Conversion bestimmt, ob man das nun gut findet oder nicht.

So lange der gelesene Teil der deutschen Blogosphäre eine Ansammlung unprofessioneller Diven ist, so lange wird es zwar witzig und nett zu lesen sein, aber eben nicht wirklich gut vermarktbar.